Ich drohne, du drohne, wir drohnen

Im Amtsdeutsch heißt sie »unbemanntes Luftfahrzeug«. Und das ist sie ja auch: unbemannt, wenn auch vorurteilsbehaftet. Steht die Drohne doch für alles, was die digitale Revolution der letzten Jahre an Unheilvollem, weil Unvorstellbarem mit sich brachte. Doch was kann das kleine Luftgefährt für die Buchbranche bedeuten? Tom Hillenbrand, Autor des Future Noir-Thrillers »Drohnenland«, hat uns einen Brief geschrieben. Und was hat er ihm als kleines Dankeschön beigelegt? Eine DROHNE! KiWi hat eine Drohne!

Drohne_KiWi_gerade

 

»Liebe KiWis,

in der Verlagsbranche reden alle von irgendwelchen digitalen Dingen, die man ganz dringend machen müsse: Social Media, Crowfunding, transmedial erzählte Werwolfromanzen. Alles schön und gut – aber bedauerlicherweise gerät aufgrund dieses Hypes eine Technologie in den Hintergrund, die meines Erachtens aus dem Verlag der Zukunft nicht wegzudenken ist.

Die Rede ist natürlich von Drohnen.

Drohnen im Verlagswesen? Das klingt heute lächerlich, aber in ein paar Jahren werden wir es lächerlich finden, dass man in der Buchproduktion jemals ohne Drohne ausgekommen ist. Um zu illustrieren, wie nützlich die kleinen Roboflieger als publizistische Wissensträger sein können, hier einige Beispiele.

Drohnen als Mittel der Autorenpflege: Wussten Sie, dass J.D. Salinger 27 Lektoren verschliss? Die meisten starben im Kugelhagel seiner Schrottflinte, während sie versuchten, sich nit Korrekturfahnen seinem Haus zu nähern. Drohnenkuriere hätten in diesem tragischem Fall Leben retten können.

Nicht ganz so zwingend, aber ebenfalls praktisch ist die Drohne bei jenem Autorentypus, der über den Dingen zu schweben pflegt. Denken Sie an Ernest Hemingway, der sich monatelang in seinem Baumhaus verkroch und die Strickleiter hochzog. Ein unüberwindbares Hindernis für neugierige Verleger – für Helikopterdrohnen ein Kinderspiel.

Drohnen als Kulis: Früher erkannte man Verlagslektoren an den schweren Rucksäcken und Ledertaschen, in denen sie ihre Manuskripte herumschleppten. In der herrlichen Zukunft wird jeder Lektor eine Lastendrohne besitzen, die ihm seine 20 Ries Papier hinterherträgt. Einen Protoypen gibt es bereits. Seine Erfinder nennen das Ding »Ken-Follett-Drohne«.

Drohnen für die Buchmesse: Nirgendwo jedoch dürften Drohnen essentieller sein als auf der Frankfurter Buchmesse. Hier werden mit einer speziellen Software ausgestattete Flieger zum Einsatz kommen, die während der gesamten Veranstaltung über den Ausstellungsflächen patroullieren. Sobals sich ein Messebesucher mit bestimmtem Profil (männlich, knittriges Hemd, verwirrter Blick, dickes Paket unter dem Arm) einem der Verlagsstände nähert, taucht die Drohne herab und atomisiert mit einem Militärlaser das Manuskript der Zielperson. Dann schnarrt sie: »Ihr Text! Wurde! Digitalisiert! Wir melden uns!«

Schon nach diesen wenigen Beispielen dürfte klar sein, dass ein Verlag ohne Drohne ein Verlag von Vorgestern ist. Damit Kiepenheuer & Witsch ganz vorne mitschwirren kann, habe ich mir erlaubt, diesem Schreiben einen Prototypen beizulegen. Und Schokolade.

Beste Grüße,

Tom Hillenbrand«

1 Kommentar

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  1. Aerial4Motion

    Interessant auf was für Ideen man kommt. Da gefällt mir die Drohne, die in Kanada auf dem Campingplatz mir den KAsten Bier bringt aber deutlich besser 😉
    Ich kann mir das mit dem Manuskrikte tragen auch nur schwer vorstellen. Was macht die Drohne bei Drehtüren, in der U-Bahn,…? Das ständige Ein- und Auspacken erscheint mir ein bisschen nervig und unpraktikabel.

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