09.07.2013

Helge Malchow fordert Klarstellung von der Bundesregierung, »dass die Buchpreisbindung auch für E-Books sowie im grenzüberscheitenden Handel gelten muss«

Helge Malchow

Seit gestern wird in Washington über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA verhandelt. Was bei den einen mit Hoffnungen verbunden ist – von über 100.000 neuen Arbeitsplätzen allein in Deutschland ist die Rede –, weckt bei den anderen Befürchtungen.

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Printausgabe 9. Juli 2013, zum Beitrag auf faz.net ) beschreibt Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow die Bedeutung und die Gefahr des Freihandelsabkommens für den Fortbestand der Buchpreisbindung. Er warnt davor, die Buchpreisbindung dem Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA zu opfern. Die Folgen einer Deregulation wären Buchhandelssterben, Zuspitzung auf Bestseller und die Marktkontrolle durch globale Internetriesen. Er fordert eine Klarstellung von der Bundesregierung, »dass die Buchpreisbindung auch für E-Books sowie im grenzüberscheitenden Handel gelten muss«.

Hintergrund der Sorgen ist das Scheitern der französischen Regierung um Präsident François Hollande, den Bereich Kultur/Medien bei den Freihandelsgesprächen auszusparen – nur der Bereich der audiovisuellen Werke soll aus den Verhandlungen herausgehalten werden.

KiWi-Verleger Helge Malchow schildert zunächst die Vielfalt und den Reichtum der deutschen Buch- und Literaturlandschaft, um dann die Risiken zu benennen, die sie bedrohen. Garant für dieses »Weltwunder« der literarischen Kultur hierzulande sei die Buchpreisbindung, die dafür sorge, dass Bücher überall – im kleinen Sortiment ebenso wie beim Online-Giganten – zum gleichen, festgelegten Ladenpreis verkauft werden müssen.

Die Buchpreisbindung, die die meisten im Bundestag vertretenen Parteien unterstützen, habe aber mächtige Gegner: »aggressive Freihandelsfürsprecher in der EU-Kommission« sowie amerikanische Internetkonzerne, die die Preisbindung als »eine Art ‘außertarifliches Handelshemmnis‘« betrachten.

Helge Malchow blickt allerdings nicht nur nach Washington, sondern auch nach Berlin: Die Hauptgefahr für die fixen Preise liege in der fehlenden gesetzlichen Klarstellung durch die Bundesregierung, dass die Preisbindung auch für E-Books sowie im grenzüberschreitenden Handel gelten müsse.
Könnten E-Book-Händler die Preise frei festlegen, warnt Malchow, dann wäre der »gesamte positive Preisbindungseffekt überhaupt zerstört«, weil die »unkontrollierte Verschiebung« der Bücherverkäufe von Print in den E-Book-Sektor viele traditionelle Buchhändler aufgeben müssten. »Damit würde die Preisbindung für sie zur Fessel statt zur kulturellen Schutzwand.«

Der Beitrag schließt folgerichtig mit dem Appell an die Bundesregierung, sich endlich des Themas anzunehmen und sich an die Seite Frankreichs zu stellen. Es sei dies die Gelegenheit zu beweisen, das Europa tatsächlich »mehr als eine Freihandelszone« ist.

(Quelle: FAZ, Boersenblatt.net)