In diesem Sommersemester übernimmt der Schriftsteller Uwe Timm die renommierte Frankfurter Stiftungsgastdozentur Poetik. Der 1940 in Hamburg geborene Autor, der gerade aufgrund seiner frühen und intensiven Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung als einer der wichtigsten Erzähler seiner Generation gilt (»Heißer Sommer«), wird seine Vorlesungen vom 9. Juni bis zum 7. Juli 2009 an der Goethe Universität Frankfurt am Main halten.
Uwe Timms insgesamt fünfteiliger Vorlesungszyklus, der jeweils dienstags um 18 Uhr (c.t.) im traditionsreichen Hörsaal VI des Uni-Campus Bockenheim stattfindet, wird den Titel »Von Anfang und Ende« tragen.
Uwe Timm wird dabei aus der Perspektive seines dichterischen Programms und mit besonderem Blick auf sein eigenes, umfangreiches Werk die Prinzipien und Grundlagen dichterischen Schreibens erörtern. Die Frankfurter Poetikvorlesungen richten sich an Hörer aller Fachbereiche sowie an das literarisch interessierte Publikum in Frankfurt und Umgebung. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Termine der Vorlesungsreihe »Von Anfang und Ende«:
9. 6. 2009: Über den Anfang
16. 6. 2009: Anstöße
23. 6. 2009: Fundsachen
30. 6. 2009: Denkmalsturz
7. 7. 2009: Über das Ende
Sonderveranstaltung:
8. 7. 2009: Literaturhaus Frankfurt (20 Uhr) – Uwe Timm liest aus dem Roman Halbschatten
Als Dreijähriger wurde Uwe Timm 1943 mit seiner Mutter aus der Hansestadt nach Coburg evakuiert und kehrte erst 1945 wieder nach Hamburg zurück, wo er nach der Volksschule eine Kürschnerlehre machte. Gemeinsam mit Benno Ohnesorg besuchte er das Braunschweig Kolleg und bestand 1963 auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. Während seines Studiums der Philosophie und Germanistik in München und Paris erlebte Timm den Aufbruch Ende der 1960er Jahre als Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) aktiv mit. 1971 promovierte er über Albert Camus und ließ sich kurz darauf als freier Schriftsteller nieder. Timm veröffentlichte in der Folge ein vielseitiges Werk mit Romanen, Erzählungen, Essays, preisgekrönten Kinder- und Jugendbüchern und Lyrik, das mit den Erfahrungen aus der 68er-Bewegung und dem Verlust einer gesellschaftlichen Utopie verbunden blieb. Timm gilt nicht nur wegen seines populären Kinderbuchs Rennschwein Rudi Rüssel, sondern auch wegen seiner Romane zu den Themen Kolonialismus und Dritte Welt sowie drei Romanen zur Studentenbewegung (»Heißer Sommer«, »Kerbels Flucht«, »Rot«) als einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller.
Weithin Beachtung fand Uwe Timm auch als Verfasser von Drehbüchern für Kino und Fernsehen. Zu Beginn der 1970er Jahre zählte der Autor zu den Mitbegründern der Wortgruppe München und wurde Mitherausgeber der AutorenEdition und der Zeitschrift Literarische Hefte. Für sein literarisches Werk erhielt Timm eine Vielzahl bedeutender Preise und Auszeichnungen, darunter den _Deutschen
Jugendliteraturpreis_ (1990), den Literaturpreis der Stadt München (2002) und – als erster deutscher Schriftsteller – den italienischen Literaturpreis Premio Napoli (2006) für seinen Roman Rot.
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