»Was ich liebe, was ich hasse« mit Arnon Grünberg

Für die Printausgabe des Tagesspiegels hat Arnon Grünberg den Fragebogen »Was ich liebe, was ich hasse« ausgefüllt. Da es nicht alle Antworten ins Blatt geschafft haben, zeigen wir hier euch hier die extended version.

DAS MAG ICH

Darüber habe ich mich zuletzt gefreut:

Ich freue mich oft oder jedenfalls oft genug, wenn ich eine Whatsapp-Nachricht oder SMS von meiner Freundin zu bekommen. Wir sind nicht oft zusammen, sie lebt in Holland, ich in New York und auch wenn ich auf Lesereise bin, so wie jetzt, kommt sie meistens nicht mit. Kommunikation über Whatsapp oder SMS finde ich ohnehin sehr interessant. In 2015 hatte ich eine kurze Liebesbeziehung mit einer Fotografin, die fast nur aus Whatsapp und SMS-Nachrichten bestand. Wie haben uns zwei, drei mal gesehen, und sonst war es Whatsapp. Irgendwie hat sich das doch sehr intim und leidenschaftlich angefühlt. Ironisch an SMS und Whatsapp ist auch, dass es ein ziemlich klares Machtspiel werden kann. Man schweigt, wenn man böse ist oder man guckt einfach nicht aufs Handy. Meine heutige Freundin hat am Anfang unserer Beziehung mal geschrieben: »Du darfst mich verlassen, aber du darfst mich nicht vergessen.« Eine SMS ist ein Zeichen, dass man doch nicht ganz vergessen ist.

Etwas, worauf ich nicht verzichten kann:

Vielleicht hätte ich vor ein paar Jahren noch gesagt meine Mutter, aber das geht jetzt nicht mehr. Wenn eine Person stirbt, muss man ja auf diese Person verzichten. Ich kann noch nicht aufs Schreiben verzichten, das Schreiben ist ja mehr als ein Beruf und vielleicht muss man sagen: leider. Wenn man das Leben nutzt, um zu schreiben, wird vieles erträglich. Es ist eine Instrumentalisierung vom Leben, das Schreiben. Gerade auch wenn Dinge schief gehen, kann man sich gut damit abfinden. Wenn wirklich nichts schief geht, hat man ja keine Literatur.

Schmeckt mir:

Seit meiner Teenager-Zeit esse ich gerne in italienischen Restaurants, ich esse ohnehin gerne in Restaurants. Das ist Theater und Essen zur gleichen Zeit. Kochen tue ich nie. Die Pasta braucht nicht aufwendig zu sein, eigentlich esse ich am liebsten Spaghetti aglio e olio. Ob ein Italienisches Restaurant wirklich taugt, kann man an so einer Pasta gut sehen.

Das ist toll an Amsterdam:

Nun ja, ich in bin in Amsterdam geboren, aber 1995 für die Liebe nach New York ausgewandert. Amsterdam ist für mich die Stadt meiner Jugend, vor allem die Innenstadt ist ja wirklich so etwas wie in Museum. Fast zu schön. Amsterdam ist so etwas wie eine Madeleine, so viele Orte, Parks und so weiter rufen Erinnerungen auf. Aber da nochmal leben, nein, das nicht. Dafür bin ich schon zu lange weg. Man kann die Vergangenheit erinnern, aber ich glaube, man soll nicht unbedingt eine Reise zurück in die Zeit machen wollen.

Ein Buch, das ich immer wieder verschenken würde:

Ich würde bestimmt etwas von Coetzee auswählen. Aber welches. Viele seiner Bücher könnte man immer verschenken, man möchte auch etwas verschenken, womit man eine persönlich Beziehung hat, sonst könnte man ja auch Geld geben oder ein Handtuch. Ich würde mich für den letzten Coetzee entscheiden, der noch nicht auf Deutsch erschienen ist, glaube ich: »The schooldays of Jesus«

Gerade weil da so viele Sachen untersucht und behandelt werden, und weil Coetzee ein Punkt sucht, von woraus er die menschliche Rationalität kritisieren kann.

