1950

Im Januar zieht der Verlag von Hagen nach Köln. Die ersten Verlagsräume befinden sich in einem feuchten Bunker in Köln-Riehl, zum Jahresende bezieht der Verlag neue Räume in der Innenstadt am Hansaring.
Mit dem Bildnis einer Dame startet Witsch die Herausgabe der Werke Henry James’.

Neben die wachsende Zahl literarischer Titel treten ab 1950 in zunehmendem Maße auch Bücher, die sich kritisch mit der Entwicklung in der DDR und dem sowjetischen Machtbereich auseinandersetzen. Den Auftakt bildet Gerd Friedrichs Band über Die freie deutsche Jugend. Stoßtrupp des Kommunismus in Deutschland. Er markiert auch den Beginn der Reihe Rote Weißbücher, die der Verlag in Abstimmung mit dem Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen unter Jakob Kaiser und mit finanzieller Unterstützung durch die Dienststelle des amerikanischen High Commissioner of Germany (HICOG) realisiert. Bis 1955 erscheinen allein in dieser Reihe 16 kommunismuskritische Titel.

1951

Der Konflikt zwischen Joseph Caspar Witsch und Noa Kiepenheuer um das Erbe Gustav Kiepenheuers wird außergerichtlich beigelegt. In Folge des ausgehandelten Kompromisses beschließt die Gesellschafterversammlung des in Köln ansässigen Verlages am 24. Juli 1951 die Umbenennung des Unternehmens. Der in Hagen gegründete Verlag Gustav Kiepenheuer firmiert ab jetzt als Verlag Kiepenheuer und Witsch.

Vicki Baums Roman Marion ist das erste Buch, das unter dem neuen Verlagsnamen erscheint. Der Roman markiert damit endgültig und offiziell die Geburtsstunde des neuen Verlages.

1952

Das SBZ-Archiv, später Deutschland-Archiv, erscheint, eine Zeitschrift, die über Vorgänge in der DDR informieren soll.

Die Zusammenarbeit mit dem in den dreißiger Jahren nach London emigrierten Phaidon Verlag beginnt.

1953

Der Verlag für Politik und Wirtschaft wird gegründet. Witsch gibt dieses Tochterunternehmen sieben Jahre später wieder ab.

Im Juli erwirbt Kiepenheuer & Witsch ein eigenes Haus in Köln-Marienburg, Rondorfer Straße 5, welches bis Juni 2008 Verlagssitz bleibt.

Es werden drei Reihen gestartet: erstens die KiWi-Taschenbücher mit William Faulkners Die Freistatt, einer Lizenz-Ausgabe des Artemis-Verlages (Zürich), zweitens die Kleine Kiepe mit Annette Kolbs Beschwerdebuch und drittens die KiWi-Reiseführer in Zusammenarbeit mit Allert de Lange.

Heinrich Böll wechselt mit dem Roman Und sagte kein einziges Wort vom Middelhauve Verlag (Opladen) zu Kiepenheuer & Witsch.

Zum ersten Mal erscheint Die Kiepe als Hauszeitschrift des Verlages.

1954

Auf Initiative von Joseph C. Witsch werden die Bücher der 19 gegründet. Als erster Band erscheint der Roman Leib und Seele von Maxence van der Meersch, dessen Erstausgabe der Verlag Kiepenheuer & Witsch schon 1949 veröffentlicht hatte.

Kiepenheuer & Witsch übernimmt von Allert de Lange die Reihe Europäische Bildhauer.

Die ersten Maigret-Romane von Georges Simenon erscheinen als KiWi-Taschenbücher, später als Kiepenheuer-Kriminal-Romane.

1955

Die Zusammenarbeit mit Hannes Jähn beginnt. Hannes Jähn wird viele Jahre lang einen großen Teil der Schutzumschläge von Kiepenheuer & Witsch gestalten.

Jean Giono wird Autor von Kiepenheuer & Witsch. Es erscheinen in einem Jahr Angelo Pardi, Der Husar auf dem Dach, Die Polnische Mühle und Ein König allein.

Wolfgang Leonhards Die Revolution entläßt ihre Kinder, das erfolgreichste Sachbuch des Verlages in den fünfziger Jahren, erscheint. Übersetzungen werden in Schweden, Indien, Argentinien, im Libanon, in Holland, Japan, Großbritannien, Finnland und den USA veröffentlicht.

1956

Mit Die Abenteuer des Augie March erscheint die erste deutsche Übersetzung eines Romans von Saul Bellow.

Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht eine erste Werkausgabe von Joseph Roth, herausgegeben und eingeleitet von Hermann Kesten.

Die Comedia, ein eigener Bühnenvertrieb, wird gegründet.

1957

Zwei spätere Nobelpreisträger, der Pole Czeslaw Milosz und der Australier Patrick White, werden Autoren des Verlages.

Mit Das Geheimnis des Luca beginnt Kiepenheuer & Witsch die Veröffentlichung der Bücher von Ignazio Silone.

1958

Der Verlag übernimmt von der Büchergilde Gutenberg das Kiepenlexikon des Wissens und der Bildung in zwei Bänden. Die Zusammenarbeit mit der Büchergilde intensiviert sich in den folgenden Jahren.

Dieter Wellershoff, der im folgenden Jahr Lektor bei Kiepenheuer & Witsch wird, veröffentlicht sein erstes Buch im Verlag: Gottfried Benn, Phänotyp dieser Stunde.

1959

Erich Kästners Gesammelte Schriften werden in sieben Bänden als Gemeinschaftsausgabe mit den Verlagen Atrium (Zürich) und Cecilie Dressler (Berlin) herausgegeben.

René Schickeles Werke in drei Bänden erscheinen, herausgegeben von Hermann Kesten (unter Mitarbeit von Anna Schickele).

Nathalie Sarraute, die bedeutendste Vertreterin des Nouveau Roman, wird mit Martereau Autorin von Kiepenheuer & Witsch. Die Werke von Nathalie Sarraute werden von Elmar Tophoven übersetzt, und ab 1992 nach Elmar Tophovens Tod von Erika Tophoven. Als letztes erscheint posthum übersetzt Nathalie Sarrautes letztes Werk Aufmachen (2000).