2010

Die Erfolge der deutschsprachigen Literatur werden immer größer: Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis versammeln sich vier (!) Verlags-Autoren: Jan Faktor, Thomas Hettche, Alina Bronsky und Peter Wawerzinek mit neuen Romanen. Darüber hinaus sind Moritz Rinkes erster Roman Der Mann der durchs Jahrhundert fiel und Moritz von Uslars literarische Reportage Deutschboden und Benjamin von Stuckrad-Barres Reportageband Auch Deutsche unter den Opfern und auch Volker Weidermanns Max-Frisch-Biografie sofort große Verkaufserfolge. Alle diese Bücher führen zu lebhafter Resonanz bei der Kritik und bei Lesern – ebenso wie der Abschluss der 27-bändigen Kölner Ausgabe der Werke von Heinrich Böll.

Der größte Erfolg wird Peter Wawerzineks Rabenliebe, für den der Autor den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt erhält.

Mittlerweile ist der Verlag in der Lage, auf allen Gebieten seiner Aktivitäten zugleich eine Vielzahl von Büchern »durchzusetzen«: In der ausländischen Literatur (Don DeLillo Der Omega-Punkt, Sofi Oksanen Fegefeuer und Herman Koch Angerichtet), im Sachbuch (Jonathan S. Foer Tiere essen, Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo Wofür stehst Du?, Ranga Yogeshwar Ach so! und Wie gut ist Ihre Allgemeinbildung? von Martin Doerry und Markus Verbeet), in der unterhaltenden Belletristik (Cordula Stratmann Sie da oben, er da unten, Michael Mittermeier Achtung Baby, Monika Peetz Die Dienstagsfrauen), und in der Popkultur (Patti Smith Just Kids).

Damit waren die Jahre 2009 und 2010 die Erfolgsjahre der Verlagsgeschichte, sowohl ökonomisch als auch kulturell.

2011

Die KiWi-Liste dieses Jahres war geprägt durch eine ganze Serie von autobiografischen Sachbüchern, die alle Bestsellererfolge wurden: Adriana Altaras (Titos Brille), Hannelore Elsner (Im Überschwang), Alice Schwarzer (Lebenslauf) und Julia Albrecht/Corinna Ponto (Patentöchter. Im Schatten der RAF – ein Dialog).

Dass auch Bücher, die nicht erscheinen, zu Medienereignissen werden können, zeigte die geplante deutschsprachige Ausgabe der Autobiografie des Wikileaks-Gründers Julian Assange, für die KiWi die deutschsprachigen Rechte erworben hatte. Der Text des Buchs war auf der Grundlage von Gesprächen mit dem Autor Andrew O’Hagan entstanden und am Ende von Julian Assange nicht autorisiert worden. Obwohl das Buch in der englischen Version mit dem Untertitel »Unautorisierte Autobiografie« erschien, nahm Kiepenheuer & Witsch aus ethischen Gründen von einer deutschsprachigen Publikation Abstand.

Die deutschsprachige Literatur dieses Jahres präsentierte sich in einer fast idealen Mischung aus langjährigen »klassischen« Verlagsautoren wie Uwe Timm, Peter Härtling, Dieter Wellershoff (Abschluss der Werkausgabe) und jüngeren Autoren, die aufsehenerregende Erfolge feierten: Michael Kumpfmüllers Kafka-Roman Die Herrlichkeit des Lebens (mit zahlreichen Auslandslizenzen), Angelika Klüssendorfs Das Mädchen (Shortlist Deutscher Buchpreis) sowie Joachim Meyerhoff, Tino Hanekamp und Thomas Pletzinger.

In der ausländischen Literatur war Julian Barnes aufgrund des Booker-Preises in Grossbritannien sowohl im Handel wie bei der Kritik erfolgreich wie noch nie in Deutschland, ähnlich wie Herman Koch mit seinem zweiten Roman Sommerhaus mit Swimmingpool.

