1980

Mit dem Roman An der Biegung des großen Flusses wird V.S. Naipaul Autor von Kiepenheuer & Witsch.

Czeslaw Milosz erhält den Literatur-Nobelpreis.

1981 - 84

Der Verlag gewinnt den deutschen Autor Uwe Timm, der in den folgenden Jahren das literarische Programm von Kiepenheuer & Witsch maßgeblich prägen wird. Im Jahr 1984 erscheint sein erster Roman bei Kiepenheuer & Witsch Der Mann auf dem Hochrad, bereits seit 1983 vertreibt Kiepenheuer & Witsch seinen Roman Morenga, der zuvor bei der Autorenedition erschienen war.

1981

Gesunde Geschäfte. Die Praktiken der Pharma-Industrie enthüllt die Tricks der Arzneimittelkonzerne beim Verkauf ihrer Medikamente.

Nach dem Ausscheiden von Dieter Wellershoff als Lektor für deutschsprachige Literatur übernimmt Renate Matthaei dieses Aufgabenfeld bis 1994.

1982

Anfang des Jahres übernimmt Bärbel Flad das ausländische Lektorat von Alexandra von Miquel.

Gabriel García Márquez erhält den Nobelpreis für Literatur.

Die KiWi-Paperback-Reihe_ wird gestartet.
Die ersten Bände sind Heinrich Bölls Vermintes Gelände, Günter Wallraffs Der Aufmacher und von Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit.

Zunächst erscheinen zweimal pro Jahr ca. 25 KiWi-Paperback-Titel, darunter Klassiker des Verlages Kiepenheuer & Witsch, Originalveröffentlichungen zu aktuellen Sachthemen und literarische Erstveröffentlichungen von jüngeren Autoren.

Für Aufsehen sorgen zwei Neuerscheinungen der so genannten »giftigen Reihe«: Rolf Gössners und Uwe Herzogs Der Apparat. Ermittlungen in Sachen Polizei sowie Eva Kapfelspergers und Udo Pollmers Iß und stirb. Chemie in unserer Nahrung.

1983

Helge Malchow wird nach einer kurzen Volontariatszeit Lektor bei Kiepenheuer & Witsch, zuerst für die KiWi-Paperback-Reihe.

Bittere Pillen. Nutzen und Risiken der Arzneimittel. Ein kritischer Ratgeber von Kurt Langbein, Hans-Peter Martin, Peter Sichrovsky und Hans Weiss erscheint. Bearbeitete Neuausgaben folgen im Dreijahresrhythmus.

Die Bitteren Pillen, betreut von Erika Stegmann, die von 1970 bis 1997 Sachbuchlektorin im Hause ist, entwickeln sich schnell zu einem Standardwerk und haben bis heute eine Gesamtauflage von 2,5 Millionen erreicht.

John le Carré wird Autor von Kiepenheuer & Witsch. Sein Roman Die Libelle wird der Bestseller der Herbst-Saison.

1984

Mit Remarques Antikriegsdrama Im Westen nichts Neues erscheint im Frühjahr der 50. Band der KiWi-Paperback-Reihe.

Der Verlag veröffentlicht die Werke von zwei der bedeutendsten südafrikanischen Autoren: den Roman Weiße Zeit der Dürre von André Brink und den Bericht Breyten Breytenbachs über seine Inhaftierung Wahre Bekenntnisse eines Albino-Terroristen.

Die Anthologie Rawums, herausgegeben von Peter Glaser, versammelt literarische Texte junger Autoren.

Seit diesem Jahr ist Reinhold Joppich, der jahrzehntelang die Vertriebsabteilung leiten wird, neuer Mitarbeiter des Verlages.

1985

Am 16. Juli stirbt Heinrich Böll. Im Herbst erscheint posthum sein letzter Roman Frauen vor Flußlandschaft.

Ein Bestseller im Sachbuchbereich wird Willy Brandt, Der organisierte Wahnsinn. Wettrüsten und Welthunger.

Am 21. Oktober 1985 wird Ganz unten, das neue Buch von Günter Wallraff, ausgeliefert. Bereits nach zwei Tagen ist die Startauflage von 200.000 Exemplaren vergriffen. Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wird mit einer Auflage von über 4 Millionen Exemplaren einer der größten Bucherfolge in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Übersetzungen erscheinen in 30 Ländern. Zahlreiche Bemühungen (von Thyssen, McDonald’s, der Westdeutschen Zeitung), das Buch zu verhindern bzw. seine Inhalte in Frage zu stellen, scheitern und ändern nichts an der politischen Wirkung von Ganz unten.

