Die Autorenwand #10: Viveca Sten

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle ein Bild von der KiWi-Autorenwand. Bei Instagram, facebook und twitter kannst Du die Bilder unter den Hashtags #Autorenwand, #ErsterSatz, vielleicht auch unter #200shadesofgrey finden. Die Reihenfolge der Autoren ist vollkommen dem Zufall überlassen. Nur eines bleibt von Bild zu Bild gleich: Genannt wird immer das erste KiWi-Buch des Autors, zusammen mit dem ersten Satz aus selbigem. Wenn Du mehr über die Autorenwand erfahren willst, lies bitte den Blog-Artikel »Autoren an der Wand«Artikel lesen ›

Uwe Timm: Den »Zauberberg« neu lesen (II)

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Seit über vierzig Jahren schreibt Uwe Timm hochgelobte Romane, Erzählungen und Novellen. Seither beschäftigt er sich auch essayistisch mit dem Schreiben und denen, die schreiben. Die Essays aus dem Band »Montaignes Turm« umreißen den Horizont seines literarischen Schaffens. Es geht um Montaigne, Kafka, Koeppen, Böll – und ganz zentral um Thomas Mann. Und es geht um eigene Erfahrungen und Schreibanlässe, um Lektüren und Begegnungen. Es sind Reflexionen über das Schreiben und das Leben, die Uwe Timm als großen Stilisten zeigen. Brillante Texte, ganz nah an ihren Gegenständen und dabei sehr persönlich.

 

Den »Zauberberg« neu lesen (II)

Was sich als Ouvertüre mit dem Dreiklang der zugeworfenen Tür angekündigt hat, der Hörigkeit, ist nun der Anblick dieser Frau. Sie zieht die akustische Aufmerksamkeit auf sich, wegen dieses unachtsamen Türenwerfens, wegen des Zuspätkommens, wegen der schleichenden Schritte, der lässigen Haltung, der verschleierten Stimme, wegen des schlaffen Dasitzens, wegen des rötlich blonden zu einem Zopf gebundenen Haars, aus dem sich aber immer wieder eine Strähne löst, die mit der Hand geordnet werden muss, wegen ihrer weichen, gleichsam knochenlosen Sprache, dem Russischen. Sie ist ein Gegenentwurf zu der Haltung der beiden Cousins, zu deren hanseatischer Korrektheit, der Pflichterfüllung, der Ordnung, all dem, was bei dem Vetter Ziemßen, der so dringlich Offizier werden will, zum Ausdruck kommt.
Der Moment, in dem Castorp Madame Chauchat in die Augen blickt, entfaltet eine Wirkung, die Roland Barthes als bestimmend für Liebe auf den ersten Blick hält, die Hypnose. War es vorher Neugierde, Gespanntheit auf die sich so anders gebende Frau, diese schleichende Kirgisin, so wandelt sich diese Gestimmtheit nun in Begehren. Das ganz Eigentümliche ist, wie Thomas Mann dieses Begehren beschreibt, wie er das zum Movens des ersten bis zum fünften Kapitel reichenden Teils des Romans macht. Denn das Bild der Person, die das auslöst, scheint uns in die Seele eingeschrieben zu sein, wobei wir dieses eingeschrieben durchaus wörtlich nehmen dürfen, kommt doch in dieser so fein komponierten Geschichte einem Bleistift eine besondere Bedeutung zu. Artikel lesen ›

KiWi it Yourself – unsere Selbermachwochen inspiriert von Susanne Klingner #4

Egal, wo man hinschaut: Die Do-It-Yourself-Bewegung ist überall. Ob der Knitting-Trend, der vor ein paar Jahren die „Bestrickung“ von Laternen zur Folge hatte, oder das Nutzen jeder möglichen städtischen Fläche beim urban gardening. Im Fernsehen laufen Sendungen über Heimwerken oder Backshows, in denen Hobby-Bäcker ihr Talent unter Beweis stellen können. Und immer mehr Leute fangen plötzlich an, Dinge wieder selber zu machen. Sei es ein gestrickter Pullover, eine gehäkelte Mütze oder selbst gebastelte Deko. Alles scheint möglich und für jedes Vorhaben gibt es Ratgeber und Videos im Internet, Kurse oder einfach Freunde oder Verwandte, die man fragen kann.

Und weil wir KiWis Ihnen einen kleinen Einblick geben wollen, was wir so alles selber machen, gibt es heute noch ein Zusatz-Special zu unserer dreiwöchigen DIY-Reihe!

