
Wann wusstest du, dass es gut wird? - Christine Westermann & Mona Ameziane im Interview
Ihr zeigt im Buch, dass eine Freundin nicht im selben Alter sein muss. Mona hat früher mit ihren Horoskopen in der Bravo gelitten, Christine hatte beim Knutschen auf der Kirchenempore ein schlechtes Gewissen. Was ist das Schöne daran, eine Freundin zu haben, die eine völlig andere Generation und deren Trends miterlebt hat?
Mona Wir können voneinander lernen, ohne uns gegenseitig das Gefühl zu geben, die andere habe Wissenslücken. Vor einiger Zeit musste Christine mir erklären, was genau ein „Mieder“ ist. Wenig später ging es um „Endometriose“ und da wusste Christine nicht genau, was das ist, weil es die Diagnose in ihrer Jugend einfach noch kaum gab. Immer wieder stoßen wir in unseren Gesprächen auf solche kleinen Generationenunterschiede. Gleichzeitig vergesse ich auch mindestens genauso häufig, dass 45 Jahre zwischen uns liegen – das ist für mich das Schönste.
Christine Das ist doch megacool, oder? Zwei Frauen, die sich mögen und über alles miteinander reden können. Die vielen Jahre, die zwischen uns liegen, sind nicht wichtig. Was man auch daran erkennen kann, dass ich mittlerweile sehr selbstverständlich Monas sprachliche Superlative übernehme. Finde ich selbst ultrakrass. Umgekehrt mag sie auch das eine oder andere Christine-Wort und hat es in ihren Wortschatz gepackt. Wenn sie zum Beispiel über etwas länger nachdenken möchte, will sie es „ in ihrem Herzen bewegen“. Genau wie ich.
Ihr nähert euch in jedem Kapitel einem großen Thema wie Glaube, Glück oder Achtsamkeit. Dabei fällt auf, dass ihr Begriffe oft ganz unterschiedlich besetzt. Gab es bei den zehn großen Themen einen Punkt, bei dem es euch schwer fiel, eine gemeinsame Ebene zu finden?
Christine Das hatte ich, glaube ich, nicht im Sinn, eine gemeinsame Ebene zu finden. Wir sind, ganz unabhängig vom Alter, zwei sehr unterschiedliche Menschen. Bei manchen unserer Gespräche habe ich eine leise Melancholie verspürt. Weil Monas Leben gerade erst anfängt und meines ganz sicher schon auf der Zielgeraden ist. Ich wüsste zu gern, wie Mona in 45 Jahren auf ihr Leben blickt.
Mona Das erste Kapitel dreht sich um das Thema „Antrieb“. Während unseres ersten Gespräches sind wir Tretboot gefahren und ich wollte von Christine wissen, wieso sie in ihrem Alter noch so viel arbeitet. Ihre Antwort hat mich überrascht und auch die Richtung, in die sich unser Gespräch danach gedreht hat. Irgendwann ging es darum, wie viel Kontrolle es im Leben braucht und ob Teile meiner Generation verlernt haben, sich auch mal treiben zu lassen. Diese Stunden im Tretboot haben mich lange nicht losgelassen und das war ja erst der Anfang unserer gemeinsamen Reise für dieses Buch!
Christine, du erzählst im Buch, dass du im Kopf manchmal höchstens elf Jahre alt bist. Zum Beispiel, wenn du am liebsten alle Klingeln an einem Haus drücken und weglaufen würdest. Mona plant ihr Leben manchmal genauer. Ist eine von euch im Alltag eher die Vernünftigere und eine, die eher für Chaos sorgt?
Mona Seit wir unseren Podcast „Zwei Seiten“ gestartet haben, landen wir immer mal wieder in diesen Schubladen: Christine die Wilde, Mona die Vernünftige. Zu einem gewissen Teil füllen wir diese Zuschreibungen sicher auch aus, gleichzeitig fühle ich mich damit nicht besonders wohl, weil ich das Gefühl habe, sie reduzieren uns auf einen einzigen Teil unseres Wesens. Vielleicht bin ich aber auch nur neidisch auf Christines Fähigkeit, sich seit fast 78 Jahren so unbefangen ins Leben zu stürzen. Wir sollten unbedingt mal zusammen einen Klingelstreich machen, da kann ich bestimmt noch viel von ihr lernen!
Christine Da bin ich natürlich sofort dabei. Ich schlage vor, wir machen einen Städtetrip nach Turin. Für mich gibt es dort die schönsten Klingelschilder der Welt. Gold glänzend und groß. Da erwischt man mit einer Hand schon mal gleich ein halbes Dutzend Klingeln. Che figata! würden die Italiener sagen. Megacool eben.
Das Hörbuch zu »Wann wusstest du, dass es gut wird?«

Augen zu und Ohren auf!
In unserer exklusiven Hörprobe können Sie schon in die ersten paar Minuten des Buches reinhören, gelesen von den beiden Autorinnen.
Hier geht es zum Hörbuch.






