Interview Lenz Koppelstätter »Am Hang des Todes«
Was fasziniert Dich am Profi-Skisport und warum hast Du den Skiweltcup in Gröden als Schauplatz für einen Mord gewählt?
Wir Südtiroler lernen Skifahren ja mehr oder weniger gleichzeitig mit dem Laufen. Und die besten von uns, werden irgendwann Rennfahrer. Skirennen schaut man im Fernsehen, das gehört dazu, das ist wie Atmen. Ich bin selbst kein Geschwindigkeitsjunkie, aber trotzdem, oder gerade deshalb, fasziniert mich, wie diese Waghalsigen die Pisten runterbrettern. Da steckt eine Geschichte drin, dachte ich mir. Die Abfahrt in Gröden ist natürlich immer ein Saisonhighlight – deshalb bin ich hin, habe es mir angeschaut, ließ mich inspirieren, mich beeindrucken.
Druck, Rivalität, Doping: Wie realitätsnah ist die „knallharte Welt des Skisports“, die Du im Nachwuchsbereich schilderst?
Sport wird oft romantisch verklärt, Profisport ist knallhart, das geht in immer jüngeren Jahren los. Das wollte ich aufzeigen. Wo viel glänzt, wo es Helden gibt, wo es um viel Geld geht und um Ruhm, gibt es Schattenseiten: Betrug, verbissene Rivalität, Ausbeutung, halbseidene Figuren. Da geraten junge Sportler schnell unter die Räder, das macht Leben kaputt.
Deine Beschreibung der Saslong-Piste ist sehr eindrücklich. Fährst Du selbst Ski und kennst Du die Abfahrt aus eigener Erfahrung?
Die Saslong hat es schon in sich. Sie ist sehr steil. Ich fahre verhältnismäßig gut Ski, bin die Piste auch schon öfters gefahren. Aber: Wenn die für die Rennfahrer präpariert ist, dann ist das überhaupt kein Vergleich zum normalen Skibetrieb, dann fahren die teilweise auf blankem Eis. Das ist unglaublich. Im Fernsehen kommt das gar nicht so brutal rüber, live an der Piste, ist es kaum uz glauben, was die da machen.
Der Krimi thematisiert den Konflikt zwischen Tourismus-Zirkus und dem Wunsch nach Natur. Ist das ein Gegensatz, der Dich persönlich beschäftigt?
Natürlich. Wenn man, wie ich, in einer Tourismusregion lebt, beschäftigt das einen. Südtirol lebt vom Tourismus und bekommt den „overtourism“ zu spüren. Ich arbeite ja seit Jahren schon auch als Reisereporter, an allen schönen Orten der Welt begegne ich diesem Thema, scheinbar unlösbar, ein Dilemma. Der Satz von Hans Magnus Enzensberger gilt hoch heute, vielleicht mehr als jemals zuvor: Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet. Leider. Vielleicht ein frommer Wunsch: Wir sollten wieder weniger Tourist sein, uns mehr im Reisender-Sein üben.
Magst Du uns schon neugierig machen auf den nächsten Fall?
Ich weiß selbst noch nicht viel darüber. Er wabert noch undefiniert in meinem Kopf herum, vieles muss sich erst noch herauskristallisieren. Aber vielleicht so viel: Ich wollte immer schon mal einen klassischen Hotelkrimi schreiben. Hotels sind faszinierende Orte. Eine eigene Welt. Betritt man sie, beginnt ein Spiel. Man ist Gast, hat die Chance, sich als anderer zu geben, als der, der man wirklich ist.
Am Hang des Todes
Commissario Grauner hat es getan. Er hat mit seiner Frau Alba tatsächlich eine Weltreise unternommen, während Tochter Sara die Calm Alm zu einem Urlaubsresort umbauen ließ. Nach seiner Rückkehr will Grauner es alles erst einmal ruhiger angehen lassen, doch es kommt ...
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