In diesem Jahr wird Ulla Brümmer Mitarbeiterin des Verlages und leitet mittlerweile seit vielen Jahren die Werbeabteilung.

1986

Im April wird die türkische Ausgabe von Wallraffs Ganz unten ausgeliefert. Ein einmaliger Vorgang, dass ein deutscher Verlag einen Bestseller in türkischer Sprache veröffentlicht – mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren.

Band 100 der KiWi-Paperback-Reihe, das KiWi Lesebuch, erscheint.

1987

Im Januar wird Die Liebe in den Zeiten der Cholera ausgeliefert, der große Roman von Gabriel García Márquez, der mehr als zwei Jahre lang obere Ränge der Spiegel-Bestsellerliste belegen wird.

Don DeLillo mit dem Roman Weißes Rauschen und der spätere Nobelpreisträger J.M.G. Le Clézio mit Der Goldsucher werden Autoren von Kiepenheuer & Witsch.

Mit Kunst in Köln, herausgegeben von Marie Hüllenkremer, beginnt der Verlag eine neue Reihe von Städte-Kunstführern.

Anlässlich des 70. Geburtstages, den Heinrich Böll in diesem Jahr gefeiert hätte, erscheint eine erweiterte Neuauflage seines erzählerischen Werkes in vier Bänden.

Schuldig geboren. Kinder aus Nazifamilien von Peter Sichrovsky findet ein starkes Echo. Mehrere Theater in der BRD, in Österreich, Holland, Israel, Frankreich und den Vereinigten Staaten inszenieren die Gespräche als Theaterstück.

1988

Neben Das Abenteuer des Miguel Littín von Gabriel García Márquez werden Die Kinder vom Arbat von Anatolij Rybakow und Die Geheimnisse von Pittsburgh, der Erstlingsroman des Amerikaners Michael Chabon, zu Bestsellern.

Darüber hinaus wird der Verlag Kiepenheuer & Witsch von einem historischen Ereignis erschüttert: Der iranische Revolutionsführer Chomeini verkündet gegen den Schriftsteller Salman Rushdie wegen dessen Roman Die satanischen Verse einen Mordaufruf, eine sogenannte Fatwa. Der Grund: Von Vertretern der fundamentalistisch-schiitischen Geistlichkeit wird der Roman als Diffamierung des Koran betrachtet. Es kommt zu Demonstrationen gegen den Roman und seinen Autor und zu Anschlägen, z. B. wird Hitoshi Igarashi, der japanische Übersetzer des Romans, ermordet, Ettore Capriolo, der italienische Übersetzer, wird schwer verletzt und der norwegische Verleger William Nygaard entkommt nur knapp einem Mordversuch.

Der Roman ist in Deutschland bei Kiepenheuer & Witsch unter Vertrag, wird aber aus Sicherheitsgründen und als Ausdruck des Protestes gegen die Bedrohung der Kunstfreiheit von einer Vielzahl von Verlegern, zu denen auch Kiepenheuer & Witsch gehört, und Einzelpersonen unter dem Namen Artikel 19 Verlag veröffentlicht. (Benannt nach dem Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zusichert.)

1989

Im 50. Todesjahr von Joseph Roth erscheinen die ersten beiden Bände der auf insgesamt sechs Bände angelegten neuen Werkausgabe des Autors.

Mit Joseph Beuys startet der Verlag die von Wilfried Dickhoff und Gisela Neven Du Mont herausgegebene Reihe Kunst heute, die Künstler der Gegenwart mit ausführlichen Äußerungen zu ihrer Person und ihrem Werk zu Wort kommen lässt.

Aufgrund eines Vertrages mit dem DDR-Verlag Aufbau, der eine Veröffentlichung der Werke von Erwin Strittmatter bei Kiepenheuer & Witsch vorsieht, erscheint sein erster Roman Der Laden in zwei Teilen.

Die in Ostberlin lebende Schriftstellerin Renate Feyl wird mit dem Roman Idylle mit Professor Autorin von Kiepenheuer & Witsch.