»Der Spaß an der Sache« – Ulrich Blumenbach zu den Essays von David Foster Wallace

Portrait de l'ecrivain David Foster Wallace en juin 2006.©effigie/Leemage | Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

Vorwort: Eine Kultur im Selbstgespräch

Zu den Essays von David Foster Wallace

David Foster Wallace war als Journalist berühmt und berüchtigt. Berüchtigt bei den Herausgebern und Redakteuren der Zeitschriften, für die er schrieb, weil er sämtliche Längenvorgaben gnadenlos überschritt und hinterher jedes Wort mit Zähnen und Klauen verteidigte. Berühmt bei der Leserschaft wegen seiner adrenalinintensiven Kickstartprosa und bei seinen Kollegen und Kolleginnen aus Journalismus und Literatur, für die er die Latte des New Journalism oder Gonzo-Journalismus immer höher legte.[1] Wallace begleitete Senator John McCain im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2000, wie Hunter S. Thompson amerikanische Wahlen in Fear and Loathing in Las Vegas (1971) und Joan Didion in After Henry (1992) verfolgt hatten.[2] Wie die New Journalists praktizierte Wallace eine subjektivere, experimentellere und literarischere Herangehensweise an seine Themen als traditionelle Journalisten.

Wie kam Wallace dazu, Essays und Reportagen zu schreiben? Nach einem depressiven Absturz in Harvard verbrachte er das erste Halbjahr 1990 in Granada House, einem Rehazentrum im Bostoner Stadtteil Brighton für Süchtige im Entzug. Er absolvierte eine Therapie und besuchte Selbsthilfegruppen der Anonymen Alkoholiker. Der Besen im System, sein erster Roman, war drei Jahre zuvor erschienen, und nach monatelangen juristischen Querelen wegen wörtlicher Zitate aus David Lettermans Late-Night-Show war im August 1989 endlich auch der Erzählungsband Kleines Mädchen mit komischen Haaren herausgekommen. Eigentlich wollte Wallace weiter Belletristik schreiben, fühlte sich nach seinem Zusammenbruch aber »noch zu verletzlich, um einen Vorstoß auf einem Gebiet zu wagen, das für sein Wohlergehen so wichtig war«, wie sein Biograf schreibt[3], und verlegte sich daher auf Essays und Rezensionen. Gesellenstücke im nicht literarischen Schreiben hatte er schon vorgelegt: Die ästhetische Programmschrift »Fiktionale Zukünfte und die dezidiert Jungen« war 1988 in der Review of Contemporary Fiction erschienen, Signifying Rappers, das gemeinsam mit Mark Costello geschriebene Buch über Rap, lag vor, auch wenn es erst im November 1990 erscheinen sollte, und schon in der Sommerausgabe der Review of Contemporary Fiction erschien 1990 der lange Rezensionsessay »Das leere Plenum« über David Marksons Roman Wittgensteins Mätresse. Wallace erlangte sein psychisches Gleichgewicht zurück, fand wieder Lust am Schreiben, veröffentlichte im Dezember 1991 in Harper’s Magazine den autobiografischen Essay »Sportableitungen in der Tornado Alley« und ein Dreivierteljahr später im August 1992 »Rabbit Resurrected«, eine leider nie in Buchform nachgedruckte Parodie auf den Stil der Rabbit-Romane von John Updike. Mit diesen Texten hatte er die Redakteure von Harper’s endgültig für sich gewonnen, und als man in der Redaktion von Wallace’ Umzug nach Bloomington erfuhr, wo er im Sommer 1993 eine Stelle an der anglistischen Fakultät der Illinois State University antrat, fragte man an, ob er nicht Lust habe, eine Reportage über die große Landwirtschaftsmesse in Springfield, der Hauptstadt von Illinois, zu schreiben. Mit der Veröffentlichung von »Hinter sich lassen, was man schon ganz schön weit hinter sich hat« in Harper’s im Juli 1994 begann Wallace’ Glanzzeit als Journalist, wohlgemerkt vor seinem großen Ruhm als Romancier, denn auch die Kreuzfahrtreportage »Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich« erschien, bevor die Veröffentlichung des Romans Unendlicher Spaß Wallace 1996 zum Star des literarischen Amerika machte.

