Susann Pásztor im Interview zu ihrem Roman »Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster«

© Sven Jungtow

Es gibt sehr viele positive Leserreaktionen auf Deinen Roman. Ist Sterbebegleitung ein virulentes Thema, das bislang in der Literatur, bzw. überhaupt in der Öffentlichkeit zu kurz kam?

Über Sterbebegleitung wurde in der Literatur noch nicht viel geschrieben. Es gibt ja auch erst seit Ende der Achtzigerjahre Hospize in Deutschland, das ist eine vergleichsweise junge Bewegung. Viele Menschen wissen gar nichts darüber. Von daher wünsche ich mir sehr, dass dieses Thema mehr Öffentlichkeit bekommt.

Trotz des Themas, loben viele Leser die Leichtigkeit, den Humor, der in Deinem Roman zu finden ist Eine bewusste Entscheidung, es dem Leser nicht zu schwer zu machen?

Ich hätte nicht anders darüber schreiben wollen. Wie sich Verlust, Trauer und Schmerz anfühlen, brauche ich den Lesern nicht zu erklären. Dass Leichtigkeit und Humor auch zu einer Geschichte über das Sterben gehören können, ist nicht nur eine Frage des Stils. Beides gibt es auch in der Realität einer Sterbebegleitung immer wieder. Genau das wollte ich beschreiben.

Man spürt, dass Du sehr mit dem Thema vertraut bist. Hast Du in Deiner Tätigkeit als Sterbebegleiterin einen solchen Fall erlebt?

Nicht genau einen solchen Fall, aber viele inspirierende Begegnungen mit sterbenden Menschen und ihren Begleitern. Ich bin ja zuallererst Schriftstellerin und liebe es, mir Figuren und Handlungen auszudenken.

Was hat Dich dazu bewegt, Dich nicht nur mit dem Thema zu beschäftigen, sondern Dich auch unmittelbar damit zu konfrontieren.

Ich habe mich zuerst als Sterbebegleiterin ausbilden lassen und dann erst beschlossen, darüber zu schreiben. Was mich zu meiner Ausbildung bewegt hat, war der Wunsch, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten und gleichzeitig das Sterben mehr in mein Leben zu integrieren. Das fühlte sich sehr richtig und vor allem natürlich an.

Brauchen wir eine neue Wahrnehmung, ein anderes Verständnis vom Sterben?

Mit unserem Jugend- und Selbstoptimierungswahn sind wir gesellschaftlich ziemlich weit weg von einem entspannten Verhältnis zum Sterben. Religiöse Konzepte von einem ewigen Leben im Jenseits, die früher Trost versprachen, ziehen heute auch nicht mehr. Es würde uns so gut tun, wenn wir weniger Berührungsängste bei diesem Thema hätten und weniger verdrängten.

Gibt es Übereinstimmungen, stilistische oder inhaltliche zu Deinen beiden früheren Romanen (»Ein fabelhafter Lügner« und »Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts«)? 

In allen drei Romanen wird gesucht, geliebt und gestorben. In zwei von ihnen gibt es eine jugendliche Erzählperspektive. Das sind allerdings eher grobe Übereinstimmungen. Die größte Gemeinsamkeit besteht wohl in der bereits erwähnten Leichtigkeit und im Humor, wobei das weniger stilistische Werkzeuge sind als vielmehr meine Haltung zum Leben. Das wird beim nächsten Buch kaum anders sein.

 

© Sven Jungtow

Susann Pásztor, 1957 in Soltau geboren, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Ihr Debütroman »Ein fabelhafter Lügner« (KiWi 1201, 2011) erschien 2010 und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2013 folgte der Roman »Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts« (KiWi 1326). Sie hat die Ausbildung zur Sterbebegleiterin abgeschlossen und ist seit mehreren Jahren ehrenamtlich tätig.

 

 

 

 

»Dieser Roman ist keiner, der Angst vorm Sterben macht. Im Gegenteil. Er macht Lust auf das Leben. Jetzt.«
Christine Westermann

»Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster«.

 

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