Aus dem Verlag

Zum Tod von Peter Schneider

Zum Tod von Peter Schneider

Eine Stimme, die unsere Zeit durchleuchtet hat

Wie seine Familie mitteilte, ist Peter Schneider am 3. März 2026 leider verstorben.

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch trauert um einen seiner bedeutendsten Autoren und eine der prägenden intellektuellen Stimmen der Bundesrepublik. Er hinterlässt ein Werk, das wie kaum ein anderes die Brüche, Hoffnungen und Transformationen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentiert.

Mit seiner Erzählung »Lenz« (1973) schuf Schneider das Kultbuch einer ganzen Generation und gab dem Lebensgefühl der 68er-Bewegung eine unvergleichliche literarische Form. Als scharfsinniger Beobachter der geteilten Stadt gelang ihm mit »Der Mauerspringer« (1982) eine prophetische Analyse, die mit dem Begriff der „Mauer im Kopf“ weit über die Zeitgeschichte hinausreichte. Peter Schneider war ein „unerschrockener Diagnostiker“, der in seinen Essays - zuletzt versammelt in »Denken mit dem eigenen Kopf« (2020) - stets den Mut zum eigenen Urteil über den Gruppengeist stellte.

Sein literarischer Bogen spannte sich von der politischen Rebellion über tiefgründige Familienrekonstruktionen wie »Die Lieben meiner Mutter« (2013) bis hin zu seinem im November 2025 erschienenen Roman »Die Frau an der Bushaltestelle«. Dieses letzte Werk, das eine dramatische Dreiecksbeziehung im Spannungsfeld politischer Radikalisierung beleuchtet, führt uns noch einmal sein Vermächtnis als großer Erzähler vor Augen.

Wir verlieren einen loyalen Freund, einen wachen Geist und einen großen Stilisten. Peter Schneider wurde 85 Jahre alt. Sein Werk wird bleiben.

Kerstin Gleba
Verlegerin Kiepenheuer & Witsch
Köln am 04.03.2026

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