Stimmig! Oder: Warum es zu »Der Tag, an dem ich fliegen lernte« ein Hörbuch gibt

»Der Tag an dem ich fliegen lernte« ganz allein im Studio

»Der Tag, an dem ich fliegen lernte« ganz allein im Studio

Es gibt viele Gründe, warum sich ein Hörbuch-Verlag für die »Vertonung« eines Romans entscheidet, und über alle könnte man sich mehr oder weniger streiten. Aber wenn da plötzlich ein Stoff kommt, bei dem man sofort an eine bestimmte Stimme denkt, ja wenn man den ganzen Text sofort mit dieser Stimme im Ohr liest, dann hält man da ziemlich sicher ein perfektes Hörbuch in den Händen. Beim Lesen von »Der Tag, an dem ich fliegen lernte« von Stefanie Kremser hat mich Anna Thalbach vom zweiten Satz an als Erzählerin begleitet.  Ich war mir sofort sicher: Ihre Klangfarbe würde das Staunen der sechsjährigen Lulu zum Ausdruck bringen; mit ihrer Interpretation würde sie der reiferen Lulu gerecht werden, die – reflektierend, kommentierend – die Erlebnisse ihres jüngeren Selbst sowie die Geschichte eines ganzen Dorfes Revue passieren lässt. Artikel lesen ›

»Man muss die Finnen feiern, wie sie fallen«

Coverreihe

 

Finnland ist cool, die Finnen nicht minder.

So lehrte das spätestens die diesjährige Frankfurter Buchmesse. »Brain Poetry« konnte man sich dort im finnländischen Pavillon auf kleinen, an Bürgeramt-Wartezettel erinnernden Bons ausdrucken lassen. Doch »Brain« ist in der finnischen Literatur auch ohne Kassenzettel-Ästhetik überreich vorhanden, wie Sofi Oksanen neben vielen anderen (Katja Kettu) dieser Tage aufs schönste unter Beweis stellt.
In ihrem neuesten Roman »Als die Tauben verschwanden« spürt »Finnlands dunkle Königin« (ZEIT) dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs nach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Und auch ihrer Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse beschäftigt sich Oksanen mit der finnischen Geschichte und ihren Protagonisten, u.a. beantwortet sie die heiß diskutierte Frage, warum der Weihnachtsmann Finnisch spricht.
In unserer Messe-Rückschau möchten wir uns deshalb dieses Jahr auf die Medienberichte konzentrieren, die sich mit dem Ehrengast Finnland und seinen literarischen Vertretern auseinandersetzen und wünschen Ihnen dabei: Pitäkää hauskaa [Viel Vergnügen]! Artikel lesen ›

Sofi Oksanen: »Der Weihnachtsmann spricht Finnisch«

Bild_OksanenLiebe Leser,

ich wurde im Jahr 1977 in Finnland in eine estnisch-finnische Familie geboren, als Finnland das goldene Zeitalter der Finnlandisierung erlebte. Sie schuf eine Atmosphäre, die sich auf das ganze Land auswirkte, und Finnlandisierung betrieben die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft ebenso wie die Medien und die Kulturelite. Sowjetkritische Wissenschaftler an den Universitäten hatten kein leichtes Leben, und in der Journalistenausbildung herrschte derselbe Geist. An unserer Schule wurden Landkarten benutzt, auf denen mein zweites Heimatland Estland fehlte, und von der sowjetischen Besetzung Estlands wurde in Euphemismen gesprochen. Als im schwedischen Fernsehen der Film “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch” nach dem Roman von Alexander Solschenizyn gezeigt wurde, unterbrachen die finnischen Behörden die Übertragung, die sonst auch innerhalb der Grenzen Finnlands zu sehen gewesen wäre. Dieser Film, der das sowjetische System der Straflager darstellte, war nicht für die Finnen bestimmt. Das Ärgerlichste bei all dem war aber vielleicht die Selbstzensur; Finnland agierte selbst als sein gründlichster Zensor. Finnlandisierung war gleichbedeutend mit verminderter Selbständigkeit, mit angenagter Demokratie und abgewürgter Meinungsfreiheit – ein Modell, das ein Finne unmöglich irgendjemandem empfehlen kann, obwohl in letzter Zeit viele ausländische Wissenschaftler fanden, dass es sich für die Ukraine eigne. Die Meinung und der Geschmack der Bürger jener Zeit verraten jedoch, dass es auch ein anderes Finnland gab. Artikel lesen ›

»Über dir, über mir – dieselben Sterne«

ElementOfCrime

Dass unsere Autoren schreiben können, wissen wir ja bereits. Dass sie dazu gut lesen, können wir in unserem Tagesgeschäft auch immer wieder erfahren. Wenn wir dann auch noch feststellen dürfen, dass sie obendrein musikalisch sind, kennt unser Glück keine Grenzen! Unser Autor Sven Regener ist nun schon drei Jahrzehnten erfreulich musikalisch und mit seiner Band »Element of Crime« in der ganzen Republik bekannt. Heute erscheint nach fünf Jahren endlich das neue Element of Crime-Album »Lieblingsfarben und Tiere«, mit dem Regner im gleichnamigen Titelsong der Entschleunigung huldet: »Denk an Lieblingsfarben und Tiere, Dosenravioli und Buch. Und einen Bildschirm mit Goldfisch, das ist für heute genug.«

Helge Malchow erinnert sich hier an seinen letzten Besuch im Kreuzberger Studio der Band. Es war sonnig und Helge lächelte.

