Hornbys Leben als Leser – Juli

© Sigrid Estrada

© Sigrid Estrada

Nick Hornby führt in der amerikanischen Literaturzeitschrift The Believer eine Art öffentliches Lesetagebuch. Unter der Überschrift »Zeug, das ich gelesen habe« erscheint dort eine monatliche Kolumne, die immer gleich beginnt: Hornby listet die Bücher auf, die er im vorangegangenen Monat gekauft hat, danach die Bücher, die er gelesen hat. Erfahrene Leser, vertraut mit den Unwägbarkeiten des Buchsammlerlebens, können sich denken, dass es in fast keinem Monat Überschneidungen zwischen den beiden Listen gibt. Hornbys Berichte bieten einen überraschenden, anregenden und witzigen Einblick in die Weite eines zutiefst toleranten und wohlmeinenden Intellekts. Hornbys Lektüre ist breit gefächert, seine Neugier ist unnachahmlich menschenfreundlich, gelegentlich aber auch sarkastisch. Die Kolumne führt die Leser zu großartigen Büchern aller Genres und Epochen, von verstaubt bis poppig, sie stellt womöglich übersehene, abgelehnte oder auch schlicht gekaufte und dann im Stapel anderer Bücher vergessene Werke vor. »Hornbys Leben als Leser«, diese Liebeserklärung ans Lesen, gibt es hier fortan als Kolumne, entnommen dem Buch »Weniger reden und öfter mal in die Badewanne«.

Monat Juli

Gekaufte Bücher
The Lodger Shakespeare: His Life on Silver Street – Charles Nicholl
Unter einem Dach – Nina Bawden
»Töte mich!« – Muriel Spark
Peter Pan – J. M. Barrie
Feuer vom Olymp – Mary Renault
Live from New York: An Uncensored History of Saturday Night Live – Tom Shales und James Andrew Miller
So viele weitere Romane von Muriel Spark, dass man sie nicht ohne Scheu aufzählen kann

Gelesene Bücher
Who Is It That Can Tell Me Who I Am?: The Journal of a Psychotherapist – Jane Haynes
Unter einem Dach – Nina Bawden
»Töte mich!« – Muriel Spark
Die Blütezeit der Miss Jean Brodie – Muriel Spark
Ich bin Mrs. Hawkins – Muriel Spark Artikel lesen ›

Die Autorenwand #19: Charles Bukowski

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle ein Bild von der KiWi-Autorenwand. Bei Instagram, facebook und twitter kannst Du die Bilder unter den Hashtags #Autorenwand, #ErsterSatz, vielleicht auch unter #200shadesofgrey finden. Die Reihenfolge der Autoren ist vollkommen dem Zufall überlassen. Nur eines bleibt von Bild zu Bild gleich: Genannt wird immer das erste KiWi-Buch des Autors, zusammen mit dem ersten Satz aus selbigem. Wenn Du mehr über die Autorenwand erfahren willst, lies bitte den Blog-Artikel »Autoren an der Wand«Artikel lesen ›

Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte

Bei SPIEGEL ONLINE gibt es jeden Tag etwas zu lachen. Hier nur manchmal, aber heute ist so ein Tag. Die Satire-Rubrik SPAM jedenfalls veröffentlicht Fotos von Schildern, die den Irrsinn unserer Zeit zeigen – oder Kurzschlüsse im Kopf. Kioske werben ungeniert mit »Alkoholikerbedarf«, Telekom-Unternehmen melden »Internet – jetzt auch im Ausland«, eine offene Stelle soll so besetzt werden: »Wir suchen: vier Männer oder eine Frau«! Hunderttausende Leser lesen, kommentieren und schicken die Fotos an Freunde und Kollegen weiter – und senden selbst neue ein! Martin Sonneborn und Georg Behrend haben die Allerbesten ausgesucht und stellen sie in diesem Buch vor. Es beweist: Die besten Bilderwitze sind Schilderwitze. Eine kleine Auswahl stellen wir Ihnen hier vor:

