Im Gespräch

3 Fragen an Ulrike Herrmann

Banner Ulrike Hermann 2
Geld als Waffe

Sie sind Wirtschaftsexpertin und werfen in Ihrem Buch einen ganz neuen Blick auf die Gegenwart. Mal grundsätzlich: Lohnen sich Kriege? Profitiert jemand? Oder machen die Konflikte alle arm?

Kriege machen immer arm. Denn es wird ja nichts Bleibendes produziert – nur zerstört. Noch schlimmer: Wenn ein Land erst einmal auf eine Kriegswirtschaft umgestellt hat, kann es nicht mehr zurück. Das ist gerade die Lage in Russland: Putin wird Krieg führen, solange er an der Macht ist.

Kann die Wirtschaft darüber bestimmen, ob  Kriege begonnen oder beendet werden? Beides ist möglich. Die USA haben die Macht des Dollars genutzt, um Kriege zu beenden und Frieden zu erzwingen. Umgekehrt werden Kriege oft angefangen, um von ökonomischen Schwierigkeiten abzulenken. Diese Gefahr droht gerade in China: Es ist zwar „Exportweltmeister“, aber trotzdem in einer schweren Krise. Die offiziellen Wachstumszahlen sind gelogen. 

Was würde es für die Weltwirtschaft bedeuten, wenn China Taiwan überfällt?

Es wäre eine globale Katastrophe, weil zentrale Lieferketten zusammenbrechen würden. Durch die Meeresenge zwischen Taiwan und China werden mehr als die Hälfte des weltweiten Containerhandels abgewickelt. Zudem ist Taiwan der wichtigste Lieferant von Computerchips. Außerdem würde China seine Wirtschaftsmacht als Waffe nutzen – und keine Antibiotika oder seltenen Erden mehr liefern, um den Westen unter Druck zu setzen. Jeder in Europa würde einen Krieg zwischen Taiwan und China spüren.  

 

Zum Buch
Ulrike Herrmann
© Andrew James Johnston

Ulrike Herrmann, geb. 1964 in Hamburg, Ausbildung zur Bankkauffrau, Studium von Philosophie und Geschichte, Absolventin der Henri-Nannen-Schule. Seit 2000 Wirtschaftskorrespondentin der taz und Publizistin zu sozial- und wirtschaftspolitischen Themen. 2010 erschien ihr erstes Buch "Hurra, wir dürfen zahlen. Über den Selbstbetrug der Mittelschicht" im WestendVerlag. In Folge publizierte sie dort mit "Der Sieg des Kapitals", "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung", "Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen" weitere Bücher, die sämtlich Bestseller geworden sind (im Schnitt 40.000 Exemplare pro Titel). In der letzten Zeit wird sie immer häufiger als Kommentatorin zu politischen Talkshows eingeladen (Phoenix-Runde, Maischberger, Lanz). Einen Namen gemacht hat sie sich nicht zuletzt mit ihren zahlreichen brillanten Vorträge zu Wirtschaftsthemen  bei Stiftungen, Instituten, Universitäten etc. 

Alle Bücher