Ausgezeichnet: Rede von Thomas Hettche zum Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2014

Der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber und Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth gratulieren dem Preisträger Thomas Hettche.

Der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber (li.) und Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth gratulieren dem Preisträger Thomas Hettche.

Dankesrede

von

Thomas Hettche

zur Verleihung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises

am 2. November 2014 in Braunschweig

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Im Sommer 1792 verlangte das revolutionäre Paris die Auflösung der königlichen Menagerie in Versailles im Namen der Menschen und der Tiere. Wohl eher in dem der Menschen, denn viele der exotischen Tiere landeten bei den Pariser Metzgern. Jene fünf aber, die überlebten, bildeten den Grundstock des Jardin des Plantes, des ersten wissenschaftlichen Zoos der Welt. Eine Anekdote, für die sich in der Pfaueninsel leider keine passende Stelle fand, die aber ein zentrales Thema meines Romans illustriert: Die Ambivalenz von Veränderungen. Artikel lesen ›

Das Ohr auf der Schiene der Geschichten #6 Oliver Polak

Was unsere Autoren schreiben, wissen wir ja. Was sie lesen, erfahren wir in unserer Rubrik »12 Fragen an…«. Doch was hören Sie eigentlich? Beim Schreiben, beim Lesen, jeden Tag? Wir fragen nach, bei lebenden Autoren unseres Hauses und auch bei solchen, die uns schon vor einiger Zeit verlassen haben. Gut aufgelegte KiWi-Autoren verraten uns hier ihre unlektorierte Playlist, und wir legen unser Ohr auf die Schiene der Geschichten!

(Foto: stallio / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA )
(Foto: stallio / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA )

Oliver Polak entführt in seinem neuen, unlängst erschienenen Buch »Der jüdische Patient« in die Zwischenwelt der Psychiatrie und schildert, was einigen von uns nicht unbekannt erscheint: der steinige Weg ins eigene Ich und das tägliche Ringen um die eigene Würde.
Was ihn während seines Klinikaufenthaltes bewegte, spiegelt sich auch in seiner Musik wider, die wir hier (auszugsweise) wie auch im Anhang des Buches als Playlist für Sie zusammengestellt haben. Artikel lesen ›

Zu zweit übersetzen. Geht das überhaupt? von Isabel Bogdan und Ingo Herzke

Isabel Bogdan und Ingo Herzke sind langjährige literarische Übersetzer, die für ihre Arbeiten bereits ausgezeichnet wurden und die einander gut kennen. Nun haben sie  – nicht ohne Zeitdruck – gemeinsam ein Buch übersetzt: Nick Hornbys neuen Roman Miss Blackpool. Uns gewähren sie hier einen Einblick in die Übersetzer-Werkstatt. Und für Hornby-Leser ist dieser Werkstatteinblick auch noch mit einer Verlosung verbunden (siehe unten)!

U1_978-3-462-04690-8Zu zweit übersetzen. Geht das überhaupt?

Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, klar geht das. Beziehungsweise nein, das geht natürlich nicht.

Wirklich „zu zweit übersetzen“ geht natürlich. So, dass man jeden Satz bespricht, dass jedes Wort ausdiskutiert wird, dass man alles gemeinsam durchkaut. Das geht super, wenn man Zeit hat. Unendlich viel Zeit. Die hatten wir bei Nick Hornby aber nicht; wenn genug Zeit gewesen wäre, hätte Ingo ihn allein übersetzt. Nun war aber klar, dass er es allein nicht schaffen konnte, deswegen kam Isa dazu. Nicht, damit wir jeden Satz besprechen konnten und dadurch doppelt so viel Arbeit gehabt hätten, sondern um Ingo einen Teil der Arbeit abzunehmen. Was aber nicht heißt, dass wir nur nebeneinanderher gearbeitet hätten. Artikel lesen ›

Ausgezeichnet: Laudatio auf Eva Menasse zum Literaturpreis Alpha 2014

Eva Menassa flankiert von Bundesminister Josef Ostermayer, sowie Alpha-Initiator und Casinos Austria Vorstandsdirektor Dietmar Hoscher und Christian Jahl (g.l.)

Eva Menasse bei der Preisverleihung, flankiert von Bundesminister Josef Ostermayer, sowie Alpha-Initiator und Casinos Austria Vorstandsdirektor Dietmar Hoscher (g.r.) und Christian Jahl (g.l.)

Laudatio

von

Paulus Hochgatterer

zur Verleihung des Literaturpreises Alpha 2014 an Eva Menasse

am 10. November 2014 in Wien

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Festgäste!

Zur Einstimmung etwas Vertrautes.
Da Schule etwas ist, mit dem wir alle Erfahrung gemacht haben, somit gewissermaßen eine kleine gemeinsame Identität stiftet, da das Buch, um das es jetzt gehen soll, mit dem Wort „Sommerferien“, genauer, mit dem prädikatslosen Satz „Sommerferien.“, also implizit eindeutig mit dem Thema Schule, beginnt, und da ich als armes Lehrerkind sowieso mein ganzes Leben lang nicht anders können werde, als mich mit Schule zu beschäftigen, sei mir am Anfang ein kurzer Ausflug dorthin gestattet. Schule. Biologie und Umweltkunde (so hieß es zumindest zu meiner Zeit). Mineralogie. Artikel lesen ›

12 Fragen an Bernd Imgrund #13

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

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12 Fragen an Adriana Altaras #12

