Junge Verlagsmenschen vergeben Gütesiegel an Kiepenheuer & Witsch

Volontariate im Qualitätscheck

Junge Verlagsmenschen vergeben erste Gütesiegel

Für ihre faire und gute Ausbildung von Volontären hat der Verein Junge Verlagsmenschen auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse den Kiepenheuer & Witsch Verlag mit einem der ersten Gütesiegel ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Rahmen des Young Professionals’ Day am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse statt. KAI MÜHLECK


Der Kiepenheuer & Witsch Verlag, Open Publishing und der Ernst Klett Verlag erfüllen laut Verein die Kriterien für eine gute Volontariatsausbildung in vollem Umfang und ergänzten diese jeweils mit weiteren Benefits für ihre Volontäre.

Ziele des Gütesiegels

»Mit dem Gütesiegel möchten wir gemeinsam mit den Verlagen die Konditionen der Volontärsausbildung verbessern. Denn von einer fairen und guten Ausbildung des Nachwuchses profitiert letztlich die Zukunft der gesamten Branche«, sagt Cigdem Aker, 1. Vorsitzende der Jungen Verlagsmenschen.

Trotz einer Verbesserung der Ausbildungssituation u.a. durch den Mindestlohn und andere gesetzliche Maßnahmen gibt es in der Buchindustrie noch viel zu tun. Nach wie vor werden gesetzliche Mindeststandards in vielen Unternehmen unterlaufen, teils systematisch, teils aus Unwissenheit. Das Gütesiegel soll letztlich auch ein Bewusstsein in Verlagen für das Thema schaffen.

Zumindest mit den Entwicklungen der letzten Monate, ist Selina Reimer, Vorstandsmitglied und Sprecherin der AG Nachwuchsrechte zufrieden. Das Nachwuchsnetzwerk hatte zahlreiche Bewerbungen abgearbeitet, auf die »Akquise« waren die Jungen Verlagsmenschen im Vorfeld der Leipziger Buchmesse gegangen, seitdem überlässt es der Verein den Unternehmen und Volontären, sich für die Auszeichnung durch Einsendung eines Fragebogens zu bewerben. »Wir haben seit der Präsentation des Gütesiegels im März tatsächlich zahlreiche Unternehmen geprüft und freuen uns, nun drei der Kandidaten auszeichnen zu können.« Viele der abgelehnten Verlage haben Nachbesserungen für ihre Volontariate zugesagt – welche Unternehmen noch nicht die geforderten Standards erfüllen oder wie viele Unternehmen abgelehnt wurden, darüber schweigen die Jungen Verlagsmenschen, um Raum für eine Verbesserung zu geben, ohne einen Verlag an den Pranger zu stellen. »Damit erreichen wir eine echte und hoffentlich langfristig spürbare Verbesserung für den Branchennachwuchs«, glaubt Reimer.

Über das Gütesiegel:

Für das Gütesiegel können sich Unternehmen der Buchbranche im deutschsprachigen Raum sowie deren Volontäre mit der Einreichung eines Fragebogens bewerben.

Voraussetzung für den Erhalt des Gütesiegels ist die Erfüllung verbindlicher Ausbildungsstandards, maßgeblich:

- ein Ausbildungsplan
- Fortbildungen
- eine feste Betreuung
- Feedbackgespräche und eine Überstundenregelung

Die Kriterien für die Vergabe orientieren sich u. a. an den Volontariaten in Presse- und Zeitschriftenverlagen, die größtenteils mithilfe von Tarifverträgen geregelt sind.

Wie werden die Angaben geprüft?

- Die Fragebogen (gibt es auf jungeverlagsmenschen.de) werden von der Personalabteilung sowie von mindestens drei Volontären unabhängig voneinander ausgefüllt.
- Die Gütesiegel werden nach positiver Prüfung für zwei Jahre in regelmäßigen Abständen durch die AG Nachwuchsrechte der Junge Verlagsmenschen vergeben. Die Ergebnisse der Prüfung werden für jeden Verlag in einem Gütesiegelbericht dokumentiert und können auf der Webseite des Junge Verlagsmenschen e.V. öffentlich eingesehen werden.

Über die Jungen Verlagsmenschen

Der Verein Junge Verlagsmenschen ist mit über 800 Mitgliedern in 13 Städtegruppen das größte Nachwuchsnetzwerk der Buch- und Medienbranche. Seit Mitte 2014 gibt es innerhalb des Vereins die AG Nachwuchsrechte, die sich gezielt den Interessen des Nachwuchses widmet und in den Jahren 2015 und 2017 eine Umfrage zu den Arbeitsbedingungen des Branchennachwuchses durchgeführt hat.

Quelle: https://www.boersenblatt.net/artikel-volontariate_im_qualitaetscheck.1531001.html