Ganz allgemein, fünf Dinge, die ich gern mag:

Mütter

Speisewagen

Hotels

Deadlines

Eine Wiese im September

Ein großer Traum von mir:

Ein Jahr lang nicht schreiben. Ich versuche mir immer vorzustellen, wie das ist und ob etwas Gutes rauskommen wird oder nicht. Vielleicht ist es auch eher ein Alptraum als ein Traum.

Das kann ich besonders gut:

Höflich sein. Fast jeder kann höflich sein, aber ich fürchte, ich habe mich darin spezialisiert.

Für einen Tag lang wäre ich gern einmal…

Eine Ziege. Es ist gut für einen Menschen ab und zu mal ein anderes Tier zu sein, und ich mag Ziegen sehr gerne.

Diese Person ist ein Idol für mich:

Coetzee hab ich schon erwähnt. Idol hört sich fast zu banal an. Aber warum auch nicht, wir brauchen alle Idolen.

Mein Lieblingstier:

Ziege und Esel.

Mein Sehnsuchtsort:

Glion, etwas oberhalb von Montreux. Ich war da mal sehr glücklich. Kann mir auch gut vorstellen, da mal zu sterben.

Mein größter Erfolg:

Ach. Erfolge. Als Schriftsteller kann man dann nur auf seine Bücher hinweisen, aber Bücher Erfolge nennen, ist auch wieder so etwas. Weil ich keine besseren Erfolgen vorweisen kann, beschränke ich mich auf meine Bücher.

Diese Person würde ich gern mal in der Sauna treffen:

Meine Schwester. Sie würde sich lieber umbringen als in eine Sauna zu gehen.

DAS MAG ICH NICHT

Darüber habe ich mich zuletzt geärgert:

Ärger ist Machtlosigkeit und wer will sich der eigenen Machtlosigkeit schon bewusst sein? Ich liebe meine Freundin, aber manchmal kann sie nicht aufhören über Probleme zu reden, die sie bei der Arbeit hat. Dann fühle ich mich machtlos. Und da fängt der Ärger an, Ich möchte gern ein guter Freund sein, aber ich schaffe es nicht immer. Am Ende ärgert man sich immer über sich selbst.

Das braucht kein Mensch:

Mehr als vier Haustiere.

Schmeckt mir nicht:

Schweinefleisch

Das fehlt in Berlin:

Nichts fehlt in Berlin.

Dieses Buch habe ich nie zu Ende gelesen:

Ich habe viele Bücher nie zu Ende gelesen, aber gut: Piketty.

Ganz allgemein, fünf Dinge, die ich nicht mag:

Schreiende Männer

Kotzende Männer

Hotelzimmer, wo man unterm Bett ein gebrauchtes Kondom findet

Fragen, die aus Faulheit gestellt sind

Mehr als 24 Stunden Verspätung auf einem Flughafen

Das wäre mein Albtraum:

Vor meiner Mutter zu sterben. Jetzt, da sie tot ist, sind all meine Albträume banal.

Das kann ich gar nicht gut:

Kopfrechnen

In seiner Haut möchte ich nicht stecken:

Trump

Ein Mensch, der mich abschreckt:

Kein Mensch schreckt mich ab, langweilige Menschen vielleicht.

Ein unnützes Tier:

Ich bin nicht Gott.

An diesen Ort will ich nie wieder reisen:

Es gibt Orte in Uzbekistan, wo ich nicht unbedingt nochmal hin möchte.

Mein größter Fehler:

Ich sage zu selten Nein.

Diese Person möchte ich nie in der Sauna treffen:

Ich kann jede Person in der Sauna ertragen. So bin ich erzogen worden.

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