Als Dreijähriger wurde Uwe Timm 1943 mit seiner Mutter aus der Hansestadt nach Coburg evakuiert und kehrte erst 1945 wieder nach Hamburg zurück, wo er nach der Volksschule eine Kürschnerlehre machte. Gemeinsam mit Benno Ohnesorg besuchte er das Braunschweig Kolleg und bestand 1963 auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. Während seines Studiums der Philosophie und Germanistik in München und Paris erlebte Timm den Aufbruch Ende der 1960er Jahre als Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) aktiv mit. 1971 promovierte er über Albert Camus und ließ sich kurz darauf als freier Schriftsteller nieder. Timm veröffentlichte in der Folge ein vielseitiges Werk mit Romanen, Erzählungen, Essays, preisgekrönten Kinder- und Jugendbüchern und Lyrik, das mit den Erfahrungen aus der 68er-Bewegung und dem Verlust einer gesellschaftlichen Utopie verbunden blieb. Timm gilt nicht nur wegen seines populären Kinderbuchs Rennschwein Rudi Rüssel, sondern auch wegen seiner Romane zu den Themen Kolonialismus und Dritte Welt sowie der drei Romane Heißer Sommer, Kerbels Flucht, Rot zur Studentenbewegung als einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller.
Weithin Beachtung fand Uwe Timm auch als Verfasser von Drehbüchern für Kino und Fernsehen. Zu Beginn der 1970er Jahre zählte der Autor zu den Mitbegründern der Wortgruppe München und wurde Mitherausgeber der AutorenEdition und der Zeitschrift Literarische Hefte. Für sein literarisches Werk erhielt Timm eine Vielzahl bedeutender Preise und Auszeichnungen, darunter den Deutschen
Jugendliteraturpreis (1990), den Literaturpreis der Stadt München (2002) und – als erster deutscher Schriftsteller – den italienischen Literaturpreis Premio Napoli (2006) für seinen Roman Rot.
Statt einer Autobiographie veröffentlicht Kiepenheuer & Witsch zum 70. Geburtstag des Autors eine Sonderausgabe seiner autobiographischen Schriften: die römischen Aufzeichnungen Vogel, friss die Feige nicht und die Erzählungen Am Beispiel meines Bruders und Der Freund und der Fremde.
In diesem Ausschnitt aus dem Filmportät »Uwe Timm – Die Freiheit zu schreiben« (von Arpad Bondy und Margit Knapp) sehen wir den Autor bei der Arbeit an seinem Roman Halbschatten. Eine Art »Making of«, bei dem Uwe Timm Einblick in die Schreibwerkstatt gewährt und den Schauplatz seines Romans besucht, den Berliner Invalidenfriedhof – ein zentraler Ort deutscher Geschichte.
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