»Wir signieren alles! Unterhemden, Oberarme…« Eine Buchpremiere mit Armin Maiwald

Sonntagmorgen, 11 Uhr. Vielleicht nicht die beste Zeit, um ins Theater zu gehen und auch nicht die populärste. Doch für ihn kommen sie gerne: Armin Maiwald. Wie sein Lektor Lutz Dursthoff ihn vorstellt: »Die Stimme der Maus«. So kennen ihn alle, seit über 40 Jahren. Fast erwartet man, dass die Maus gleich mit dem Elefanten hinterm Vorhang hervorkommt und eine ihrer berühmten Verrenkungen macht.

Doch heute geht es nicht um die Maus, zumindest nicht vorrangig. Armin Maiwald stellt in der Kölner »Comedia« im Gespräch mit Christine Westermann seine Autobiographie vor, Aufbau vor laufender Kamera. Geschichten aus meinem Leben. Es geht um das Leben von Armin Maiwald, und das ist nicht weniger spannend als seine vielen Lach- und Sachgeschichten.

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»Nicht einknicken«: Helge Malchow über die Fatwa gegen Salman Rushdie und warum die Angst nicht siegen darf

Verleger Helge Malchow

Verleger Helge Malchow

Der Roman »Unterwerfung« von Michel Houellebecq besteht aus fünf Kapiteln. Nur dem letzten Kapitel ist ein Motto vorangestellt, es lautet: »Wenn der Islam nicht politisch ist, ist er nichts« und stammt von dem iranischen Religionsführer Ayatollah Khomeini. Wie diese Politik aussieht, erfuhr die Welt vor 26 Jahren, im Februar 1989, als besagter Ayatollah Khomeini die berüchtigte Fatwa, d.h. einen Mordaufruf gegen den Schriftsteller Salman Rushdie wegen seines Romans »Die satanischen Verse« ausrief.

Das war eine Art Startschuss für zahlreiche islamistisch inspirierte Gräueltaten bis zu den Anschlägen vom 7. Januar in Frankreich. Diese Ursprungstat richtete sich nicht zufällig gegen ein Kunstwerk, denn die Freiheit der Kunst ist eine grundlegende Schranke, die Diktaturen von freien Gesellschaften unterscheiden: Kunst bedeutet autonome Phantasie, bedeutet, mit der »Realität« zu spielen, zu übertreiben, zu erfinden, zu provozieren, zuzuspitzen. Kunst bedeutet Ironie, Satire, Zumutung, Witz, auch Boshaftigkeit. Kunst erfüllt keinen »Auftrag«, weder der Macht noch der Moral noch der Religion.

»Die Satanische Versen« von Salman Rushdie: Erschienen auf Deustch m 17. Oktober 1989 im eigens dafür gegründeten »Artikel 19 Verlag«.

»Die Satanische Versen« von Salman Rushdie: Erschienen auf Deutsch am 17. Oktober 1989 im eigens dafür gegründeten »Artikel 19 Verlag«.

Ich erwähne diese Selbstverständlichkeiten, um den damaligen Schock unter den Mitarbeitern des Verlags Kiepenheuer & Witsch, bei dem die deutsche Übersetzung des Romans erscheinen sollte, spürbar zu machen. Der Mordauftrag richtete sich ja neben dem Autor ausdrücklich gegen alle Beteiligten: die Übersetzer, die Verlagsmitarbeiter, die Verleger, die Buchhändler.

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12 Fragen an Malte Welding #14

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

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Stein trifft Steen: Jesper Stein interviewt seinen Kopenhagener Kommissar Axel Steen

Jesper Stein © Morten Holtum

Jesper Stein © Morten Holtum

»Ich bin nicht der typische Bulle«

Journalist und Autor Jesper Stein trifft den Kopenhagener Kommissar Axel Steen und spricht mit ihm über die Opfer von Verbrechen, über Strafe und Schmerz.

Jesper Stein ist Journalist und arbeitete als Kriminalreporter in Kopenhagen. 2008 erschien sein Bestseller über Bent Isager-Nielsen, den Leiter der Sektion 1, dem dänischen Pendant zum FBI. Das Buch erklärt u.a., warum Dänemark die weltweit höchste Aufklärungsrate bei Mordfällen aufweisen kann. Jesper Stein lebt seit 1992 in Nørrebro, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach Unruhe ist Weißglut sein zweiter Roman um den Kommissar Axel Steen. Artikel lesen ›

»Erlösung im Diesseits holen!« Udo Jürgens im Gespräch mit Alexander Gorkow

Udo Jürgens, 2006 (Foto: Dominik Beckmann)

Udo Jürgens, 2006 (Foto: Dominik Beckmann)

