Vierundzwanzig Türen #19 (Jutta Wallrafen, Internationale Literatur)

2013 haben wir unsere Autoren gefragt, ob sie für uns ihre Türen öffnen möchten. Bei Klaus Modick borgten wir uns für unseren Adventskalender den Titel seines Romans »Vierundzwanzig Türen«. Klaus Modick war übrigens auch der erste unserer Autoren, der uns einen kleinen Einblick in sein Reich gewährte.
Zwei Jahre später, 2015, haben wir bei Buchbloggern und Buchhändlern angeklopft. Wir wollten wissen, »Wer bist Du, was sind Deine Orte«? Und wir fragten, welches Buch aus unserem Programm sie Ihnen, unseren Lesern, empfehlen möchten.

2017 – Der Bahnhofsvorplatz erstrahlt, dieses Jahr kehren wir vor unserer eigenen Tür: Vierundzwanzig Mitarbeiter von KiWi stellen ein Buch vor, das sie besonders beeindruckt hat – und verlosen es bei Instagram und bei Facebook. Viel Vergnügen!

Tür 19: Jutta Wallrafen (Internationale Literatur) über »Der große rote Sohn« von David Foster Wallace

»Ich heiße Jutta Wallrafen und arbeite bei KiWi im fremdsprachigen Lektorat. Ich mag Weihnachten.
Meine weihnachtliche Buchempfehlung ist mäßig besinnlich, dafür aber knackig-kurz (Lesezeit: ein Schälchen Weihnachtsplätzchen oder zwei Gläser festtäglicher Rotwein), sehr lustig und bei der Lektüre wird dem Leser garantiert warm ums Herz (Nächstenliebe-Kussmund-Cover inklusive): »Der große rote Sohn« von David Foster Wallace, eine literarische Betrachtung der Verleihung der Adult Video News Awards 1998, der Oscars der Pornoindustrie. Ich habe diesen Titel seinerzeit im Lektorat betreut, und das war definitiv ein Highlight in meiner (zugegeben noch nicht gar so langen) Lektorinnenlaufbahn.
Zum einen, weil der Übersetzer Ulrich Blumenbach einen ziemlich perfekten deutschen Text abgeliefert hat und er munter (und ich glaube: mit Freude) mit großartig abseitigen Begriffen jongliert. Wissen Sie z.B., was ein »Hobel« ist – und ich meine nicht das Werkzeug? Ich wusste es nicht und dachte damals kurz, es müsse ein kreativer Begriff für das männliche Geschlechtsteil sein – aber das mag am Textkosmos gelegen haben, in dem wir uns mit dem vorliegenden Buch bewegen. (Es ist ein Motorrad. Logisch.)
Zum anderen, weil David Foster Wallace sich auch diesmal – und das wird niemanden überraschen, der schon mal ein Buch von ihm gelesen hat – als brillanter Beobachter erweist, der der Pornoindustrie als Parallelkultur mit Neugierde, Großzügigkeit und mit dem nötigen Humor begegnet.
Es gibt Passagen in diesem Buch, die mir als Vielleserin auch ein Jahr später noch im Kopf geblieben sind und über die ich eigentlich immer noch lache. Könnte entweder gegen mich oder für das Buch sprechen. Ich tippe auf Letzteres!«

5 Kommentare

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  1. Sibylle K

    Hört sich gut an. Ich möchte auch ein Schälchen Weihnachtsgebäck knabbern.
    Darf ich ?

  2. Roland

    Hintergründig und humorvoll … tolle Lektüre

  3. Sagota

    Ich liebe Bücher, die mich zum Lachen bringen – und 2 festtägliche Glas Rotwein wären dazu machbar; und wenn ich ehrlich bin, weiß ich so gut wie garnix über die Pornoindustrie 😉 Also mindestens 3 gute Gründe, diesen Roman zu lesen!

  4. K.Waldmann

    … einmal keine typische Weihnachtslektüre, ich bin auf die Besprechung in meinem Freundeskreis gespannt ….

  5. Anys Reimann

    auf dem hobel nur im zobel.
    auf dem hobel stetig zackig,
    jedoch nie ganz nackig.
    auf dem hobel. weil‘s pressiert,
    aber unterm zobel ungeniert.

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