Vladimir Sorokin

Vladimir Sorokin

Foto © Maria Sorokina

Vladimir Sorokin wurde am 7. August 1955 in Bykovo bei Moskau geboren und gehört zu den Hauptvertretern der russischen Postmoderne. Nach dem Abschluss des Ingenieurstudiums an der Gubkin-Universität für Erdöl und Gas in Moskau 1977, arbeitete er als Grafiker, Buchillustrator, Maler und Konzept-Künstler und gestaltete dabei mehr als 50 Bücher. Heute lebt Vladimir Sorokin mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern in Moskau. Er gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller und Dramatiker Russlands und scharfer Kritiker der politischen Eliten Russlands. Regelmäßig wird er dafür von regimetreuen Gruppen angegriffen. Seit 1993 ist Sorokin Mitglied im russischen PEN-Club.

Werk
Bereits Anfang der 70er-Jahre begann Vladimir Sorokin mit dem literarischen Schreiben und debütiert als Dichter 1972 in der auflagenstarken Zeitschrift Za kadry neftjanikov. Endgültige Anerkennung als Schriftsteller folgte allerdings erst Mitte der 80er-Jahre. 1985, in dieser Zeit gehört Sorokin zur Moskauer Undergroundszene, erscheint in Paris der Roman Die Schlange. Weitere Publikation veröffentlichte der Schriftsteller im Samisdat. Erst einige Jahre vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnte Sorokin in seiner Heimat publizieren: 1989 sind in der Novemberausgabe der Zeitschrift Rodnik einige seiner Erzählungen erschienen. Romane wie Die Schlange oder Die Herzen der Vier folgten hingegen erst im März 1992. Daneben hat Sorokin auch Theaterstücke und Film-Drehbücher verfasst. Für die Oper Rosenthals Kinder, Uraufführung am Bolschoi-Theater im März 2005, schrieb Sorokin das Libretto. Seine Romane wurden in über 20 Sprachen übersetzt.
Vladimir Sorokin wurde national und international für seine literarische Arbeit ausgezeichnet, unter anderem mit dem größten russischen Literaturpreis Das große Buch.

Auszeichnungen
2011 Literaturpreis »Das große Buch« für Metel‘
2010 Gorki-Preis für LJOD
2010 Literaturpreis NOS-Novaja Slovestnost‘ für Metel‘
2005 Liberty-Preis für Verdienste um die russisch-amerikanische Kultur
2001 Russischer Booker-Preis
2001 Andrei Bely-Preis für Verdienste um die russische Literatur
1996 Hörspielpreis der Akademie der Künste für die Hörspielfassung von Hochzeitsreise

Publikationen

Romane, Erzählungen und Kurzgeschichtensammlungen (Auswahl)
• Roman, aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Thomas Wiedling, Haffmans Verlag 1995. (OT: Roman 1984)
• Die Schlange, aus dem Russischen von Peter Urban, Haffmans Verlag 1990. (OT: O?ered‘ 1985)
• Die Herzen der Vier, aus dem Russischen von Thomas Wiedling, Haffmans Verlag 1993.
(OT: Serdca ?etyre??ch 1991)
• Der Obelisk. Erzählungen, aus dem Russischen von Gabriele Leupold, Haffmans Verlag 1992.
• Norma, aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg, DuMont 1999. (OT: Norma 1994)
• Marinas dreißigste Liebe, aus dem Russischen von Thomas Wiedling, Haffmans Verlag 1991. (OT: Tridcataja ljubov’ Mariny 1995)
• Der himmelblaue Speck, aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg, DuMont 2000. (OT: Goluboe salo 1999)
LJOD. Das Eis, aus dem Russischen von Andreas Tretner, Berlin Verlag 2003. (OT: Led 2002)
BRO, aus dem Russischen von Andreas Trentner, Berlin Verlag 2006. (OT: Put‘ Bro 2004)
• 23000, aus dem Russischen von Andreas Trentner, Berlin Verlag 2010. (OT: 23’000 2005)
• Der Tag des Opritschniks, aus dem Russischen von Andreas Tretner, Kiepenheuer & Witsch 2008. (OT: Den‘ opritschnika 2006)
• Der Zuckerkreml, aus dem Russischen von Andreas Tretner, Kiepenheuer & Witsch 2010. (OT: Sanulisi gomero datweiv)
• Der Schneesturm, aus dem Russischen von Andreas Tretner, Kiepenheuer & Witsch 2012. (OT: Metel‘ 2010)
• Tellurija 2013
Daneben zahlreiche bisher nicht ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichten und Erzählungen.

Sonstiges
• Ein Monat in Dachau, aus dem Russischen von Peter Urban, Haffmans Verlag 1992. (OT: Mesjac v Dachau 1994)
• Pelmeni/Hochzeitsreise. Zwei Stücke, aus dem Russischen von Barbara Lehmann, Verlag der Autoren 1997.
• Hochzeitsreise: ein Vaudeville in fünf Akten, aus dem Russischen von Barbara Lehmann, Haffmans Verlag 1995.
• Der Unterstand, aus dem Russischen von Barbara Lehmann, Verlag der Autoren 1995.
• Dostojevskij Trip/Krautsuppe, tiefgefroren, aus dem Russischen von Barbara Lehmann, Verlag der Autoren 2001. (OT: Dostoevskij trip)
• Libretto zur Oper Rosenthals Kinder 2005.

Theateradaptionen (Auswahl)
• Pelmeni, UA: St. Petersburg 1992.
• Das Jubiläum, UA: Staatsschauspiel Dresden 1994.
• Hochzeitsreise, UA: Volksbühne Berlin 1995.
• Ein Monat in Dachau, UA: Düsseldorfer Schauspielhaus 1996.
• Die russische Großmutter, UA: Schauspiel Leipzig 2001.

Literatur
• Erik Simon: Ljod. Das Eis, in: Das Science Fiction Jahr 2004, herausgegeben von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag, München 2004, ISBN 3-453-87896-5, S. 917–920.
• Bartholomäus Figatowski: Heartbreaker. Vladimir Sorokins eisiger Abgesang auf die Menschheit. In: Walter Delabar, Frauke Schlieckau (Hrsg.): Bluescreen. Visionen, Träume, Albträume und Reflexionen des Phantastischen und Utopischen. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89528-769-5, S. 285–287.
• Robert Hodel: Der Gewaltdiskurs der Politik als literarische Vorlage bei Andrej Platonov und Vladimir Sorokin. In: Verbrechen – Fiktion – Vermarktung. Gewalt in den zeitgenössischen slavischen Literaturen (Open Access); [Internationale Konferenz, 20. – 22. September 2012, Universität Hamburg]. Universitätsverlag, Potsdam 2013, ISBN 978-3-86956-271-1, S. 65–86.
• Johanna Renate Döring: Von Puschkin bis Sorokin: zwanzig russische Autoren im Porträt, Böhlau 2013
• Telluria, aus dem russischen vom Kollektiv Hammer und Nagel, Kiepenheuer & Witsch 2015 (OT: Telluria)


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