Vor zehn Jahren traf Alexander Gorkow den damals 70jährigen Udo Jürgens zu einem bemerkenswerten Interview. Udo Jürgens, der populärste Entertainer deutscher Sprache, der am 21. Dezember 2014 im Alter von 80 Jahren starb, sprach mit Alexander Gorkow über deutsche Liedtexte, über die Poesie der Umgangssprache und die Kurzgeschichten in seinen Liedern, über Marlene Dietrichs charmanten Umgang mit der deutschen Sprache, seine erstaunlich unverkrampfte Begegnung mit Landsmann Thomas Bernhard, über Pathos und Erlösung, Kunst und Religionen. Und über den Tod.

Das Interview ist Alexander Gorkows Buch »Draußen scheint die Sonne« entnommen. Artikel lesen ›

Ganz ruhig, Reinhold!

Reinhold NL

 

RUHESTAND!!!

PAHAHAHAHAHA!!! schallt es durch den Verlagsflur. Reinhold Joppich hat gerade einen bestimmt sehr guten Witz gemacht. Von allen Kollegen lacht er am allerlautesten. War ja schließlich sein Witz. PAHAHAHAHAHA!

Dieses Lachen werden wir vermissen, und das Poltern dazwischen und das Rumpeln nebenan, das bei ihm immer dazu gehört, die gepflegte Marketingrunden-Randale am Morgen, diese ihm so ureigene Leidenschaft, für die er immer die richtigen (oder im Zweifel auch einfach sehr lauten) Worte findet, und die immer, echt jetzt!, immer aus der Mitte seines Herzens hervorpreschen. Sein Pfeifen in den Gängen, sein grollender Bass im Türrahmen, der uns italienisches Liedgut näher bringen sollte… Ob wir wollten oder nicht. Meistens jedoch wollten wir sehr gerne.

Wir werden nicht nur Reinhold Joppich, unseren legendären Verkaufs- und Vertriebsleiter, den »Bücher-Berserker«, wie eine große Zeitung einmal titelte, vermissen; auch Reinhold, der Explosions-Künstler, das wild schlagende Herz von Kiepenheuer & Witsch, wird fehlen. Artikel lesen ›

12 Fragen an Tino Hanekamp #13

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

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Das Ohr auf der Schiene der Geschichten – #7 Tino Hanekamp

Was unsere Autoren schreiben, wissen wir ja. Was sie lesen, erfahren wir in unserer Rubrik »12 Fragen an…«. Doch was hören Sie eigentlich? Beim Schreiben, beim Lesen, jeden Tag? Wir fragen nach, bei lebenden Autoren unseres Hauses und auch bei solchen, die uns schon vor einiger Zeit verlassen haben. Gut aufgelegte KiWi-Autoren verraten uns hier ihre unlektorierte Playlist, und wir legen unser Ohr auf die Schiene der Geschichten!

(Foto: stallio / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA )
(Foto: stallio / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA )

Tino Hanekamp , geboren 1979 in Wippra/ Sachsen-Anhalt, arbeitete jahrelang als Musikjournalist, lebte mal hier und mal dort, reiste durch die Welt und landete vor ein paar Jahren in Hamburg, wo er mit einem Freund aus Versehen einen Musikclub namens Weltbühne gründete, der dann aber abgerissen wurde. Heute ist er Mitbegründer, Miteigentümer und Programmdirektor des Uebel & Gefährlich, das mehrfach zum besten Musikclub Deutschlands gewählt wurde. Für seinen Roman »So was von da« erhielt er den Silberschweinpreis für das beste Debüt der LitCologne und den Kasseler Förderpreis für Komische Literatur 2012. Artikel lesen ›

Ausgezeichnet: Rede von Thomas Hettche zum Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2014

Der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber und Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth gratulieren dem Preisträger Thomas Hettche.

Der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber (li.) und Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth gratulieren dem Preisträger Thomas Hettche.

Dankesrede

von

Thomas Hettche

zur Verleihung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises

am 2. November 2014 in Braunschweig

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Im Sommer 1792 verlangte das revolutionäre Paris die Auflösung der königlichen Menagerie in Versailles im Namen der Menschen und der Tiere. Wohl eher in dem der Menschen, denn viele der exotischen Tiere landeten bei den Pariser Metzgern. Jene fünf aber, die überlebten, bildeten den Grundstock des Jardin des Plantes, des ersten wissenschaftlichen Zoos der Welt. Eine Anekdote, für die sich in der Pfaueninsel leider keine passende Stelle fand, die aber ein zentrales Thema meines Romans illustriert: Die Ambivalenz von Veränderungen. Artikel lesen ›