Miese Bullenspiele: Autorenbesuch bei Jesper Stein in Kopenhagen

»Bedrängnis«. Das ist mehr als wörtlich zu nehmen. In seinem dritten Fall steckt Vizekriminalkommissar Axel Steen in der Scheiße, tiefer denn je. Mit Jesper Stein am Tatort Nørrebro.

Jesper Stein gehört zu den Autoren, die ihrer Stadt eine Geschichte geben. Eine dunkle. Ian Rankin tut dies für Edinburgh, und Manuel Vazquez Montalbán hat es für Barcelona getan.
Auf dem Weg über Kongens Nytorv – den Blick auf den weiten Platz versperren meterhohe Bauplatzwände, Kopenhagen bekommt gerade U-Bahn – nach Nørrebro reden wir über Barcelona, die Stadt, deren rauer Duft nach Urin, Fisch, Blumen und Sex aufbewahrt ist in den Kriminalromanen Vazquez Montalbáns. Nørrebro steht das gleiche Schicksal bevor wie dem  barrio gótico. »Sagt ihr auch Gentrifizierung dazu?«, fragt Jesper, und wie immer sind die abstrakten Begriffe global verwendbar. Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #23 (Neil Young)

Verleger Helge MalchowMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus.

 

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Aus dem Notizbuch des Verlegers #22 (Renate Matthaei)

Verleger Helge MalchowMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

Perez, die Côte Vermeille und ich. Ein Ortstermin mit Yann Sola

Die Gegend um die Côte Vermeille

Die Gegend um die Côte Vermeille

Sieht man zum ersten Mal die sich ins Meer stürzenden Pyrenäen-Ausläufer, denkt man nicht an eine bewohnbare Küste. Dann aber wird die Straße enger, windet sich teilweise schwindelerregend um die Klippen und belohnt den mutigen Fahrer mit drei Ortschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten (eigentlich sind es vier, aber Cerbère, der letzte französische Ort vor der Grenze zu Spanien, ist nur ein Verladebahnhof, wo die französischen Waren auf spanische Züge verbracht werden, weil die Spurbreiten der staatlichen Eisenbahnen nicht die gleichen sind). Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #21 (Urlaubstipp von Yann Sola: die Côte Vermeille)

Verleger Helge Malchow

Verleger Helge Malchow

Mit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselnden zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

Die Bahnhofsvorplatzpfütze

Du kannst sie kommen sehen.
Ok, unter deinem Schirm vielleicht nicht.
Du kannst sie umgehen oder plötzlich in ihr stehen.
Du kannst sie verfluchen und über sie lachen.
Du kannst mit ihr spielen, du kannst sie beschimpfen.
Du kannst sie überwinden.
Mit großen Schritten. Platsch, platsch, platsch, platsch.
In der Bahnhofsvorplatzpfütze ist es nass.

Die Bahnhofsvorplatzpfütze: eine Betrachtung aus der zweiten Etage.

Nein, Bücher vibrieren nicht

Es war kurz vor Weihnachten und ich saß auf dem grünen Cordsessel, den Johannes in seiner Buchhandlung aufgestellt hatte, vor einer Säule mitten im Raum, der schmal und lang wie ein Schiffsdeck war. Links und rechts waren die Regale bis unter die Decke mit Büchern gefüllt. Es gab einen zweiten Sessel hinten im Laden, außerdem zwei Tische mit wechselnden Themenschwerpunkten, an diesem Tag Bücher von Nobelpreisträgern und Märchenadaptionen.
Ich war auf der Suche nach einem Tipp für ein Buch, das ich Isa schenken wollte. Johannes Buchhandlung war in der Stadt, in der ich meinen Zivildienst leistete, weshalb ich nach der Arbeit bei ihm vorbeischaute und ihn um Rat fragte.
»Wie wäre es mit Die Wellen von Virginia Woolf?«, sagte er. »Das liest du gerade, nicht wahr? Viele Menschen haben eine Abneigung dagegen, Klassiker der Moderne zu verschenken. Wahrscheinlich denken sie, die Leute kennen das Buch oder sie haben keine Lust auf ältere Werke. Ich schenke Freunden deshalb oft zwei Bücher, einen Klassiker und einen zeitgenössischen Roman, und das regt meine Freunde manchmal sogar an, über die Gemeinsamkeiten nachzudenken. Das wäre doch auch eine gute Geschenkidee für deine Freundin? Die Wellen kannst du mit so gut wie jedem Buch kombinieren.«
»So spricht ein Buchhändler«, sagte ich nur.
»Probier es aus«, sagte Johannes und lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Er hatte auf der Mitte der Stirn ein kleines, verlorenes Haarbüschel, sodass sein rötliches Gesicht wie ein gemaltes Herz aussah. Außerdem hatte er eine Vorliebe für Brillen mit dickem Gestell und für karminrote Pullover. Artikel lesen ›

Panama Papers – das Manifest von John Doe (die anonyme Quelle der Dokumente)

U1_978-3-462-05002-8Die Panama Papers haben weltweit enorme Reaktionen ausgelöst. Nun hat sich „John Doe“, die anonyme Quelle der Dokumente, zu Wort gemeldet. Sein Manifest lässt sich als Erklärung seines Handelns lesen. Es ist zugleich eine dringliche Aufforderung zu politischem Engagement.

Wir dokumentieren hier das Manifest des Informanten unserer beiden Buch-Autoren Bastian Obermayer und Frederik Obermaier.

