Im Gespräch

Martina Bogdahn im Interview

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Dein neuer Roman spielt – wie auch bereits „Mühlensommer“ - in Blumfeld, einem fiktiven Ort, an dem die Zeit langsamer läuft. Wie viel Sehnsucht nach der Unbeschwertheit vergangener Sommertage und dem Geschmack von selbstgemachter Mirabellenmarmelade steckt in diesem Buch?

 

Ich glaube, wir wünschen uns gerade alle einen Ort, an dem die Welt noch in Ordnung scheint. In Blumfeld ist das wirklich so. Wer sich dort zwischen den Häusern verliert, ist gut behütet. Einfach im Pfarrgarten auf einer Bank im Schatten sitzen, den Sommer riechen und sich ein paar fast reife Mirabellen vom Baum stibitzen und in den Mund stecken. 

 

Deine Protagonistin Anna ist 54 und hat ihr Leben lang vor allem für andere funktioniert. Nun soll sie auch noch den letzten Wunsch des verstorbenen Pfarrers Josef erfüllen, dessen Haushälterin sie war.
Warum hast du Anna als deine Hauptfigur ausgewählt?

 

In Anna finden sich bestimmt ganz viele Leserinnen wieder, denn sie stellt, wie die meisten Frauen die ich kenne, ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Ganz nebenbei hält sie mit ihrer liebevollen Art die Gemeinde zusammen. Anna ist der Kleber für die Bewohner von Blumfeld und musste nie ernsthaft darüber nachdenken, etwas anderes zu sein als Josefs Haushälterin. Nach dessen unerwartetem Tod verliert sie von einem Tag auf den anderen jede Perspektive und Sicherheit. Dabei stand sie bis eben doch noch mitten im Leben. Wie soll es nun weitergehen? Ist es mit Mitte 50 nicht schon zu spät, etwas Neues anzufangen? Eine Frage, der Anna sich stellen muss. Wie und ob sie diese meistern kann, das hat mich einfach brennend interessiert.

 

„Mirabellentage“ beginnt mit einem Abschied und Josefs Asche in einer Kakaodose. Warum ist Humor für dich ein so wichtiges Element?

 

Ja, tatsächlich beginnt mein Roman mit einem ernsten Thema. Alles was einen Anfang hat, braucht auch ein Ende. Die Figuren in meinem Roman versuchen, aus dieser Situation das Beste zu machen. Dass dabei so manch skurriler Moment entsteht, ist vorbestimmt.


 

Ein zentrales Motiv deines Romans ist das Weggehen und das Verlassen der gewohnten Umgebung. Welche Bedeutung misst du diesem Motiv bei?

 

„Nur wer von zuhause weggeht, kann heimkommen.“ Dieser Satz aus dem Roman ist mir besonders wichtig, denn wir alle sind auf der Suche und niemand mag Veränderung. Dabei wünscht sich doch jeder eine gute Zukunft. Dafür muss man sich aber bewegen. Auch meine Hauptfigur Anna weiß nicht so recht, wo es nun mit ihr hingehen soll. Mit jedem gewagten Schritt jedoch merkt sie, dass sie alles, was ein gutes Leben ausmacht in sich trägt.

 

Beppo Minx
© Beppo Minx
Martina Bogdahn

Martina Bogdahn , geboren 1976 in Weißenburg, ist auf einem Einödhof in Mittelfranken aufgewachsen und hat in Nürnberg Kommunikationsdesign studiert. Sie lebt und arbeitet als Fotografin in München. Ihr Debütroman »Mühlensommer« stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

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