Wie gehen wir mit Hitzewellen um? - Interview mit einem Klimaexperten
Wie hängen starke Hitzewellen mit dem Klimawandel zusammen und wodurch entstehen sie?
Hitzewellen sind eine von vielen Folgen des Klimawandels, weshalb dieser unsere Lebensqualität und unseren Wohlstand gefährdet. Durch den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur verschiebt sich das gesamte Temperaturniveau nach oben, was intensivere und längere Hitzewellen begünstigt. Diese entstehen in Europa meist durch starke, feststehende Hochdruckgebiete, welche auch durch eine Abschwächung des Jetstreams infolge der Erderwärmung immer häufiger auftreten werden. In Deutschland gibt es heute bereits etwa dreimal so viele Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius wie noch in den 1950er-Jahren.
Was macht Hitzewellen gefährlich, wie können sie zur Belastung für die Infrastruktur und die Umwelt werden?
Hitzewellen wirken sich auf vielfältige Weise auf unsere Gesellschaft aus. Zunächst einmal sind wir alle durch die gesundheitliche Belastung direkt davon betroffen: Mit steigender Umgebungstemperatur wird die Wärmeabgabe des Körpers erschwert. Dadurch steigt das Risiko für hitzebedingte Krankheiten wie Hitzschläge oder Hitzekrämpfe. Zudem können bestehende Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmert werden. Während starker Hitzeereignisse steigt deshalb auch die Sterblichkeit an.
Darüber hinaus wirken sich Hitzewellen auf zahlreiche Bereiche der Infrastruktur aus. Landwirtschaftliche Ernten werden gefährdet, Wasserwege sind nicht mehr passierbar, Straßenbeläge können sich verformen, die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten sinkt und Arbeitsausfälle nehmen zu. Allein in Deutschland wurden für das Jahr 2023 rund 36 Millionen hitzebedingt verlorene Arbeitsstunden geschätzt. Zudem fördern höhere Temperaturen die Austrocknung von Böden und verschärfen Wasserknappheit. Gleichzeitig steigt das Risiko für Vegetations- und Waldbrände, weil Pflanzenmaterial schneller austrocknet. Alles in allem stellen Hitzewellen gerade auch wegen ihrer vielfältigen sowie großen räumlichen Auswirkungen eine der gravierendsten Folgen des Klimawandels dar.
Für wen sind Hitzewellen besonders riskant?
Grundsätzlich kann Hitze jeden Menschen belasten. Besonders gefährdet sind jedoch ältere Menschen, chronisch Kranke oder etwa auch Kleinkinder. Bei älteren Menschen nimmt beispielsweise häufig das Durstgefühl ab, sodass Flüssigkeitsmangel schneller entsteht. Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten zudem Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt halten, da sich durch Hitze etwa Nebenwirkungen verändern können und daher die Dosierung bestimmter Medikamente angepasst werden sollte.
Wie können wir uns im Alltag gut gegen Hitze schützen?
Um uns vor Hitze zu schützen, haben wir verschiedene Hebel. Zunächst können wir durch hitzeangepasstes Verhalten unseren Körper dabei unterstützen, besser mit hohen Temperaturen umzugehen. Dazu gehört, helle und leichte Kleidung zu tragen, da diese mehr Sonnenstrahlen reflektiert und einen Hitzestau am Körper vermeidet. Wichtig ist außerdem, ausreichend zu trinken – idealerweise mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag – und eher leichte, wasserreiche Speisen zu essen. Schwere, fettreiche Mahlzeiten belasten die Verdauung und führen zusätzlich zu Wärmeproduktion im Körper.
Im Freien sollten wir möglichst Schatten bevorzugen und eine Kopfbedeckung tragen. Gleichzeitig ist es wichtig zu vermitteln, dass bei großer Hitze auch eine Anpassung des Verhaltens notwendig ist. Das bedeutet, die heißesten Stunden des Tages möglichst zu meiden und Aktivitäten im Freien in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen.
Damit wir uns während der Mittagsstunden in kühlere Bereiche zurückziehen können, sollten wir außerdem unsere Wohnräume möglichst kühl halten. Dazu gehören etwa nächtliches Lüften sowie eine wirksame Verschattung der Fenster. Besonders effektiv sind außen angebrachte Rollläden, Markisen oder Jalousien, da sie die Sonnenstrahlen bereits vor dem Fenster abfangen. Innenliegende Vorhänge sind deutlich weniger wirksam, weil die Sonnenstrahlung dann bereits in den Raum gelangt und dort Wärme erzeugt.
Wie können wir unseren Lebensraum an hohe Temperaturen anpassen?
Bäume, Grünflächen und Fassadenbegrünungen sorgen durch Schatten und Verdunstung für Kühlung. Gleichzeitig sollten versiegelte Flächen reduziert werden, da sie sich besonders stark aufheizen. Solche Maßnahmen helfen nicht nur einzelnen Menschen, sondern machen ganze Städte widerstandsfähiger gegenüber zunehmenden Hitzewellen.
Nicht zuletzt gilt es aber auch, besonders gefährdete Menschen während Hitzeperioden zu unterstützen – beispielsweise durch regelmäßige Anrufe, um sicherzustellen, dass sie ausreichend trinken und gesundheitliche Probleme früh erkannt werden.
Ganz entscheidend ist insbesondere, dass wir Hitzewellen und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ernst nehmen, denn nur so können wir auch angemessen darauf reagieren. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass wir uns nur bestmöglich vor den Folgen der Erwärmung schützen können, wenn wir uns auf der einen Seite daran anpassen, auf der anderen Seite aber auch die Erwärmung durch umfassenden Klimaschutz so gering wie möglich halten – nur so können wir unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität für uns und zukünftige Generationen bewahren.