Von „John Doe“

Die Ungleichheit der Einkommen, die Kluft zwischen Arm und Reich, ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Es betrifft jeden von uns, weltweit. Seit Jahren tobt die Debatte über eine plötzliche Verschlimmerung der Lage, doch Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten sind trotz unzähliger Reden, Analysen, schwacher Proteste und ein paar Dokumentarfilmen rat- und hilflos, wie diese Entwicklung aufzuhalten ist. Die Fragen bleiben: Warum? Und warum gerade jetzt?

In den Panama Papers ist die Antwort darauf nun offensichtlich geworden: massive, alltägliche Korruption. Dass ausgerechnet eine Rechtsanwaltskanzlei diese Antwort liefert, ist keineswegs Zufall. Mossack Fonseca ist mehr als ein Rädchen im Getriebe der „Vermögensverwaltung“. Die Kanzlei nutzte ihren Einfluss, um weltweit Gesetze zu diktieren und zu umgehen und so über Jahrzehnte hinweg die Interessen von Kriminellen durchzusetzen. Artikel lesen ›

Die Welt danach – Panama Papers und die Folgen. Eine Zwischenbilanz von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

U1_978-3-462-05002-8Der Abend des 3. April 2016, kurz nach 19:30 Uhr. Wir haben noch etwa eine halbe Stunde, bis um 20 Uhr die Panama Papers bekannt werden – dann nämlich werden unsere Rechercheergebnisse auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Tatsächlich sind die Webseiten mit unseren Texten jetzt schon „live“, also online, allerdings inoffiziell. Unsere Digital-Kollegen haben eine aufwendige Seite programmiert, die unter realen Bedingungen getestet werden muss. Das gefällt uns natürlich nicht sonderlich, aber unsere Einwände lösen die Kollegen routiniert auf: In der halben Stunde bis zur offiziellen Sperrzeit seien unsere Panama-Texte nicht zu finden. Man müsse schon wissen, dass wir an diesem Projekt arbeiten und die genaue Adresse der Webseite eingeben. Sprich, man müsse gezielt danach suchen.
Wir testen also dies und das, gehen noch einmal die englischen Übersetzungen durch, bereiten erste Tweets vor, damit wir um Punkt 20 Uhr loslegen können.
Unsere Geschichten für den ersten Tag stehen längst. Alle juristischen Prüfungen sind durch, alle Korrekturen, alle Grafiken. Die ersten Zeitungen sind gedruckt und in Lastwägen verfrachtet auf dem Weg zum Leser.
Alles ist bereit. Noch 15 Minuten.
Unnötig zu sagen, dass wir alle nervös sind. Wir haben mehr als ein Jahr an dieser Sache gearbeitet, und keiner weiß, was nun passieren wird. Wie werden andere Medien es aufnehmen? Was werden die Menschen da draußen sagen? Oder wird es durch das Aufmerksamkeitsraster fallen, wird man es als „nur noch ein Leak“ abtun?
Plötzlich ruft ein Kollege: „Edward Snowden hat uns gerade getwittert!“
Wir schauen uns verblüfft an. Es ist 19:48 Uhr. Edward Snowden?
Wir gehen auf Twitter, und tatsächlich hat Edward Snowden seinen fast zwei Millionen Followern diese Nachricht geschickt:
„Das größte Leak in der Geschichte des Datenjournalismus ging gerade live, und es geht um Korruption.“ Artikel lesen ›

Der abendliche Überraschungsgast – Aus dem Verlegerleben#4

Die Tätigkeit des Verlegers hat etwas Endloses. Nie stellt sich das Gefühl »Alles geschafft!« ein. Wer auf geregelte Arbeitszeiten Wert legt, sollte einen anderen Beruf ergreifen.

Auf meinem Schreibtisch lagen in einer Mappe die nicht erledigten Vorgänge. Um diesen Stapel abzutragen, machte ich Überstunden, aber, wie von Geisterhand geführt, wuchs er immer wieder an. Zum Beispiel die Mitteilung eines Autors, dass er den abgesprochenen Ablieferungstermin seines Manuskriptes nicht einhalten kann. Das hat Folgen: Der zuständige Lektor muss umdisponieren, die Druckerei muss informiert werden, damit sie keine Leerzeiten berechnet. Der Auslieferungstermin verschiebt sich. Das muss der Vertrieb mit den Vertretern und der Verlagsauslieferung besprechen. Erst wenn dies alles geklärt ist, kann ich dem Autor das gewünschte Okay geben. In der Zwischenzeit waren die Geisterhände wieder fleißig am Werk.

Erfahrung hilft. Aber jeder Fall ist anders. Da kann Routine gefährlich werden. Bücher wollen eine individuelle Behandlung und Autoren das Gefühl, einzigartig zu sein.

Bernt Engelmanns "Schwarzbuch" über den Ex-Verteidigungsminister FJS

Bernt Engelmanns „Schwarzbuch“ über den Ex-Verteidigungsminister FJS

Nach getaner Büroarbeit warten auf den Verleger häufig Abendverpflichtungen. Ihnen nachzukommen, kann ein reines Vergnügen sein. Es gehört zu den Pflichten des Verlegers, Autoren zum Abendessen auszuführen, bei Veranstaltungen die einführenden Worte zu sprechen, das heißt, das Terrain zu bereiten für den Autor, der gleich lesen wird, in Diskussionsrunden den Moderator zu spielen oder Buchhandlungen, Ausstellungen und Literaturtage zu eröffnen. Das alles ist anregend und geht mit einiger Übung leicht von der Hand. Artikel lesen ›