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»Guter Rat, den wir weitergeben und auch noch erweitern möchten: Bitte fallen Sie immer vorsichtig!«

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Drei schwedische Rezepte von Viveca Sten

SchärensommerKürzlich erreichte uns ein Leserbrief:
»Schon komisch, immer wenn ich schwedisch essen war, gehe ich mit einer großen blauen Tasche nach Hause. In der Tasche befinden sich Kleiderbügel, Seifenspender, Pflanzen und Bettwäsche. Aus meinem Kofferraum ragt außerdem ein Regal namens Bobby [sic!].
Ich frage mich: Geht das auch anders?«

Ja! Wir haben für Sie drei Rezepte aus dem Kochbuch »Schärensommer« von der Bestsellerautorin Viveca Sten zusammengestellt, aus denen sich, so können wir es uns zumindest sehr gut vorstellen, ein tolles schwedisches Drei-Gänge-Menü zaubern lässt. Probieren Sie es aus!

»Schärensommer« wurde mit dem dritten Platz des Gourmand World Cookbook Awards ausgezeichnet.

 

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Hornbys Leben als Leser – Juni

© Sigrid Estrada

© Sigrid Estrada

Nick Hornby führt in der amerikanischen Literaturzeitschrift The Believer eine Art öffentliches Lesetagebuch. Unter der Überschrift »Zeug, das ich gelesen habe« erscheint dort eine monatliche Kolumne, die immer gleich beginnt: Hornby listet die Bücher auf, die er im vorangegangenen Monat gekauft hat, danach die Bücher, die er gelesen hat. Erfahrene Leser, vertraut mit den Unwägbarkeiten des Buchsammlerlebens, können sich denken, dass es in fast keinem Monat Überschneidungen zwischen den beiden Listen gibt. Hornbys Berichte bieten einen überraschenden, anregenden und witzigen Einblick in die Weite eines zutiefst toleranten und wohlmeinenden Intellekts. Hornbys Lektüre ist breit gefächert, seine Neugier ist unnachahmlich menschenfreundlich, gelegentlich aber auch sarkastisch. Die Kolumne führt die Leser zu großartigen Büchern aller Genres und Epochen, von verstaubt bis poppig, sie stellt womöglich übersehene, abgelehnte oder auch schlicht gekaufte und dann im Stapel anderer Bücher vergessene Werke vor. »Hornbys Leben als Leser«, diese Liebeserklärung ans Lesen, gibt es hier fortan als Kolumne, entnommen dem Buch »Weniger reden und öfter mal in die Badewanne«.

Monat Juni

Gekaufte Bücher
Die große Welt – Colum McCann
Die Besessenen: Abenteuer mit russischen Büchern und ihren Lesern – Elif Batuman
Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt – Richard H. Thaler, Cass R. Sunstein
Retter der Welt – John Wray
Lonelyhearts: The Screwball World of Nathanael West and Eileen McKenney – Marion Meade

Gelesene Bücher
Der Rest von Austerity Britain, 1945–51 – David Kynaston
Just Kids – Patti Smith
Die Besessenen: Abenteuer mit russischen Büchern und ihren Lesern – Elif Batuman
Fishing in Utopia: Sweden and the Future that Disappeared – Andrew Brown
Ein Teil von Puzzled People: A study in Popular Attitudes to Religion, Ethics, Progress and Politics in a London Borough, Prepared for the Ethical Union – Mass Observation Artikel lesen ›

Lieber Helge … (Zum 65. Geburtstag von Helge Malchow)

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Heute hat Helge Malchow Geburtstag. Er hat nun dieses bestimmte Alter erreicht, das manche Menschen dazu verleitet, jubelnd aus dem Büro zu laufen, um nie mehr wiederzukommen. Helge Malchow ist anders, Helge Malchow bleibt. Wir haben Glück.