Was motivierte die Essays und Reportagen von David Foster Wallace? Welche Schreibhaltung stand hinter seinen Texten? Der Autor ging dorthin, wo es ihm wehtat: auf die Kreuzfahrt, auf der ihn der saturierten Menschheit ganzer Jammer anfasste, auf eine Pornografiemesse (»Der große rote Sohn«) und zu Hasspredigern im Rundfunk (»Moderator«). In den Texten, in denen er seine Eindrücke festhielt und seine Erfahrungen reflektierte, bestätigte er dann aber weder seine – so heimlichen wie ausgesprochenen – Vorurteile, noch klopfte er sich im Bewusstsein seiner intellektuellen und moralischen Überlegenheit auf die Schulter. Er fragte sich vielmehr: Wie weit kann ich mich diesen kulturellen Fremdartigkeiten aussetzen? Bis wohin mache ich mit, und wann wird eine Schmerzgrenze überschritten? Wallace lehnte es ab, sich mit postmoderner Ironie gegen die Zumutungen seiner Lebenswelt abzuschotten. Gegen diesen Sicherheitsabstand des Denkens suchte sein ästhetisches Sensorium vielmehr immer wieder die Konfrontation mit diesen Zumutungen. Mit dem Gestus, aus peinlich und peinigend genauen Selbstbeobachtungen, Suchbewegungen ins Allgemeine abzuleiten, knüpfte er an Michel Montaigne als den Begründer des modernen Essays an. Bei Wallace findet man die »Kultur im Selbstgespräch«, von der er in »Hinter sich lassen, was man schon ganz schön weit hinter sich hat« spricht. Seine Essays sind Hirnschrittmacher, in denen die ganze US-amerikanische Gegenwartskultur zur Sprache und mit sich ins Gespräch kommt. Wallace konnte dem Sog des Verbotenen erst nachgeben und ihm dann analytisch nachspüren: dass – und warum – der konservative Politiker John McCain mit seinem Versprechen von Wahrheit und Ehrlichkeit im Wahlkampf verführerisch auch für ihn war; dass – und warum – die Provinzialität einer Landwirtschaftsmesse im Mittleren Westen und die bildungsfernen Amerikanerinnen, mit denen er am 11. September 2001 vor dem Fernseher saß (»Von Mrs Thompsons Warte«), eine Vertrautheit hatten, die auch ihm Zugehörigkeit, ja Geborgenheit vermittelte. Das machte ihn zu einem Solitär in der Literaturlandschaft der Neunziger und Nullerjahre. Seine Kolleginnen und Freunde, in aller Regel linksliberale Autoren und Autorinnen beider Küsten, hätten wohl stärker betont, dass die programmatischen Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain zu Waffenbesitz, zur Abtreibung und zum Kampf gegen Drogen furchterregend waren. Wallace war aber kein Ost- oder Westküstenintellektueller traditionellen Zuschnitts, sondern politisch ein Konservativer, der Ronald Reagan gewählt und Ross Perot unterstützt hatte. Er kam aus dem Mittleren Westen, ›dem Herzen des Herzen des Landes‹, wie das bei William H. Gass hieß, und er hatte ein anderes Anliegen: Er wollte Befindlichkeiten und Mentalitäten verstehen und auf den Begriff bringen, er wollte herausfinden, warum Amerikaner tickten, wie sie tickten. Er wollte herausfinden, wie er selber tickte.

In der Zusammenstellung aller seiner Essays lässt sich die Entwicklungsgeschichte von Wallace’ Denken und Schreiben nachvollziehen: Hatte er in seiner zweiten Programmschrift »E Unibus Pluram« 1993 noch diagnostiziert, die Erzählverfahren des Fernsehens hätten eine ästhetische Krise der amerikanischen Literatur verursacht, so kam er in seinen Werken ab dem Unendlichen Spaß zu dem 2005 in »Das hier ist Wasser« kulminierenden Befund, sie stecke in einer moralischen Krise. Entsprechend änderte sich sein Selbstverständnis als Schriftsteller: Am Anfang seiner Tätigkeit ging es ihm vor allem darum, die beiden Hauptströmungen der zeitgenössischen Literatur zu verabschieden, den Minimalismus Carver’scher Provenienz und den metafiktiven Postmodernismus in der Nachfolge von Thomas Pynchon, Robert Coover und John Barth. Die scheppernden Adepten beider Richtungen hatten seiner Meinung nach deren Innovationspotenzial ausgeschöpft und bedienten nur mehr neue Konventionen. Am Ende seines Lebens dagegen wollte Wallace mit avancierten literarischen Mitteln ein traditionelles Ziel erreichen: Er hatte eine Botschaft. Hal Incandenza, einer autobiografischen Hauptfigur von Unendlicher Spaß, legte er das Postulat in den Mund, »dass das, was sich als hippe zynische Transzendenz des Gefühls ausgibt, in Wahrheit Furcht vor dem echten Menschsein ist«.

