Post aus …

Da ist man endlich weg, hat seine Ruhe und die genau richtigen Bücher im Gepäck. Lässt sich von der Sonne wärmen, flaniert, kauft ein paar hübsche Karten oder verausgabt sich beim Nichtstun. Isst gut, schläft gut, entspannt vielleicht auch beim Aktiv-Urlaub (lesen, umblättern …). Kurz: Ist mit dem süßen Leben auf einmal per Du.
Doch kurz vor der Abreise fällt es einem ein. Die Postkarten. Man. Muss. Postkarten. Schreiben. Und das, obwohl man bereits in den sozialen Netzwerken ein veritables Selfiegewitter abgefeuert hat (Man wollte ja nur mal zeigen, wo man sich gerade befindet!). Aber manche Menschen haben einfach den persönlichen Gruß verdient. Wenn das doch nur nicht so viel Arbeit machen würde.
Hier kommt die Lösung: Wir haben für Sie vorgeschrieben. Schneiden Sie unsere Karten einfach entlang der gestrichelten Linie aus, kleben Sie sie auf Ihre Postkarten, Marke drauf, Briefkasten, fertig. Natürlich können wir nicht alle Länder abdecken, aber eine Flasche Tipp-Ex kann da Abhilfe schaffen. Streichen Sie Lago Maggiore und Bretagne, schreiben Sie einfach Kroatien drüber oder Kreta oder Mecklenburgische Seenplatte. Merkt kein Mensch. Aber alle werden sich freuen.

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… von der Côte d’Azur

Postkarte Cazon

 

→ Christine Cazon, Stürmische Cote d´Azur

… aus Dänemark

Postkarte Bedraengnis
→  Jesper Stein, Bedrängnis

… aus den schottischen Highlands

Postkarte Pfau
→ Isabel Bogdan, Der Pfau

… aus der Bretagne

Postkarte Bannalec
→ Jean-Luc Bannalec, Bretonische Flut

… aus der Welt

Postkarte Entscheidung
→ Friederike Achilles / Philipp Rusch, Die beste Entscheidung unseres Lebens – wie wir einfach loszogen und um die halbe Welt reisten

… vom Laggo Maggiore

Postkarte Varese
→ Bruno Varese, Die Tote am Lago Maggiore

… aus Südfrankreich

Postkarte Sola
→ Yann Sola, Tödlicher Tramontane

… aus Schweden

Postkarte Sten
→ Viveca Sten, Tödliche Nachbarschaft

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100 Fragen an … Götz George (von Moritz von Uslar)

Er soll so derartig schlechtlaunig, böse und asozial rüberkommen, also … In­terviews wären praktisch nicht zu ma­chen. Wenn er doch mal redete, dann in zwei Wortschwällen, spätestens nach der zweiten Frage bräche er nämlich ab. Aha. So sitzt man dann, gleich entspannt – auch einfach glücklich darüber, dass man hier überhaupt sitzen darf – auf weißen Riesensofas in seiner Hamburger Wohnung. Zigarillos, Kaffee, Blicke in das wunderschöne weiße Winterleuchten über der Alster. Geht’s gut? Ja, klar geht’s gut! Na, dann ist gut! Haha! So kann man sich doch unterhalten. Er trägt Bart, die Goldbrille, Sweatshirt, weiße Flauscheschlappen. Wer sich für diesen Stil entscheidet, wer sich so wohl fühlt – ehrlich, der kann so schlecht nicht sein. Seine Freundin (groß, blond, Typ Ham­burger Prachtfrau) erkundigt sich noch einmal extra freundlich und ernst ge­meint, ob ihre Anwesenheit auch wirklich nicht störe. Nein. Wirklich überhaupt nicht. Schön.

1 Herr George, wann zuletzt einen schönen Kinoabend verbracht?
Götz George:
Gar nicht. Ich schaue mir die Filme lieber auf Video an. Ich bin… zu menschenscheu. Artikel lesen ›

Miese Bullenspiele: Autorenbesuch bei Jesper Stein in Kopenhagen

»Bedrängnis«. Das ist mehr als wörtlich zu nehmen. In seinem dritten Fall steckt Vizekriminalkommissar Axel Steen in der Scheiße, tiefer denn je. Mit Jesper Stein am Tatort Nørrebro.

Jesper Stein gehört zu den Autoren, die ihrer Stadt eine Geschichte geben. Eine dunkle. Ian Rankin tut dies für Edinburgh, und Manuel Vazquez Montalbán hat es für Barcelona getan.
Auf dem Weg über Kongens Nytorv – den Blick auf den weiten Platz versperren meterhohe Bauplatzwände, Kopenhagen bekommt gerade U-Bahn – nach Nørrebro reden wir über Barcelona, die Stadt, deren rauer Duft nach Urin, Fisch, Blumen und Sex aufbewahrt ist in den Kriminalromanen Vazquez Montalbáns. Nørrebro steht das gleiche Schicksal bevor wie dem  barrio gótico. »Sagt ihr auch Gentrifizierung dazu?«, fragt Jesper, und wie immer sind die abstrakten Begriffe global verwendbar. Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #23 (Neil Young)

Verleger Helge MalchowMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus.