Vorhin feierten wir bei einem Mittagessen im Restaurant »Ludwig im Museum« seinen 65. Geburtstag. Kerstin Gleba, stellvertretende Verlegerin von KiWi, hielt eine Rede, in der ganz wörtlich Musik drin war. Wir möchten sie euch nicht vorenthalten:

 

Lieber Helge,

Du hast heute Geburtstag. Wie sehr Du Dich darüber freust, weiß ich nicht. Du findest die Zahl unangenehm, und das kann ich verstehen. Denn die Zahl, die ich nicht aussprechen will, steht in unserer Gesellschaft für all das, was Du nicht bist. Ich weiß aber umso sicherer, dass wir – Deine Kolleginnen und Kollegen – uns sehr darüber freuen, dass Du heute Geburtstag hast. Aus tausenderlei Gründen: Artikel lesen ›

Hornbys Leben als Leser – Mai

© Sigrid Estrada

© Sigrid Estrada

Nick Hornby führt in der amerikanischen Literaturzeitschrift The Believer eine Art öffentliches Lesetagebuch. Unter der Überschrift »Zeug, das ich gelesen habe« erscheint dort eine monatliche Kolumne, die immer gleich beginnt: Hornby listet die Bücher auf, die er im vorangegangenen Monat gekauft hat, danach die Bücher, die er gelesen hat. Erfahrene Leser, vertraut mit den Unwägbarkeiten des Buchsammlerlebens, können sich denken, dass es in fast keinem Monat Überschneidungen zwischen den beiden Listen gibt. Hornbys Berichte bieten einen überraschenden, anregenden und witzigen Einblick in die Weite eines zutiefst toleranten und wohlmeinenden Intellekts. Hornbys Lektüre ist breit gefächert, seine Neugier ist unnachahmlich menschenfreundlich, gelegentlich aber auch sarkastisch. Die Kolumne führt die Leser zu großartigen Büchern aller Genres und Epochen, von verstaubt bis poppig, sie stellt womöglich übersehene, abgelehnte oder auch schlicht gekaufte und dann im Stapel anderer Bücher vergessene Werke vor. »Hornbys Leben als Leser«, diese Liebeserklärung ans Lesen, gibt es hier fortan als Kolumne, entnommen dem Buch »Weniger reden und öfter mal in die Badewanne«.

Monat Mai

Gekaufte Bücher

Austerity Britain, 1945–51 – David Kynaston

Rost – Philipp Meyer

Puzzled People: A study in Popular Attitudes to Religion, Ethics, Progress and Politics in a London Borough, Prepared for the Ethical Union – Mass Observation

The British Worker – Ferdynand Zweig

Gelesene Bücher

Austerity Britain, 1945–51 – David Kynaston (ein Drittel)

Rote Zukunft – Francis Spufford

Rost – Philipp Meyer Artikel lesen ›

Alles über 30 Jahre harte Arbeit im Weinberg der Kunst

Als er 15 war, produzierte Andreas Dorau, Sohn eines Pfarrers, im Rahmen einer Projektwoche an der Schule aus Versehen den exzentrischsten Hit der Neuen Deutschen Welle – Fred vom Jupiter. Und beschloss daraufhin, sein Leben der Kunst zu widmen. Das Ganze liegt inzwischen gut dreißig Jahre zurück, dreißig Jahre, in denen der so genialisch-schüchterne wie subversiv-exzentrische Musiker und Regisseur sehr viel großartige avantgardistische Kunst produziert hat – Musik vor allem, ohrwurmverdächtige Songs mit miniaturartigen Dada-Texten (Fli-Fla-Flaschenpfand) und genialen Neuinterpretationen (Die Menschen sind kalt), Filme und Videos mit traumartig-diffusen Geschichten, Kuhfladenroulette und Weltraumhunden, ja sogar eine Oper (Guten Morgen, Hose) und, mit Girls in Love einen unerwarteten und bis heute nicht wirklich erklärbaren Charterfolg in Frankreich.