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

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Stimmig! Oder: Warum es zu »Der Tag, an dem ich fliegen lernte« ein Hörbuch gibt

»Der Tag an dem ich fliegen lernte« ganz allein im Studio

»Der Tag, an dem ich fliegen lernte« ganz allein im Studio

Es gibt viele Gründe, warum sich ein Hörbuch-Verlag für die »Vertonung« eines Romans entscheidet, und über alle könnte man sich mehr oder weniger streiten. Aber wenn da plötzlich ein Stoff kommt, bei dem man sofort an eine bestimmte Stimme denkt, ja wenn man den ganzen Text sofort mit dieser Stimme im Ohr liest, dann hält man da ziemlich sicher ein perfektes Hörbuch in den Händen. Beim Lesen von »Der Tag, an dem ich fliegen lernte« von Stefanie Kremser hat mich Anna Thalbach vom zweiten Satz an als Erzählerin begleitet.  Ich war mir sofort sicher: Ihre Klangfarbe würde das Staunen der sechsjährigen Lulu zum Ausdruck bringen; mit ihrer Interpretation würde sie der reiferen Lulu gerecht werden, die – reflektierend, kommentierend – die Erlebnisse ihres jüngeren Selbst sowie die Geschichte eines ganzen Dorfes Revue passieren lässt. Artikel lesen ›

»Man muss die Finnen feiern, wie sie fallen«

Coverreihe

 

Finnland ist cool, die Finnen nicht minder.

So lehrte das spätestens die diesjährige Frankfurter Buchmesse. »Brain Poetry« konnte man sich dort im finnländischen Pavillon auf kleinen, an Bürgeramt-Wartezettel erinnernden Bons ausdrucken lassen. Doch »Brain« ist in der finnischen Literatur auch ohne Kassenzettel-Ästhetik überreich vorhanden, wie Sofi Oksanen neben vielen anderen (Katja Kettu) dieser Tage aufs schönste unter Beweis stellt.
In ihrem neuesten Roman »Als die Tauben verschwanden« spürt »Finnlands dunkle Königin« (ZEIT) dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs nach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Und auch in ihrer Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse beschäftigt sich Oskaren mit der finnischen Geschichte und ihren Protagonisten, u.a. beantwortet sie die heiß diskutierte Frage, warum der Weihnachtsmann Finnisch spricht.
In unserer Messe-Rückschau möchten wir uns deshalb dieses Jahr auf die Medienberichte konzentrieren, die sich mit dem Ehrengast Finnland und seinen literarischen Vertretern auseinandersetzen und wünschen Ihnen dabei: Pitäkää hauskaa [Viel Vergnügen]! Artikel lesen ›

Sofi Oksanen: »Der Weihnachtsmann spricht Finnisch«

Bild_OksanenLiebe Leser,

ich wurde im Jahr 1977 in Finnland in eine estnisch-finnische Familie geboren, als Finnland das goldene Zeitalter der Finnlandisierung erlebte. Sie schuf eine Atmosphäre, die sich auf das ganze Land auswirkte, und Finnlandisierung betrieben die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft ebenso wie die Medien und die Kulturelite. Sowjetkritische Wissenschaftler an den Universitäten hatten kein leichtes Leben, und in der Journalistenausbildung herrschte derselbe Geist. An unserer Schule wurden Landkarten benutzt, auf denen mein zweites Heimatland Estland fehlte, und von der sowjetischen Besetzung Estlands wurde in Euphemismen gesprochen. Als im schwedischen Fernsehen der Film “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch” nach dem Roman von Alexander Solschenizyn gezeigt wurde, unterbrachen die finnischen Behörden die Übertragung, die sonst auch innerhalb der Grenzen Finnlands zu sehen gewesen wäre. Dieser Film, der das sowjetische System der Straflager darstellte, war nicht für die Finnen bestimmt. Das Ärgerlichste bei all dem war aber vielleicht die Selbstzensur; Finnland agierte selbst als sein gründlichster Zensor. Finnlandisierung war gleichbedeutend mit verminderter Selbständigkeit, mit angenagter Demokratie und abgewürgter Meinungsfreiheit – ein Modell, das ein Finne unmöglich irgendjemandem empfehlen kann, obwohl in letzter Zeit viele ausländische Wissenschaftler fanden, dass es sich für die Ukraine eigne. Die Meinung und der Geschmack der Bürger jener Zeit verraten jedoch, dass es auch ein anderes Finnland gab. Artikel lesen ›

»Über dir, über mir – dieselben Sterne«

ElementOfCrime

Dass unsere Autoren schreiben können, wissen wir ja bereits. Dass sie dazu gut lesen, können wir in unserem Tagesgeschäft auch immer wieder erfahren. Wenn wir dann auch noch feststellen dürfen, dass sie obendrein musikalisch sind, kennt unser Glück keine Grenzen! Unser Autor Sven Regener ist nun schon drei Jahrzehnten erfreulich musikalisch und mit seiner Band »Element of Crime« in der ganzen Republik bekannt. Heute erscheint nach fünf Jahren endlich das neue Element of Crime-Album »Lieblingsfarben und Tiere«, mit dem Regner im gleichnamigen Titelsong der Entschleunigung huldet: »Denk an Lieblingsfarben und Tiere, Dosenravioli und Buch. Und einen Bildschirm mit Goldfisch, das ist für heute genug.«

Helge Malchow erinnert sich hier an seinen letzten Besuch im Kreuzberger Studio der Band. Es war sonnig und Helge lächelte.

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