Und wenn auch Sie danach Lust aufs Selbermachen bekommen und noch mehr Inspiration brauchen – schauen Sie einfach in Susanne Klingners Buch Hab ich selbst gemacht, in dem sie in 365 Tagen 66 eigene Projekte durchführt!

 

#4 Stuhlverschönerung mit Anette

PläneAls ich neulich mit meinem alten Falk-Plan in Barcelona war, fiel mir auf, dass Städte sich offenbar immer rasanter verändern und deshalb Stadtpläne schnell unbrauchbar werden. Das brachte mich auf die Idee für ein neues DIY-Projekt: kunstgewerbliches »Up-cycling« mit alten Stadtplänen, die nur noch ungefähr die Hälfte der heutigen Straßen enthalten, und Küchenstühlen, die auch schon bessere Tage erlebt haben. Artikel lesen ›

Uwe Timm: Den »Zauberberg« neu lesen (I)

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Seit über vierzig Jahren schreibt Uwe Timm hochgelobte Romane, Erzählungen und Novellen. Seither beschäftigt er sich auch essayistisch mit dem Schreiben und denen, die schreiben. Die Essays aus dem Band »Montaignes Turm« umreißen den Horizont seines literarischen Schaffens. Es geht um Montaigne, Kafka, Koeppen, Böll – und ganz zentral um Thomas Mann. Und es geht um eigene Erfahrungen und Schreibanlässe, um Lektüren und Begegnungen. Es sind Reflexionen über das Schreiben und das Leben, die Uwe Timm als großen Stilisten zeigen. Brillante Texte, ganz nah an ihren Gegenständen und dabei sehr persönlich.

Den »Zauberberg« neu lesen (I)

Für Jutta Kosjek

Habent sua fata libelli heißt es, was Goethe sehr schön mit Auch Bücher haben ihr Erlebtes übersetzt hat. Das Erlebte bezieht sich ja nicht nur auf das Buch, sondern ebenso auf dessen Lektüre.
Im Mai 1963, das Abitur war eben bestanden, kam ich nach München, und damit fing das Reich der Freiheit an. Mit diesem Gefühl begann ich das Studium der Philosophie und der deutschen Literatur. Alles, las ich das Verzeichnis der Veranstaltungen, schien verlockend, und so belegte ich philosophische, theologische, medizinische, literaturwissenschaftliche Vorlesungen. Ein Hineinhören auch in sich, was heutige Studenten, seit der Bologna-Reform mit all ihren Modulen und Prüfungen, nicht mehr so leicht werden erleben können. Zu dieser Freiheit gehörte auch, dass ich jeden Tag nach dem Mensaessen in der nahe gelegenen Präsenzbücherei gute zwei Stunden den Roman Der Zauberberg las; nicht für das Studium, ich habe nie ein Thomas-Mann-Seminar besucht, sondern für mich. Nach den Buddenbrooks und dem Doktor Faustus lag es nahe, zu diesem Roman zu greifen, und erst während der Lektüre wurde mir die Ähnlichkeit zwischen dem Bildungserlebnis des Helden Hans Castorp und meiner Situation bewusst. Draußen zog der Sommer vorbei, es wurde Herbst, und das Buch war ausgelesen. Der Eindruck, nein die Faszination, die von der Lektüre ausging, ist bis heute geblieben, so sehr hatte mich dieser Text berührt, dessen Held in das abgeschiedene Sanatorium mit all den skurrilen Personen kommt und dort mit seiner Neugier und dem Bemühen, sich zu bilden, verweilt, wobei eine Frau, Madame Chauchat, seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die mich bewegende Frage, zugegeben eine juvenile, aber daher umso dringlichere, die durchaus an Literatur gestellt werden darf, war: Kommt Hans Castorp dieser Russin, der Madame Chauchat, nahe, und wenn ja, wie? Artikel lesen ›

KiWi it Yourself – unsere Selbermachwochen inspiriert von Susanne Klingner #3

Egal, wo man hinschaut: Die Do-It-Yourself-Bewegung ist überall. Ob der Knitting-Trend, der vor ein paar Jahren die „Bestrickung“ von Laternen zur Folge hatte, oder das Nutzen jeder möglichen städtischen Fläche beim urban gardening. Im Fernsehen laufen Sendungen über Heimwerken oder Backshows, in denen Hobby-Bäcker ihr Talent unter Beweis stellen können. Und immer mehr Leute fangen plötzlich an, Dinge wieder selber zu machen. Sei es ein gestrickter Pullover, eine gehäkelte Mütze oder selbst gebastelte Deko. Alles scheint möglich und für jedes Vorhaben gibt es Ratgeber und Videos im Internet, Kurse oder einfach Freunde oder Verwandte, die man fragen kann.