Redet man mit Dorau, dann sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus, alle sind bizarr, viele lustig, einige auch bestürzend. Höchste Zeit für ein Buch! Und so kam es, dass Dorau mit der Zigarette wedelnd aus seinem Künstlerleben berichtete und Sven Regener das aufschrieb. Dass das Spaß gemacht haben muss, merkt man Ärger mit der Unsterblichkeit auf jeder Seite an. Denn Dorau hat sich dreißig Jahre darum bemüht, mit möglichst großem Aufwand und möglichst großem Schaden gegen die gläsernen Wände der Kulturindustrie zu donnern! Sein Buch ist »ein wunderbar mühelos komischer Streifzug durch den Musik- und Filmbetrieb« (FAS). Siehe auch hier, im Buchtrailer zu Ärger mit der Unsterblichkeit: Artikel lesen ›

Chillaxen in Leipzig

Freitagnachmittag auf der Leipziger Buchmesse, ein leichter Hauch von Müdigkeit legt sich bereits über die Gesichter, als ich Leif Randt am Stand seines Verlags treffe. Er hat an dem Tag schon einige Interviews und Lesungstermine hinter sich, und die Verlagskolleginnen öffnen Prosecco, um den Feierabend einzuläuten. Wir zweigen uns eine der Flaschen ab und setzen uns auf ein kleines Abendessen ins Messerestaurant Handelshof: Es gibt Bockwurst mit Kartoffelsalat und Currywurst mit Brötchen. Irgendwann im Laufe des Gesprächs wird Peer Steinbrück durch das Restaurant eilen, er hat am 3sat-Stand über das Ausruhen in Wohlstand und Stabilität gesprochen und sein neues Buch Vertagte Zukunft. Die selbstzufriedene Republik vorgestellt. Eine ganz andere Art von Zukunft verhandelt Leif Randts neuer Roman Planet Magnon, aber auch hier spielen Wohlstand und der Wunsch nach Stabilität eine große Rolle. Ein Gespräch über Blockbuster-Qualitäten in der Gegenwartsliteratur und zu langsam sterbende Dinosaurier. Artikel lesen ›

Wer den Mund aufmacht, macht sich angreifbar. Eva Menasse über Günter Grass

Günter Grass, 2006

Günter Grass, 2006

Anlässlich seines 85. Geburtstags hielt die österreichische Schriftstellerin und KiWi-Autorin Eva Menasse im Oktober 2012 eine Rede auf Günter Grass. Nicht irgendeine Rede, sondern eine bemerkenswerte Rede. Eva Menasse sprach bei der feierlichen Wiedereröffnung des Grass-Hauses in Lübeck vor 400 geladenen Gästen und vor Günter Grass. Bei dieser Ansprache zu Ehren des Jubiliars fand Eva Menasse damals durchaus auch kritische Töne: Sie nahm sich Grass’ israelkritisches Gedicht »Was gesagt werden muss« vor und sagte unumwunden: »Ich halte das Gedicht für eine Torheit«. Eva Menasses untörichte Einlassungen zu Günter Grass, zu dessen Rolle in der deutschen Kultur und zum Umgang mit Intellektuellen und moralischen Autoritäten in Deutschland, dokumentieren wir hier in Gedenken an den am 13. April 2015 verstorbenen Literaturnobelpreisträger.

Der Text ist Eva Menasses jüngstem Buch »Lieber aufgeregt als abgeklärt« entnommen.

Wer den Mund aufmacht, macht sich angreifbar.
Günter Grass zum 85. Geburtstag

Ich stehe hier trotz des Israel-Gedichts von Günter Grass, das den Titel trägt »Was gesagt werden muss«. Diesen Titel nehme ich nun für mich selbst in Anspruch, wenn ich sage: Ich halte dieses Gedicht für eine Torheit, und es hat mich bei seinem Erscheinen auf diese resigniert-verzweifelte Weise wütend gemacht, mit der man sonst auf Naturkatastrophen reagiert. Eben noch ein hoher, kantiger, im äußersten Gipfelbereich etwas unzugänglicher, aber irgendwie vertraut-verlässlicher Berg – da kommt plötzlich eine Schlammlawine herunter. Und alles ist hin, die ganze Aussicht und das eigene Haus. Artikel lesen ›