Michael Chabons neues Meisterwerk »Moonglow« Seit 8. März 2018 im Handel!

Michael Chabons neues Meisterwerk »Moonglow«

Seit 8. März 2018 im Handel!

Ein alter Mann auf dem Sterbebett beichtet seinem Enkel die unglaubliche Geschichte seines Lebens. Michael Chabon ist dieser Enkel, und er packt in seinen gefeierten Roman über den unkonventionellen Großvater ein ganzes Jahrhundert voller Irrungen und Wirrungen und Abenteuer am Rande des Abgrunds.
Während in Deutschland die Mauer fällt, sitzt Michael am Bett seines Großvaters, der in der letzten Woche seines Lebens plötzlich gesprächig geworden ist. Der Enkel erfährt, wie der Großvater einmal seinen Chef fast mit einer Telefonschnur erdrosselt hätte, warum er eine Brücke in Washington in die Luft sprengen wollte, wie er in Deutschland den verhassten Wernher von Braun jagte, warum von Braun und er dieselbe Leidenschaft teilten und wie er nach dem Tod seiner Frau eine neue Vertraute fand.

Mit sprachlicher Eleganz erzählt Michael Chabon Episoden aus dem Leben seines Großvaters, in denen sich die großen Themen der amerikanischen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegeln. Ein in den USA gefeierter Roman, der zahlreiche Auszeichnungen erhielt und die Bestsellerlisten anführte.

»Ein vor brillanten Ideen übersprudelnder Roman, der im Schafspelz einer Autobiografie daherkommt« The Wall Street Journal

»Moonglow« als Hardcover
»Moonglow« auch als eBook


Michael Chabon wurde 24. Mai 1963 in Washington D.C. geboren und wuchs in Columbia, Maryland auf. Er besuchte die Carnegie Mellon University und wechselte bald zur University of Pittsburgh, wo er unter Dennis Bartel, Eve Shelnutt und Chuck Kinder 1984 den Bachelor of Arts erlangte. Für den Master of Fine Arts im Fach Creative Writing ging er an die University of California, Irvine. Er lebt heute mit seiner Frau, der Schriftstellerin Ayelet Waldmann, und seinen vier Kindern in Berkeley, Kalifornien.

Copyright Autorenfoto: Benjamin Tice Smith

Michael Chabon ist im März 2018 auf Lesereise in Deutschland:
Alle Termine


Michael Chabon im Interview


Lesungstermine

Zürich

Termin: 12.03.2018 | 20:00 Uhr
Ort: Kaufleuten, Pelikanplatz · 8001 Zürich

Köln

Termin: 13.03.2018 | 20:30 Uhr
Ort: Volksbühne am Rudolfplatz, Aachener Str. 6 · Köln
Veranstalter: lit.Cologne

München

Termin: 14.03.2018 | 20:00 Uhr
Ort: Literaturhaus München, Salvatorplatz 1 · 80333 München
Veranstalter: Literaturhaus München

Berlin

Termin: 15.03.2018 | 20:00 Uhr
Ort: Pfefferbergtheater, Schönhauser Allee 176 · Berlin
Veranstalter: Thalia Buchhandlung im Alexa

Stuttgart

Termin: 16.03.2018
Ort: Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4 · 70174 Stuttgart
Veranstalter: Literaturhaus Stuttgart


Notable Book of the Year der New York Times
Book of the Year der Washington Post
Book of the Year des National Public Radio
Book of the Year des Wall Street Journal
Book of the Year der Slate