In der Kriminalliteratur startete Tom Hillenbrand seine Xavier Kiefer-Serie (mit Teufelsfrucht), die in den Folgejahren immer erfolgreicher wurde.

2012

Die bedeutendste Veröffentlichung in der deutschsprachigen Literatur bei Kiepenheuer & Witsch war in diesem Jahr der lange erwartete neue Roman von Christian Kracht, Imperium. Nach überwältigenden Reaktionen in den Feuilletons sowie in den Literaturwissenschaften (und einem absurden Rassismus-Vorwurf im Spiegel, dem sofort vielfach widersprochen wurde), war Imperium eines der literarischen Ereignisse des Jahres und Christian Krachts bislang größter Buchhandelserfolg.

Daneben stand mit Blasmusikpop ein höchst erfolgreiches Debüt der österreichischen Autorin Vea Kaiser, Sommerfest der erste Roman von Frank Goosen bei Kiepenheuer & Witsch sowie Katharina Hagenas zweiter Roman Vom Schlafen und Verschwinden.

Das Programm stand darüber hinaus neben großartigen autobiografischen Büchern von Neil Young, Pete Townsend, Harry Belafonte und Christoph Schlingensief (posthum) und dem bis dato erfolgreichsten Roman des russischen Autors Vladimir Sorokin bei Kiepenheuer & Witsch (Der Schneesturm) im Zeichen mehrerer großer Bestseller in allen Formaten (HC, Paperback und Taschenbuch): Anne Gesthuysens Wir sind doch Schwestern, Jean-Luc Bannalecs Bretonische Verhältnisse, Monika Peetz (Sieben Tage ohne), Shilpi Somaya Gowda (Geheime Tochter) und Giovanni di Lorenzo/Helmut Schmidt (Verstehen Sie das, Herr Schmidt?).

Nicht zuletzt durch diese Buchhandelserfolge gehörte das Jahr 2012 auch wirtschaftlich zu den herausragenden Jahren von Kiepenheuer & Witsch.

2013

Auch in diesem Jahr präsentierte Kiepenheuer & Witsch wieder aufsehenerregende deutschsprachige Literatur. Die großen Bücher dieses Jahres waren hier Eva Menasses Quasikristalle sowie Joachim Meyerhoffs autobiografischer Roman Wann wird es endlich wieder so wie es nie war, der monatelang Bestsellerplätze besetzte und auch sein Vorgänger-Buch aus dem Jahr 2011 (Alle Toten fliegen hoch) nachträglich zu einem Riesen-Buchhandelserfolg machte. Große Resonanz erhielt auch Peter Schneider für sein eindringliches autobiografisches Buch Die Lieben meinen Mutter.

In der ausländischen Literatur erschien posthum D.F. Wallace‘ letzter, nicht vollendeter Roman Der bleiche König, wieder in der meisterhaften Übersetzung von Ulrich Blumenbach. Ebenso viel Aufmerksamkeit und Beachtung erhielt Zadie Smiths international gefeierter Großstadtroman London NW sowie Dave Eggers‘ Ein Hologramm für den König. Mit diesen Büchern unterstrich Kiepenheuer & Witsch auch 2013, dass der Verlag zu den führenden Häusern für literarische Belletristik in Deutschland gehört.

Diesen Ruf hat sich der Verlag auch durch kontinuierliche Pflege der eigenen Backlist erworben. In dieses Feld gehört 2013 die Neuübersetzung von Nick Hornbys Klassiker Fever Pitch sowie die Präsentation einer neu edierten Sonderausgabe von E.M. Remarques Im Westen nichts Neues, mit der der Verlag an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren (1914) erinnerte.