Furcht, Einsamkeit und vor allem »die wahre Traurigkeit der Erwachsenen«, die er in »Sportableitungen in der Tornado Alley« schon früh auf den Begriff bringt, sind Leitmotive von Wallace’ Werk. Pornografie ist traurig: »… ein Großteil der kalten, toten, mechanischen Qualität pornografischer Filme ist auf die Gesichter der Darsteller zurückzuführen« (»Der große rote Sohn«). Politik ist traurig: »Moderne Politiker machen uns traurig, tief in uns drin verletzen sie uns auf eine Art und Weise, die sich kaum greifen, geschweige denn beschreiben lässt« (»Hoch, Simba«). Urlaube sind traurig: »Alle diese Kreuzfahrten umgibt etwas unerträglich Trauriges« (»Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich«). Und selbst Tennis ist traurig, die Sportart, die Wallace selbst ausgeübt hatte und über deren Turniere und Stars er immer wieder lange Reportagen schrieb: »Meine Erfahrung der Canadian Open und ihrer Spieler beinhaltete sehr viel Traurigkeit« (»Die professionelle Kunst des Tennisspielers Michael Joyce als Paradigma für allerlei Kram über Individualität, Freiheit, Grenzen, Freude, Groteskes und menschliche Vollkommenheit«).

Die Fragen, wie sich Furcht und Traurigkeit überwinden ließen und wie man über das ›echte Menschsein‹ schreiben könne, ohne eskapistische Fantasien zu liefern oder bloße Satiren auf die heutige Condition humaine zu verfassen, beschäftigten den Autor sein Leben lang. In »Das hier ist Wasser«, der Abschlussrede vor Absolventen des Kenyon College, sagte er 2005: »Die wirklich wichtige Freiheit erfordert Aufmerksamkeit und Offenheit und Disziplin und Mühe und die Empathie, andere Menschen wirklich ernst zu nehmen und Opfer für sie zu bringen, wieder und wieder, auf unendlich verschiedene Weisen, völlig unsexy, Tag für Tag.« Wallace wurde gelegentlich vorgeworfen, in dieser Rede mit Bleifuß auf dem Moralpedal zu stehen, aber seine Argumentation läuft auf eine Ethik des gesunden Menschenverstands hinaus. Der mit allen Wassern der Philosophie gewaschene Autor entwarf keine hochgezwirbelte Moraltheorie, sondern versuchte, die Frage zu beantworten, wie Menschen bestmöglich zusammenleben können. Diese Grundhaltung durchzieht seine Essays und kann in verblüffenden Zusammenhängen wieder auftauchen, wenn etwa in »Autorität und amerikanischer Sprachgebrauch« der Gedanke laut wird, korrekter Sprachgebrauch habe einen ethischen Aspekt: »Es ist einfach eine Frage der ›Rücksichtnahme‹, schriftsprachliche Regeln zu befolgen … wie es auch eine Frage der ›Rücksichtnahme‹ ist, die eigene Wohnung zu entsiffen, bevor man Gäste empfängt, oder sich die Zähne zu putzen, bevor man zu einem Date aufbricht.«

Wallace’ Essays zeichnen sich ebenso wie seine Romane und Erzählungen durch ihre stilistische Vielfalt aus. Er ist ein Polyphönix, der die Literaturfähigkeit des Alltäglichen sieht – »soll eine Nachtigall nicht singen dürfen, was die Spatzen von den Dächern pfeifen?«[4] –, es aber auch in Umgangssprache bis hin zum Slang abbilden kann. Das anschaulichste Beispiel ist vielleicht die ›Eingeborene Begleiterin‹ in der Messereportage – vorgeblich eine alte Highschool-Liebschaft, faktisch Kymberly Harris, die Tochter von Freunden in Bloomington –, die ihre Fahrt im Zipper, einer Art »Riesenrad auf Amphetaminen«, mit den Worten »Mann, am Ende hab ich echt gedacht, ich geh hops, so geil war das. Diese Wichser« kommentiert und ihren Begleiter, den ängstlichen Autor, mit den Worten »Heul doch, Herzchen« abfertigt.

