12 Fragen an Verena Roßbacher #8

Verena Roßbacher

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen.

Den Fragebogen, die »12 Fragen an…«, schicken wir unseren Autoren zusammen mit einer Einwegkamera und bitten sie, ihren Alltag für uns festzuhalten. Gespannt warten wir auf die Rücksendungen und freuen uns über die Antworten und Fotos. Voilà!

Autorenfargebogen_Roßbacher

Nachdem wir mit Luisa Buresch Liebeskummer durchlitten und unter Moritz Rinkes Betten in Kreuzberg und Charlottenburg linsten, werfen wir jetzt einen Blick in Verena Roßbachers Küche. Und siehe da: Auch hier nur blitzende Oberflächen, kein Staubkorn, nirgends! Da läßt doch der Titel ihres unlängst erschienen Romans »Schwätzen und Schlachten« ganz anderes vermuten, urteilte doch die ZEIT: »Verena Roßbachers Ideensturzbach ist ein delirierendes Vergnügen.« Nun zumindest nicht in ihren eigenen vier Wänden.

Welche Bücher liegen gerade neben Ihrem Bett?

Beltracchi »Selbstporträt«; Martin Gayford »Mann mit blauem Schal«; Geordie Greig »Frühstück mit Lucian Freud«; Martin Gayford »Gespräche mit David Hockney«; Michael Peppiatt »Gespräche in der Nacht – Francis Bacon«.

Und welche unter Ihrem Bett?

Keine Bücher! Keine Dinge! Kein Stäubchen! Wäre alles Feng-Shui-technisch ganz schlecht. Ganz schlecht.

Welchem Schriftsteller wurde bislang nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt?

Trautes Heim, Glück allein
Trautes Heim, Glück allein

Hier im deutschsprachigen Raum immer noch zu wenig gelesen: Banville+ Chabon. Auch wenn sie scheitern, tun sie’s mit Niveau.

Welchem Buch wollten Sie zuletzt wehtun, es gar gegen die Wand werfen? Können Sie Bücher überhaupt wegwerfen?

Siehe Punkt 9 und so manch andere, es gibt so viele tolle Bücher und so viele schlechte, es ist ein Jammer.

Ihr Lieblingsbuch als Kind?

»Die Brüder Löwenherz«; »Die unendliche Geschichte«; »Der wilde Wald«; »Die Türme des Februar«.

Haben Sie sich schon mal in eine literarische Figur verliebt? In eine eigene?

In die eigenen: immer. In fremde: Schon lang nicht mehr. Zuletzt vielleicht in Jonny aus dem »Fliegenden Klassenzimmer«. Tatsächlich eignen sich Helden der Belletristik nur bedingt zum Verlieben. Ich meine: Mr. Darcy – ein im Grunde schwer depressiver Typ. Die ganzen trinkenden Detektive: Will man nicht bei sich zu Haus haben.

Über den Tod welcher literarischen Figur haben Sie sich gefreut?

 Ach, eher betrüben mich die tragischen Tode aller netten Leute: Ralph Touchett bei Henry James; überhaupt wird bei James sehr tragisch gestorben. Auch bei Tolstoi, sehr traurig.

Welches Buch hätten Sie gern geschrieben?

 Ah ja, einen Haufen Bücher, sehr gerne beispielsweise »Harry Potter«, große Literatur; »Pnin«, von Nabokov, hinreissendes Buch; »Schachnovelle« (von Stefan Zweig, A.d.R.) – wenn schon kurz, dann so; usw…

Welchem Buch wären Sie lieber nie begegnet?

Verena Roßbacher
Verena Roßbacher

Allen Büchern Alice Munros. Dieses langweilie, humorlose und jammerlapprige Zeug lässt einen am Sinn von Literatur überhaupt zweifeln.

Sie dürften nur noch ein Buch bis zum Ende Ihres Lebens lesen: Welches wäre es?

 Das ist eine gemeine Frage und ich hasse es, sie zu beantworten und da ich nicht drum herum komme: Die Buddhistischen Schriften, in einem Buch.

Beunruhigt Sie die Vorstellung, Sie hätten nie etwas geschrieben? Was wären Sie geworden, wenn Sie kein Autor geworden wären?

 Interessante Frage, daran grüble ich auch bisweilen. Vermutlich Bäcker.

Wo kaufen Sie Ihre Bücher? Online, im Buchladen, per Download? Neu oder gebraucht?

Alles durcheinander. Hätt ich ganz viel Geld, würd ich sie nur neu und schön in feinen Läden kaufen.

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