 

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Aus dem Notizbuch des Verlegers #22 (Renate Matthaei)

Verleger Helge MalchowMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

Perez, die Côte Vermeille und ich. Ein Ortstermin mit Yann Sola

Die Gegend um die Côte Vermeille

Die Gegend um die Côte Vermeille

Sieht man zum ersten Mal die sich ins Meer stürzenden Pyrenäen-Ausläufer, denkt man nicht an eine bewohnbare Küste. Dann aber wird die Straße enger, windet sich teilweise schwindelerregend um die Klippen und belohnt den mutigen Fahrer mit drei Ortschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten (eigentlich sind es vier, aber Cerbère, der letzte französische Ort vor der Grenze zu Spanien, ist nur ein Verladebahnhof, wo die französischen Waren auf spanische Züge verbracht werden, weil die Spurbreiten der staatlichen Eisenbahnen nicht die gleichen sind). Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #21 (Urlaubstipp von Yann Sola: die Côte Vermeille)

Verleger Helge Malchow

Verleger Helge Malchow

Mit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

Die Bahnhofsvorplatzpfütze

Du kannst sie kommen sehen.
Ok, unter deinem Schirm vielleicht nicht.
Du kannst sie umgehen oder plötzlich in ihr stehen.
Du kannst sie verfluchen und über sie lachen.
Du kannst mit ihr spielen, du kannst sie beschimpfen.
Du kannst sie überwinden.
Mit großen Schritten. Platsch, platsch, platsch, platsch.
In der Bahnhofsvorplatzpfütze ist es nass.

Die Bahnhofsvorplatzpfütze: eine Betrachtung aus der zweiten Etage.

Nein, Bücher vibrieren nicht

Es war kurz vor Weihnachten und ich saß auf dem grünen Cordsessel, den Johannes in seiner Buchhandlung aufgestellt hatte, vor einer Säule mitten im Raum, der schmal und lang wie ein Schiffsdeck war. Links und rechts waren die Regale bis unter die Decke mit Büchern gefüllt. Es gab einen zweiten Sessel hinten im Laden, außerdem zwei Tische mit wechselnden Themenschwerpunkten, an diesem Tag Bücher von Nobelpreisträgern und Märchenadaptionen.
Ich war auf der Suche nach einem Tipp für ein Buch, das ich Isa schenken wollte. Johannes Buchhandlung war in der Stadt, in der ich meinen Zivildienst leistete, weshalb ich nach der Arbeit bei ihm vorbeischaute und ihn um Rat fragte.
»Wie wäre es mit Die Wellen von Virginia Woolf?«, sagte er. »Das liest du gerade, nicht wahr? Viele Menschen haben eine Abneigung dagegen, Klassiker der Moderne zu verschenken. Wahrscheinlich denken sie, die Leute kennen das Buch oder sie haben keine Lust auf ältere Werke. Ich schenke Freunden deshalb oft zwei Bücher, einen Klassiker und einen zeitgenössischen Roman, und das regt meine Freunde manchmal sogar an, über die Gemeinsamkeiten nachzudenken. Das wäre doch auch eine gute Geschenkidee für deine Freundin? Die Wellen kannst du mit so gut wie jedem Buch kombinieren.«
»So spricht ein Buchhändler«, sagte ich nur.
»Probier es aus«, sagte Johannes und lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Er hatte auf der Mitte der Stirn ein kleines, verlorenes Haarbüschel, sodass sein rötliches Gesicht wie ein gemaltes Herz aussah. Außerdem hatte er eine Vorliebe für Brillen mit dickem Gestell und für karminrote Pullover. Artikel lesen ›

Panama Papers – das Manifest von John Doe (die anonyme Quelle der Dokumente)

U1_978-3-462-05002-8Die Panama Papers haben weltweit enorme Reaktionen ausgelöst. Nun hat sich „John Doe“, die anonyme Quelle der Dokumente, zu Wort gemeldet. Sein Manifest lässt sich als Erklärung seines Handelns lesen. Es ist zugleich eine dringliche Aufforderung zu politischem Engagement.

Wir dokumentieren hier das Manifest des Informanten unserer beiden Buch-Autoren Bastian Obermayer und Frederik Obermaier.

Von „John Doe“

Die Ungleichheit der Einkommen, die Kluft zwischen Arm und Reich, ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Es betrifft jeden von uns, weltweit. Seit Jahren tobt die Debatte über eine plötzliche Verschlimmerung der Lage, doch Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten sind trotz unzähliger Reden, Analysen, schwacher Proteste und ein paar Dokumentarfilmen rat- und hilflos, wie diese Entwicklung aufzuhalten ist. Die Fragen bleiben: Warum? Und warum gerade jetzt?

In den Panama Papers ist die Antwort darauf nun offensichtlich geworden: massive, alltägliche Korruption. Dass ausgerechnet eine Rechtsanwaltskanzlei diese Antwort liefert, ist keineswegs Zufall. Mossack Fonseca ist mehr als ein Rädchen im Getriebe der „Vermögensverwaltung“. Die Kanzlei nutzte ihren Einfluss, um weltweit Gesetze zu diktieren und zu umgehen und so über Jahrzehnte hinweg die Interessen von Kriminellen durchzusetzen. Artikel lesen ›