
Sophie Hunger erhält den Gottfried Keller-Preis 2026
Die Martin Bodmer-Stiftung verleiht den renommierten und mit jeweils 30'000 Franken dotierten Gottfried Keller-Preis in diesem Jahr an die Musikerin Sophie Hunger und den Regisseur Christoph Marthaler.
Die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung ehrt damit zwei Kunstschaffende, die das geschriebene Wort auf einzigartige, musikalische Weise zum Leben erwecken. Ob auf der Theaterbühne, in Konzerthallen, Hörspielen oder im Videoformat ,beide tragen Sprache weit über die klassischen Grenzen hinaus. Während Marthaler das Publikum seit jeher mit den unvergesslichen Liedern seiner Theaterabende prägt, überzeugt Hunger sowohl mit ihren Songs als auch mit ihrem gefeierten Prosadebüt Walzer für Niemand.
Beide eint eine Strahlkraft, die weit über die Schweizer Landesgrenzen hinausreicht.
Der Gottfried-Keller-Preis ist einer der renommiertesten und ältesten Literaturpreise der Schweiz. Seit 1919 wird der Preis alle zwei Jahre von der Martin Boer-Stiftung verliehen. Zu den Preisträgern gehören C.F. Ramuz (1927), Hermann Hesse (1936), Meinrad Inglin (1965), Ignazio Silone (1973), Elias Canetti (1977), Erika Burkart (1992), Agota Kristof (2001), Klaus Merz (2004), Fabio Pusterla (2007), Adolf Muschg und Thomas Hürlimann (2019), Noëlle Revaz (2022). Im Jahr 2024 erhielt Fleur Jaeggy den Gottfried Keller-Preis. Dem Stiftungsrat gehören Thomas Bodmer, Evelyn Braun und Ursina Schneider-
Bodmer an, die Jury setzt sich zusammen aus Ursula Amrein, Ivan Farron und Stefan Zweifel.

Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger erschafft mit ihren mehrsprachigen Texten und ihrer Band ganz eigene Klangwelten. Ihre markante Stimme und intensive Bühnenpräsenz verleihen ihren Songs eine emotionale Tiefe, die für viele Fans zum Soundtrack des eigenen Lebens wurde. In ihrer Musik verschmelzen Melancholie, die Suche nach Liebe und scharfsinnige gesellschaftliche Beobachtungen zu einem unverwechselbaren, fast süchtig machenden Sound.
Mit ihrem literarischen Debüt Walzer für Niemand (ein Titel, der an ihr 2008er-Album Monday’s Ghost anknüpft) erobert die in Berlin lebende Künstlerin nun auch die Prosa. Das Buch gleicht einer modernen Odyssee durch Kindheit und Jugend, die nicht mit der Heimkehr endet, sondern in Paris – dem Startpunkt ihrer internationalen Karriere. Der im Titel erwähnte „Niemand“ bleibt dabei ein faszinierendes Rätsel: Ist er eine verlorene Jugendliebe oder ein abgelegter Teil des eigenen Ichs? Verwoben wird diese Suche mit tiefsinnig-skurrilen Betrachtungen über die Kultur der Walser und eigenen ausdrucksstarken Zeichnungen. Mit dieser kreativen Vielfalt erweist sich Hunger als würdige Preisträgerin im Geiste Gottfried Kellers.