2013 setzte auch Cordula Stratmann mit einem erneuten Bestseller ihre Autorenkarriere fort (Danke für meine Aufmerksamkeit), Leander Haußmann debütierte erfolgreich mit autobiografischen Geschichten (Buh) und spät im Jahr 2013 erschien ein neues, überaus erfolgreiches Buch von Christine Westermann (Da geht noch was), in dem sie sich sensibel und überraschend mit dem Älterwerden auseinandersetzt.

Ein beachtlicher Erfolg im Sachbuch war Lotta Wundertüte von Sandra Roth, ein ehrlicher und berührender Bericht über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind.

2014

Gemessen am Gesamtumsatz, an der Zahl der verkauften Bücher, an der Zahl der Bestsellerplatzierungen und auch in Bezug auf die Medienresonanz war das Jahr 2014 das Rekordjahr in der Geschichte des Verlags.

Dazu trugen Titel aus allen Programmsegmenten bei. In der deutschsprachigen Literatur erreichten drei Titel die Long List für den Deutschen Buchpreis (Angelika Klüssendorf April, Feridun Zaimoglu Isabel und Thomas Hettche Pfaueninsel. Zwei (Klüssendorf und Hettche) Romane waren Teil der Shortlist, Thomas Hettches Pfaueninsel entwickelte sich darüber hinaus zum monatelangen Bestseller. Frank Goosens Raketenmänner war eines der Lieblingsbücher des deutschsprachigen Buchmarkts.

Hinzu kamen Entdeckungen/Debuts von Verena Güntner und Robert Gwisdek, die große Medienaufmerksamkeit erreichten. Literaturhistorische Bedeutung erlangten sofort ein wiederentdeckter Roman über den ersten Weltkrieg (Schlump von Hans Herbert Grimm) und Joachim Sartorius‘ Handbuch der politischen Lyrik (des 20. Jahrhunderts).

In der ausländischen Literatur war »Das Buch des Jahres« (Spiegel online) Dave Eggers Der Circle, von dem fast 200.000 Exemplare verkauft wurden und der sofort zum modernen Klassiker der dystopischen Literatur wurde. Selten hat ein Buch eine derartige gesellschaftspolitische Wirkung entfaltet wie Dave Eggers bedrohliches Szenario einer digital transparenten und total kontrollierten Gesellschaft.

Daneben waren große Erfolge John Banville (Im Lichte der Vergangenheit), Arnon Grünberg (Der Mann der nie krank war), Sofi Oksanen (Als die Tauben verschwanden) und Nick Hornby (Miss Blackpool).

Ein singulärer Erfolg war Volker Weidermanns Ostende 1936, der fast das ganze Jahr Bestsellerplätze besetzte und eins der Lieblingsbücher des Buchhandels war.

Erfolgreiche Unterhaltungsliteratur waren die Bücher der WDR-Moderatorin Sabine Heinrich (Sehnsucht ist ein Notfall) und Sirius von Jonathan Crown.

Riesenerfolge erreichte der Verlag in der Spannungsliteratur. Im Frühjahr dominierte Frank Schätzing mit Breaking News die Bestsellerlisten (Hardcover), im Sommer Jean-Luc Bannalec mit Bretonisches Gold (Paperback), im Herbst Volker Kutscher mit Märzgefallene (HC).
Hinzu kamen Serienerfolge im Paperback und Taschenbuch: Maxim Leo (Waidmannstod), Tom Hillenbrand (Drohnenland und Tödliche Oliven) sowie Clara Nordin und Voosen/Danielson.

Im Sachbuch besetzten zwei Titel monatelang Bestsellerplätze: Giovanni di Lorenzos Gesprächsband Vom Aufstieg und anderen Niederlagen und Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944, ein Sensationserfolg, mit dem niemand gerechnet hätte.

Große publizistische Aufmerksamkeit erhielten darüber hinaus neue Bücher von Joschka Fischer (Scheitert Europa?), Diedrich Diederichsens opus magnum Über Pop-Musik, Adriana Altaras‘ Doitscha und Günter Wallraff (als Herausgeber) mit Lastenträger.