27.02.2012

Berthold-Auerbach-Literaturpreis für Susann Pásztor

Susann Pásztor

2012 verleiht die Stadt Horb am Neckar zum fünften Mal den Berthold-Auerbach-Literaturpreis. Preisträgerin ist die Berliner Autorin Susann Pásztor mit ihrem Roman Ein fabelhafter Lügner.

Die Preisverleihung fällt in diesem Jahr mit den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Schriftstellers Berthold Auerbach, der am 28. Februar 1812 in dem schwäbischen Dorf Nordstetten bei Horb am Neckar geboren wurde und dessen Schwarzwälder Dorfgeschichten ihn berühmt machte. Auerbach starb 1882 in Cannes und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Nordstetten begraben. Im dortigen Barockschloss wird seit 1986 im Berthold-Auerbach-Museum sein literarisches Erbe gepflegt und seit 1982, zuletzt alle fünf Jahre, der Berthold-Auerbach-Literaturpreis verliehen.

Ausgezeichnet wird im Auerbach-Jubiläumsjahr die Berliner Autorin Susann Pásztor für ihren 2010 bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Roman Ein fabelhafter Lügner.
Die 1957 geborene Preisträgerin machte sich nach einem Kunst- und Pädagogikstudium zunächst einen Namen als Illustratorin, Journalistin, Übersetzerin und Sachbuchautorin. In ihrem Romandebüt ließ sich Pásztor von ihrer jüdisch-ungarischen Familiengeschichte inspirieren.

Preisverleihung am 15. April 2012 in Schloss Nordstetten

Die Jury würdigt, dass der Roman sich schweren Themen mit Leichtigkeit nähert, ohne dabei oberflächlich zu werden: es geht um jüdische Identität in Deutschland, vertrackte Familienverhältnisse und um Buchenwald als Gedenkort.
Eine kluge Handlungskonstellation, originelle Protagonisten und ein pointierter Sprachduktus zeichnen Pásztors Buch aus. Der Roman erzählt erfrischend, mit Witz und Temperament aus der überzeugend durchgehaltenen Perspektive einer 16-Jährigen. Ihr unvoreingenommener Blick hinterfragt die problematische Kategorisierung in Deutsche, Juden oder deutsche Juden, was auch für Berthold Auerbach zeitlebens ein schmerzliches Thema war.

Im Zentrum von Pásztors Roman steht Joschi Molnár, angeblich ein ungarischer Jude, der den Holocaust überlebt hat. Nach seinem Tod treffen sich die drei Kinder – Gabor, Marika und Hannah – aus drei verschiedenen Beziehungen und die Enkeltochter Lily, um gemeinsam seinen hundertsten Geburtstag zu feiern. Als »fabelhafter Lügner« hat Joschi ihnen verschiedene Versionen seines Lebens überliefert. Die Halbgeschwister tragen Erlebtes, Erzähltes, Ergänztes und Erfundenes zusammen und begeben sich in der Gedenkstätte Buchenwald auf Spurensuche nach seinem wirklichen Leben. Zudem will Marikas Tochter Lily dort Material für ein freiwillig übernommenes Referat sammeln.
Die 16-Jährige beobachtet und bewertet die drei Erwachsenen unbekümmert neugierig und mit jugendlicher Distanz. Jeder für sich durchwandert das weitläufige Gelände. Statt Fakten zu notieren, speichert Lily Eindrücke und Gefühle. Das Grauen entzieht sich der Recherche. Doch später hält Lily fest: »Das Ende meiner Kindheit fiel zusammen mit dem hundertsten Geburtstag meines Großvaters.«

Den Preis überreicht der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger in einer Feierstunde am Sonntag, 15. April 2012, um 19 Uhr in Schloss Nordstetten. Die Laudatio hält die Berliner Kulturjournalistin Edelgard Abenstein.

Mehr über Susann Pásztor


Ein fabelhafter Lügner

Susann Pásztor

Ein fabelhafter LügnerRoman

Broschur, Erscheinungsdatum: 14.03.2011

Vom Geheimnis eines Mannes, an dessen Totenbett drei Frauen weinten

Joschi Molnár bleibt ein Rätsel. Der famose Fabulierer hat seinen Kindern ein Vermächtnis aus phantastischen Geschichten, tragischen Verstrickungen und faustdicken Lügen hinterlassen.
Als sich die ...