Politische, ästhetische, ethische und allgemein kulturelle Fragen werden in den Essays oft zugänglicher, persönlicher und verspielter behandelt als in Wallace’ im herkömmlichen Sinn literarischen Werk. Dieses ludische Element lässt ihre Themen aber nicht verludern. Wallace war eine Kompetenzgranate mit Dauerzündung, die unterhalten, aber nicht unterfordern wollte. Das unterscheidet ihn von den Verdummungsstrategen der Spaßgesellschaft, die er in immer neuen Anläufen kritisierte. Niklas Luhmann schrieb einmal, Verständlichkeit dürfe kein Prinzip sein, das etwas verhindert, was gesagt werden kann[5]. Nach dieser Maxime mutet Wallace seinen Lesern und Leserinnen auch präzisionsfrenetische Satzgebilde und philosophische Höhenflüge zu wie die Entfaltung von Wittgensteins Argument der Unmöglichkeit von Privatsprachen in einer schädel- und satzspiegelsprengenden Fußnote in »Autorität und amerikanischer Sprachgebrauch«. Dann wieder gibt es naturlyrische Schilderungen wie die aus dem Pressebus beobachtete Landschaft von South Carolina in »Hoch, Simba« – ein Wahrnehmungsrausch, der an das Prosagedicht am Anfang vom Bleichen König erinnert.

Die Eingängigkeit von Wallace’ essayistischer Prosa, seine Stilmaxime, sang- und sagbar zu machen, was gang und gäbe ist, verdankt ihren Charme auch ihrer Komik, die das formale Gegengift zu der besagten existenziellen Furcht und Traurigkeit darstellt. Nach einer Bemerkung seines Biografen D. T. Max bewunderte Wallace den überdrehten Stil des Rockkritikers Lester Bang, »der seiner Art zu reden wahrscheinlich näher kam als jede andere Prosa«[6] und der etwa auf der ersten Seite des Kreuzfahrtessays aufschimmert:

Ich habe sacharinweiße Strände gesehen, Wasser von hellstem Azur. Ich habe einen knallroten Jogginganzug gesehen, mit extrabreiten Revers. Ich habe erfahren, wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21.000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt wird. Ich bin in drei Ländern mit »Mään« angeredet worden. Ich habe 500 amerikanischen Leistungsträgern beim Ententanz zugeschaut. Ich habe Sonnenuntergänge erlebt, die aussahen wie nach einer digitalen Bildbearbeitung, und einen tropischen Mond, der am Himmel hing wie eine fette Zitrone – statt des spröden Gesteinsbrockens unter dem gewohnten US-Sternenzelt.[7]

Komisch sind auch die Gedankenschlaufen, deren Mäandrieren Wallace manchmal mit seinem Markenzeichen ausufernder Fußnoten nachbildet. In »Demokratie und Geschäft bei den US Open« ahmt er formal die Zwanghaftigkeit nach, mit der sein Denken um den lukullischen Overkill auf dem Gelände des Tennisturniers kreist: In Fußnote 32 beschreibt er ausgiebig das gaumenbezaubernde Fast Food, kehrt in den Haupttext zurück und versucht drei Zeilen lang, sich auf das Spiel Sampras – Philippoussis zu konzentrieren, muss dann aber nach dem Muster des nachklappernden ›Was ich dazu aber noch sagen wollte‹ die lange Fußnote 33 anfügen. Das hat schon was von Laurence Sternes Abschweifungen im Tristram Shandy.

Ein drittes Verfahren komischen Schreibens brachte Wallace selbst in einem frühen Interview auf den Punkt: »Ich habe eine schrecklich sentimentale Vorliebe für Gags, für Sachen, die einfach nur komisch sind, und wenn ich die reinstecke, sollen sie manchmal einfach nur komisch sein.«[8] Diesen Humor hatte er als Jugendlicher in der Alltags- und Populärkultur der Sechziger- und Siebzigerjahre vorgefunden, in MAD-Heften, den Comicbeilagen der Wochenendzeitungen, Fernsehserien wie der Addams Family und Gilligans Insel und vielen anderen Formaten. Diese Erscheinungsformen der Komik hatten sich tief in seinem Unbewussten eingenistet, sie bildeten das Fundament und die Substrukturen seines Denkens, und statt sie wie etwa ein Don DeLillo zugunsten der Hochliteratur über Bord zu werfen, integrierte Wallace sie seinen Werken und gab diesen damit eine populärkulturelle Grundierung, weil sie sonst nicht seiner Erfahrungswelt entsprochen hätten, sondern unvollständig und unauthentisch geblieben wären.