Leseprobe

Ich kenne die Geschichte so: Als Alger Hiss aus dem Gefängnis kam, hatte er Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. Er hatte Jura in Harvard studiert, war Assistent des Bundesrichters Oliver Wendell Holmes gewesen und hatte am Entwurf der Charta der Vereinten Nationen mitgearbeitet, war aber wegen Meineids verurteilt und galt als Handlanger des internationalen Kommunismus. Hiss veröffentlichte eine Biografie, die allerdings so langweilig war, dass niemand sie lesen wollte. Seine Frau verließ ihn. Er war pleite und verzweifelt. Am Ende hatte einer seiner verbliebenen Freunde Mitleid mit dem armen Kerl und ließ seine Kontakte spielen. Daraufhin wurde Hiss von einer New Yorker Firma eingestellt, die extravagante Haarspangen aus Klaviersaiten herstellte und vertrieb. Feathercombs Inc. war er folgreich gestartet, dann aber unter Druck geraten, als ein größerer Konkurrent die Idee abkupferte, gegen das Patent verstieß und den Preis unterbot. Die Verkaufszahlen gingen zurück. Die Gehälter waren gefährdet. Um Platz für Hiss zu schaffen, musste ein anderer Mitarbeiter vor die Tür gesetzt werden. In der Daily News vom 25. Mai 1957 findet sich ein Bericht über die Verhaftung meines Großvaters, der von einem nicht namentlich genannten Kollegen als »ruhiger Typ« beschrieben wird. Für die anderen Vertreter von Feathercombs war er wie ein Herrenhut
am Garderobenständer. Er war das am schwersten schuftende, aber erfolgloseste Mitglied der Verkaufsmannschaft von Feathercombs. In der Mittagspause zog er sich gerne mit einem Sandwich und der neuesten Ausgabe einer Fachzeitschrift für
Astronomie oder Luftfahrt zurück. Es war bekannt, dass er einen Crosley fuhr, eine ausländische Frau und eine jugendliche Tochter hatte und mit ihnen irgendwo im tiefsten Bergen County im Osten von New Jersey wohnte. Vor seiner Verhaftung waren die Kollegen nur zweimal auf meinen Großvater aufmerksam geworden: einmal beim fünften Spiel der World Series 1956, als das Radio im Büro ausfiel und er es mit einer Elektronenröhre aus dem hintersten Winkel der Telefonzentrale reparierte. Außerdem wusste ein Texter zu berichten, dass er meinen Großvater einmal zufällig im Paper-Mill-Theater in Millburn getroffen habe, wo seine ausländische Frau ausgerechnet als Serafina in Die tätowierte Rose auftrat. Abgesehen davon war nicht viel über meinen Großvater bekannt, und so schien es ihm auch am liebsten zu sein. Längst hatten die Kollegen aufgegeben, ihn in Gespräche zu verwickeln. Man kannte ihn lächelnd, aber nicht lachend. Falls er politische Überzeugungen hatte – falls er überhaupt eine Meinung hatte –, so blieben sie im Büro von Feathercombs ein Geheimnis. Man hatte das Gefühl, ihn ohne Gefährdung des Betriebsfriedens feuern zu können. Um kurz nach neun am Morgen des 24. hörte der Direktor von Feathercombs einen Tumult in seinem Vorzimmer, wo ein junges Mädchen mit schneller Auffassungsgabe platziert worden war, um Gläubiger und Steuerprüfer abzuwimmeln. Eine Männerstimme redete dort mit einer Dringlichkeit, die rasch in Erregung umschlug. Die Sprechanlage auf dem Schreibtisch des Direktors summte in kurzen Abständen. Er hörte ein Klirren von splitterndem Glas. Es klang, als würde der Hörer aufs Telefon geknallt. Bevor sich der Direktor von seinem Sessel erheben konnte, um nachzusehen, was los war, stürmte mein Großvater in sein Büro. Er fuchtelte mit einem schwarzen Telefonhörer herum (damals ein klobiger Gegenstand), der an einem ein Meter langen, zerfransten Kabel hing. In den späten Dreißigerjahren hatte mein Großvater, wenn er nicht gerade Billard spielte, vier Jahre Studium an der Drexel Tech finanziert, indem er für das Kaufhaus Wanamaker’s Klaviere auslieferte. Seine Schultern nahmen den gesamten Türrahmen ein. Die widerspenstigen Haare wippten, befreit von der täglichen Portion Pomade. Sein Gesicht war so rot, als hätte er einen Sonnenbrand. »Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so wütend war«, erzählte ein Augenzeuge später der Zeitung. »Man konnte fast riechen, wie er qualmte.« Der Direktor von Feathercombs seinerseits war überrascht festzustellen, dass er die Kündigung eines Verrückten abgesegnet hatte. »Was ist hier los?«, fragte er. Es war eine sinnlose Frage, mein Großvater würdigte sie keiner Antwort; er hielt nichts davon, Offensichtliches festzustellen. Die meisten Fragen hatten seiner Meinung nach lediglich den Zweck, toten Raum zu füllen, das Gegenüber zu maßregeln, dessen Energie und Aufmerksamkeit fehlzuleiten. Zwischen meinem Großvater
und seinen Gefühlen herrschte sowieso quasi Funkstille. Er griff nach dem zerfransten Ende des Telefonkabels und wickelte
es sich zweimal um die linke Hand. Der Direktor wollte aufstehen, doch seine Knie verkanteten sich in der Beinöffnung des Schreibtischs. Der Stuhl schoss unter ihm hervor und kippte um, die Rollen klackerten. Er stieß einen Schrei aus. Es war ein weibischer Ton, fast schon ein Jodeln. Als sich mein Großvater auf seinen Chef stürzte, drehte der sich zum Fenster, das auf die East 57th Street ging. Er konnte gerade noch sehen, dass sich unten auf dem Bürgersteig Passanten sammelten. Mein Großvater schlang das Kabel um den Hals des Direktors.


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