Und weil wir KiWis Ihnen einen kleinen Einblick geben wollen, was wir so alles selber machen, startet heute unsere dreiwöchige DIY-Reihe, in der Sie mit uns Kurse besuchen, Gemüse anbauen, tolle Deko basteln und vieles mehr!

Und wenn auch Sie danach Lust aufs Selbermachen bekommen und noch mehr Inspiration brauchen – schauen Sie einfach in Susanne Klingners Buch Hab ich selbst gemacht, in dem sie in 365 Tagen 66 eigene Projekte durchführt!

 

#3 An der Nähmaschine mit Kerstin

Ich habe immer schon genäht. In meiner Familie konnte jeder an die Nähmaschine – das normalste von der Welt. So richtig begonnen hat es allerdings, als ich ein Geschenk brauchte für das Kind einer Freundin und nicht mehr einkaufen konnte. Es wurde ein T-Shirt und das Nähen schnell zu meiner Leidenschaft.

GarnundStoffAber heute geht es um ein Kissen, auch ein Geburtstagsgeschenk. Das schwierigste ist, die passenden Stoffe zu finden. Besonders, wenn man – wie ich – einfach viel zu viele Stoffe auf Lager hat. Artikel lesen ›

12 Fragen an Alina Bronsky #16

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

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Aus dem Notizbuch des Verlegers #14 (Zum 75. Geburtstag von Uwe Timm)

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen acht Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen ab sofort in unserer neuen Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

KiWi it Yourself – unsere Selbermachwochen inspiriert von Susanne Klingner #2

Egal, wo man hinschaut: Die Do-It-Yourself-Bewegung ist überall. Ob der Knitting-Trend, der vor ein paar Jahren die „Bestrickung“ von Laternen zur Folge hatte, oder das Nutzen jeder möglichen städtischen Fläche beim urban gardening. Im Fernsehen laufen Sendungen über Heimwerken oder Backshows, in denen Hobby-Bäcker ihr Talent unter Beweis stellen können. Und immer mehr Leute fangen plötzlich an, Dinge wieder selber zu machen. Sei es ein gestrickter Pullover, eine gehäkelte Mütze oder selbst gebastelte Deko. Alles scheint möglich und für jedes Vorhaben gibt es Ratgeber und Videos im Internet, Kurse oder einfach Freunde oder Verwandte, die man fragen kann.

Und weil wir KiWis Ihnen einen kleinen Einblick geben wollen, was wir so alles selber machen, startet heute unsere dreiwöchige DIY-Reihe, in der Sie mit uns Kurse besuchen, Gemüse anbauen, tolle Deko basteln und vieles mehr!

Und wenn auch Sie danach Lust aufs Selbermachen bekommen und noch mehr Inspiration brauchen – schauen Sie einfach in Susanne Klingners Buch Hab ich selbst gemacht, in dem sie in 365 Tagen 66 eigene Projekte durchführt!

 

#2 Im Strickkurs mit Beke

20150303_125835So lange habe ich davon geredet: Ich möchte Stricken lernen, einen selbstgestrickten Pullover tragen oder wenigstens einen Schal! Gemütlich zu Hause sitzen und beim Stricken entspannen. Hilft Stricken wirklich dabei, den Alltag zu entschleunigen?

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Uwe Timm: Kafkas Reisepass

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Uwe Timm © Gunter Glücklich

Seit über vierzig Jahren schreibt Uwe Timm hochgelobte Romane, Erzählungen und Novellen. Seither beschäftigt er sich auch essayistisch mit dem Schreiben und denen, die schreiben. Die Essays aus dem Band »Montaignes Turm« umreißen den Horizont seines literarischen Schaffens. Es geht um Montaigne, Kafka, Koeppen, Böll – und ganz zentral um Thomas Mann. Und es geht um eigene Erfahrungen und Schreibanlässe, um Lektüren und Begegnungen. Es sind Reflexionen über das Schreiben und das Leben, die Uwe Timm als großen Stilisten zeigen. Brillante Texte, ganz nah an ihren Gegenständen und dabei sehr persönlich.

Kafkas Reisepass

Als, so beginnt der Roman Amerika von Franz Kafka, der siebzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnen-licht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte. Artikel lesen ›