Die türkischstämmige Autorin und Soziologin Necla Kelek wird in diesem Jahr mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik ausgezeichnet. Das teilte das Kuratorium der mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung am Dienstag in Mainz mit. Kelek berichte »in ihren Kommentaren und Analysen, Zeitungsbeiträgen und Büchern engagiert, einsatzfroh und eindringlich vom Wert der Menschenrechte in der pluralistischen Gesellschaft Deutschlands«.
Kelek gehe es insbesondere um die Lebenswelt türkischstämmiger Ehefrauen, Mütter und Töchter, die nicht selten in der »geschlossenen Welt eines althergebrachten Islam« existierten, hieß es weiter. Kelek hatte 2005 mit ihrem Buch Die fremde Braut eine Debatte über Zwangsehen und die gescheiterte Integration der Türken in Deutschland entfacht.
Der nach der Mystikerin und Gelehrten Hildegard von Bingen (um 1098 bis 1179) benannte Preis soll am 12. September in Mainz überreicht werden. Die Auszeichnung wird von der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz ausgelobt. Bisher wurden unter anderem die Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger, der Kolumnist Henryk M. Broder und der Buchautor Peter Scholl-Latour geehrt.
Necla Kelek, in Istanbul geboren, kam mit zehn Jahren nach Deutschland, hat Volkswirtschaft und Soziologie studiert und über Islam im Alltag promoviert. Sie forscht zu den Themen Religion und Migration und publiziert u.a. in der FAZ, taz und Emma. Sie ist ständiges Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, lebt und arbeitet als freie Autorin in Berlin.
Ihr Buch Die fremde Braut. Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland wurde inzwischen 200.000 Mal verkauft und mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Die verlorenen Söhne. Plädoyer zur Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes erhielt den internationalen Sachbuchpreis CORINE 2006. Die Universität Duisburg-Essen hat ihr 2006 die Mercator-Professur verliehen.
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