Die vorliegende Ausgabe enthält alle Essays und Reportagen, die in den drei amerikanischen Bänden A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again (1997), Consider the Lobster (2005) und Both Flesh and Not (2012) erschienen sind. Sie wurden hier thematisch gegliedert und innerhalb der Themengruppen chronologisch geordnet, um die Entwicklung von Wallace’ Denken nachvollziehbar zu machen. Da Wallace als Jugendlicher das Tennisspiel entdeckte und erst im Studium zur ernsthaften und schreibenden Beschäftigung mit der Literatur fand, stehen seine Essays zu Tennisspielern und -turnieren am Anfang des Bandes. Den Abschluss bildet »Das hier ist Wasser« als die Summa seiner moralischen Reflexionen.

Mit dem Werk von David Foster Wallace vertraute Leser und Leserinnen kennen seine unersättliche Liebe zu Wörtern und ihren Bedeutungen. Unentwegt aktualisierte er eine Datei mit seltenen Begriffen, die er den verschiedensten Quellen entnahm, lernen wollte und mit Kurzdefinitionen versah. Eine Auswahl aus dieser Vokabelliste erscheint zwischen den einzelnen aus dem Nachlass herausgegebenen Essays in Both Flesh and Not, und ich habe sie hier durch deutsche Ausdrücke und Definitionen von vergleichbarer Seltenheit und Abstrusität zwischen den Essaygruppen ersetzt.

Ulrich Blumenbach

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[1]     Josh Roiland hat sich mit Herausgebern, Journalisten und Schriftstellern ausführlich über den langen Schatten unterhalten, den Wallace auf den literarischen Journalismus geworfen hat; vgl. seine Interviews in »Derivative Sport: The Journalistic Legacy of David Foster Wallace«, https://longreads.com/2017/12/07/derivative-sport/ (eingesehen am 13.12.2017).

[2]     Hinweise zur Einordnung von Wallace’ Essays in die Geschichte des US-amerikanischen Journalismus verdanke ich Christoph Ribbat, »Seething Static: Notes on Wallace and Journalism«, 187–98 in: David Hering (Hg.), Consider David Foster Wallace. Critical Essays, Los Angeles / Austin: Sideshow Media Group 2010.

[3]     D. T. Max, Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte. David Foster Wallace. Ein Leben, aus dem Englischen von Eva Kemper, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2014, S. 202.

[4]     Albert Vigoleis Thelen, Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis (1953), München: Claassen 2003, S. 738.

[5]     Vgl. Niklas Luhmann, »Unverständliche Wissenschaft«, 170–77 in: Ders., Soziologische Aufklärung 3. Soziales System, Gesellschaft, Organisation, Opladen: Westdeutscher Verlag 1981, 2. Aufl. 1991, S. 176.

[6]     D. T. Max, Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte, a. a. O., S. 173.

[7]     Wallace beschwört hier diverse populärkulturelle Ahnen; die Liste des Gesehenen, Gehörten und Gerochenen evoziert auch Alan Ginsbergs Gedicht »Howl«, Bob Dylans Song »A Hard Rain’s Gonna Fall« und den letzten Monolog des Replikanten Roy Batty in Ridley Scotts Film The Blade Runner.

[8]     Larry McCaffery, »An Expanded Interview with David Foster Wallace« (Review of Contemporary Fiction, Sommer 1993), 21–52 in: Stephen J. Burn (Hg.), Conversations with David Foster Wallace, Jackson: UP of Mississippi 2012, Zitat S. 24.

Zum zehnten Todestag des wichtigsten amerikanischen Autors seiner Generation erscheinen alle Essays in einem Band. Gerade die Essays und Reportagen sind für viele Kritiker und Leser Wallace’ Königsdisziplin, und in dieser nach Themen geordneten Anthologie sind seine Beobachtungsschärfe und sprachliche Brillanz neu zu entdecken. Neben Romanen und Erzählungen hat David Foster Wallace immer auch Essays geschrieben, mal im Auftrag von Zeitschriften und Zeitungen, mal für Sammlungen. Zu den bekanntesten gehört sicherlich »Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich«, sein berühmter Text über die Reise auf einem Kreuzfahrtschiff, und »Das hier ist Wasser«. Dieses monumentale Buch versammelt alle Sachtexte des großen amerikanischen Autors. Ulrich Blumenbach, der längst zur deutschen Stimme Wallace’ geworden ist, hat die Essays in diesem finalen Band nach Themengebieten geordnet: Von Tennis über Ästhetik, Sprache & Literatur, Politik, Film & Fernsehen, die Unterhaltungsindustrie und Leben & Liebe reicht die Bandbreite. So ist Wallace in all seiner Brillanz in diesen höchst unterhaltsamen und klugen Texten aufs Neue zu entdecken und zu bewundern.
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