Zadie Smith

Zadie Smith

Foto © Dominique Nabokov

Zadie Smith wurde als Sadie Smith am 25. Oktober 1975 im Arbeiter-Stadtteil Willesden im Londoner Norden geboren. Ihre Mutter ist gebürtige Jamaikanerin, die 1969 nach England eingewandert ist. Smith besuchte die staatliche Malorees Junior School. Als Jugendliche nahm sie Unterricht im Stepptanz und erwog eine Karriere als Musicaldarstellerin. Mit 14 änderte sie die Schreibweise ihres Vornamens von Sadie zu Zadie. Ihr Studium der Englischen Literatur am King’s College an der Universität Cambridge finanzierte Sie sich als Jazzsängerin. In dieser Zeit träumte sie davon Journalistin zu werden, veröffentlichte allerdings auch erste Kurzgeschichten in der Studentenschrift The Mays Anthology. Dadurch wurden Verleger auf die Autorin aufmerksam und so hatte Smith zum Ende des Studium einen Vertrag für das noch ungeschriebene Werk Zähne zeigen in der Tasche. Das Debut wurde ein Bestseller und machte Zadie Smith weltweit berühmt.
Heute lebt Zadie Smith mit Ihrem Ehemann, dem Dichter Nick Laird, und zwei Kindern überwiegend in New York City. Seit 2010 ist sie ordentliche Professorin an der New York University und lehrt Kreatives Schreiben. Außerdem publiziert sie Artikel und Buchrezensionen unter anderem für Harper’s Magazine.

Werk
Zadie Smiths Werk behandelt die großen Themen Geschichte, Herkunft und Identität, Hautfarbe, Religion und soziales Ungleichgewicht. Ihre Romane spielen fast ausschließlich in der britischen Hauptstadt, und dort meist in den Arbeitermilieus des Londoner Nordens. Ihr Erstling Zähne zeigen, um die Soldaten Archie Jones und Samad Iqbal, die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren verpfuschten Leben kämpfen, gilt seit seinem Erscheinen 2002 als Klassiker der englischsprachigen Gegenwartsliteratur. Auch nachfolgende Romane wurden von Kritikern und Publikum positiv aufgenommen. Dennoch ließ Zadie Smith mehrmals durchblicken, wie sehr sie der Erfolg von Zähne zeigen unter Druck gesetzt hat. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass sie nach ihrem dritten Roman Von der Schönheit fast zehn Jahre keinen Roman mehr veröffentlicht hat. Stattdessen schrieb sie viele Kurzgeschichten, Essays, Artikel und Buchbesprechungen unter anderem für Harper’s Magazine.
2014 ist ihr vierter Roman London NW erschienen. Die Protagonisten, die sich seit der Schulzeit kennen, sich aber in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, kämpfen im Spannungsfeld von Hautfarbe, sozialem Auf- und Abstieg und Unzufriedenheit der Großstädter mit dem Alltag sowie, wie so oft bei Smith, mit geplatzten Lebensträumen.

Auszeichnungen
2016 Welt-Literaturpreis
2006 Orange Prize for Fiction
2006 Orange Prize for Fiction für Von der Schönheit
2006 Somerset Maugham Award für Von der Schönheit
2005 Anisfield-Wolf Book Award für Von der Schönheit
2003 Wingate Literary Prize für Der Autogrammhändler
2001 Commonwealth Writers Prize (Overall Winner, Best First Book) für Zähne zeigen
2001 WH Smith Award for Best New Talent für Zähne zeigen
2000 EMMA (BT Ethnic and Multicultural Media Award) for Best Book/Novel für Zähne zeigen
2000 EMMA (BT Ethnic and Multicultural Media Award) for Best Female Media Newcomer für Zähne zeigen
2000 Guardian First Book Award für Zähne zeigen
2000 James Tait Black Memorial Prize (for fiction) für Zähne zeigen
2000 Whitbread First Novel Award für Zähne zeigen

Publikationen

Romane/Prosa
• Zähne zeigen, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Droemer 2000. (OT: White Teeth, Hamish Hamilton 2000)
• Der Autogrammhändler, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Kiepenheuer & Witsch 2014. (OT: The Autograph Man, Hamish Hamilton 2002)
• Von der Schönheit, aus dem Englischen von Marcus Ingendaay, Kiepenheuer & Witsch 2006. (OT: On Beauty, Hamish Hamilton 2005)
• London NW, aus dem Englischen von Tanja Handels, Kiepenheuer & Witsch 2014. (OT: NW, Hamish Hamilton 2012)
• Die Botschaft von Kambodscha/ The Embassy of Cambodia. Deutsch-Englische Ausgabe, aus dem Englischen von Tanja Handels, Kiepenheuer & Witsch 2014. (OT: The Embassy of Cambodia, Hamish Hamilton 2013)