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12 Fragen an Moritz Netenjakob #11

Kiepenheuer & Witsch ist ein Verlagshaus mit Tradition, sagen wir uns und schreiben es stolz auf unsere Homepage. Doch was wären wir ohne unsere Autoren? Eben. Und deswegen wird es an dieser Stelle in Zukunft und in unregelmäßigen Abständen Antworten auf Fragen geben. Genauer auf 12 Fragen, mit denen wir uns an unsere Autoren gewandt haben. Fragen, die uns auf der Zunge brannten und am Herzen lagen.

Den Fragebogen, der all diese Fragen versammelt, sinnigerweise »12 Fragen an…« genannt, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt wie ein Flitzebogen warten wir dann auf die Rücksendungen und freuen uns wie gleich mehrere Schneekönige über die Antworten und Fotos. Artikel lesen ›

»Henda hokh!« – Deutsch für britische Soldaten

Leitfaden_beschnittenAls kleine Nachlese zum am Samstag von der »Stiftung Deutsche Sprache« begangenen »Tag der Deutschen Sprache« möchten wir uns an dieser Stelle der Außenwahrnehmung des Deutschen widmen. Rauh und kehlig würden wir klingen, einfache Grußformeln glichen Befehlen und insgesamt atme aus jedem Phonem unser allzu stark ausgeprägter Ordnungssinn, diese an Besessenheit grenzende Gier nach Vokalen, so wird einem von Nicht-Muttersprachlern immer wieder vorgehalten. So weit, so schlecht. Wie aber klingt das Deutsche, wenn englische Muttersprachler sich an ihm versuchen? Nicht weniger merkwürdig, so viel sei bereits verraten – oder was heißt  »Fairtsyoong«? Der Sprachführer im »Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944«, diesem kleinen, von Helge Malchow auf Christian Krachts Nachttisch unlängst wiederentdeckten Ratgeber, spricht da Bände! Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #12

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen acht Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen ab sofort in unserer neuen Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow kürzlich den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

»Der Tag, an dem ich fliegen lernte«

U1_978-3-462-04705-9Wer kann schon von sich behaupten, dass Mario Vargas Llosa eine dazu gedrängt hat, einen Roman zu schreiben? Nicht eben viele, möchte man meinen. Stefanie Kremser ist so jemand. Zwischen den Welten zuhause ist sie als Kind deutschbolivanischer Eltern in Deutschland geboren und in Brasilien aufgewachsen, um dann mit 20 wieder nach Deutschland zurückzukehren. Heute lebt sie in Barcelona und Frankfurt und begreift ihre persönlichen Erinnerungen als »Leim«, der ihre »literarischen Puzzles« zusammenhält. So auch dieses, die Geschichte von Luisa, eines Mädchens auf der turbulenten Suche nach ihren Wurzeln. »Der Tag, an dem ich fliegen lernte«, ist jetzt bei uns erschienen. Artikel lesen ›

»Wie schreiben Sie eigentlich… Verena Güntner?«

AF_Güntner_VerenaVerena Güntner, 1978 in Ulm geboren, studierte Schauspiel an der Universität Mozarteum in Salzburg. Vier Jahre lang war sie festes Ensemblemitglied am Bremer Theater, seit 2007 ist sie als freischaffende Schauspielerin regelmäßig auf den Bühnen des Staatstheaters Wiesbaden und des Theaters Bonn zu sehen.
2012 erreichte sei mit einem Auszug aus dem Roman »Es bringen« die Finalrunde beim OpenMike in Berlin, 2013 machte sie den dritten Platz beim MDR-Literaturpreis und im selben Jahr gewann sie im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs den renommierten Kelag-Preis. Verena Güntner lebt in Berlin, »Es bringen« ist ihr erster Roman. Artikel lesen ›

Das Ohr auf die Schiene der Geschichten #5 Hans Nieswandt

Was unsere Autoren schreiben, wissen wir ja. Was sie lesen, erfahren wir in unserer Rubrik »12 Fragen an…«. Doch was hören Sie eigentlich? Beim Schreiben, beim Lesen, jeden Tag? Wir fragen nach, bei lebenden Autoren unseres Hauses und auch bei solchen, die uns schon vor einiger Zeit verlassen haben. Gut aufgelegte KiWi-Autoren verraten uns hier ihre unlektorierte Playlist, und wir legen unser Ohr auf die Schiene der Geschichten! Artikel lesen ›