Kurzgeschichten
• Mirrored Box, in The May Anthology of Oxford and Cambridge Short Stories 1995.
• The Newspaper Man, in The May Anthology of Oxford and Cambridge Short Stories 1996.
• Mrs. Begum’s Son and the Private Tutor, in The May Anthology of Oxford and Cambridge Short Stories 1997.
• Picnic, Lightning, in The May Anthology of Oxford and Cambridge Short Stories 1997.
• Stuart, in The New Yorker, Dezember 1999.
• I’m the Only One, in Nick Hornby (Hrsg.): Speaking with the Angel, 2000.
• The Girl with Bangs, in Timothy McSweeney’s Quarterly Concern, Issue 6, 2001.
• The Trials of Finch, in The New Yorker Winter Fiction Edition 2002.
• The Wrestling Match, in The New Yorker, Juni 2002.
• Hanwell in Hell, in The New Yorker, September 2004.
• Martha, Martha, in Granta 81: Best of Young British Novelists 2003.
• Hanwell Senior, in The New Yorker, Mai 2007.
• The Embassy of Cambodia, in The New Yorker, Februar 2013.

Essays
• On the Road: American Writers and Their Hair, in Timothy McSweeney’s Festival of Literature, Theater, and Music 2001.
• The Divine Ms H, über Katharine Hepburn in The Guardian, Juli 2003.
• The Limited Circle is Pure, über Franz Kafka in The New Republic, November 2003.
• Love, Actually, über E. M. Forster in The Guardian, November 2003.
• You Are In Paradise, in The New Yorker, Juni 2004.
• Shades of Greene, in The Guardian, September 2004.
• The Zen of Eminem, über Eminem in VIBE 2005.
• Nature’s Work of Art, über Greta Garbo in The Guardian, September 2005.
• Fail Better, über das Schreiben in The Guardian, Januar 2007.
• Dead Man Laughing, über Humor in ihrer Familie, in The New Yorker, Dezember 2008.
• An Essay is an Act of Imagination. It still Takes Quite as Much Art as Fiction, über den Roman, in The Guardian, November 2009.
• Sinneswechsel. Gelegenheitsessays, aus dem Englischen von Tanja Handels, Kiepenheuer & Witsch 2015. (OT: Changing My Mind, 2009)
• Monsters, über 9/11, in The New Yorker, September 2011.
• The North West London Blues, über urbanen Verfall, in The New York Review of Books, Juni 2012.

Artikel
• Killing Orson Welles at Midnight, Besprechung des 24-Stunden-Filmprojekts The Clock von Christian Marclay, in The New York Review of Books, 28. April 2011.
• Generation Why?, Besprechung des Films The Social Network und Jaron Laniers Buch You Are Not a Gadget: A Manifesto, in The New York Review of Books, 25. November 2010.
• F. Kafka, Everyman, Besprechung von Louis Begleys Buch The Tremendous World I Have Inside My Head: Franz Kafka: A Biographical Essay, in The New York Review of Books, 17. Juli 2008.
• What Does Soulful Mean?, über Zora Neale Hurstons Roman Und ihre Augen schauten Gott, in The Guardian, 1. September 2007.
• We Proceed in Iraq as Hypocrites and Cowards – and the World Knows It, in The Guardian 27. Februar 2003)

Herausgaben
• Piece of Flesh, Institute of Contemporary Arts 2001.
• Das Buch der anderen, Kiepenheuer & Witsch, 2009. (OT: The Book of Other People, Penguin Books 2008)

Literatur
• Ingrid Jacobs: «Past Tense, Future Perfect»? – Die Wurzelkanäle von Geschichte mit Humor in Zadie Smith’s White Teeth, in Manuel Aßner, Jessica Breidbach et al. (Hrsg): AfrikaBilder im Wandel? Quellen, Kontinuitäten, Wirkungen und Brüche. Peter Lang Verlag 2012.


Alle Bücher von Zadie Smith bei Kiepenheuer & Witsch