Oberbürgermeister Egon Vaupel wird ihr die Auszeichnung am 26. April im Rahmen einer Feierstunde im Historischen Saal des Marburger Rathauses überreichen. Die Laudatio auf die blinde Pädagogin wird Dieter Gutschick halten.

»Mit der Wahl der diesjährigen Preisträgerin möchte die Jury vor allem Menschen mit Behinderungen ermutigen, sich mit ihren individuellen Fähigkeiten und Ideen selbstbewusst in die Gesellschaft einzubringen. Dabei müssen sie selbstverständlich keine Vorzeige-Behinderten werden«, erklärt die Jury in ihrer Preisbegründung. »Bei aller berechtigten Kritik an ungerechten Verhältnissen hierzulande wollen wir aber auch die Sensibilität dafür schärfen, dass Menschen in anderen Teilen der Welt noch viel härter um ihre Existenz kämpfen müssen als wir. Mit Sabriye Tenberken würdigt die Jury deshalb auch das international ausgerichtete Engagement für eine gerechtere Weltordnung.«

Sabriye Tenberken hat selbst ein Marburger Gymnasium besucht. An der Carl-Strehl-Schule (CSS) der BliStA hat sie 1992 ihre Reifeprüfung abgelegt. In ihrer Heimatstadt Bonn hat sie anschließend Tibetologie studiert. Dazu musste sie eine spezifische Blindenschrift für die tibetische Sprache entwickeln, weil es tibetisches Braille zuvor noch nicht gab. Als die junge Tibetologin 1997 erstmals nach Tibet reiste, war sie erschüttert von den Lebensbedingungen der Blinden dort. Ihr Engagement zugunsten einer gleichberechtigten Bildungsmöglichkeit für Blinde war die folgerichtige Konsequenz. 1998 gründete die KiWi-Autorin in Lhasa dann die erste Blindenschule Tibets. Mittlerweile hat sie gemeinsam mit ihrem Mitstreiter und Lebensgefährten Paul Kronenberg im indischen Kerala ein Ausbildungszentrum für behinderte Sozial-Manager aufgebaut.

Das soziale Engagement von Bürgerinnen und Bürgern halten die Humanistische Union und der Magistrat der Universitätsstadt Marburg für ein unerlässliches Element jeder demokratischen Gesellschaftsordnung. Demokratie kann nach Überzeugung des HU-Ortsverbands Marburg nur verwirklicht werden, wenn auch sozial benachteiligte Personen und Personengruppen in ihrer Würde und in ihren Bürgerrechten uneingeschränkt respektiert werden. Herausragende Beispiele dieses gelebten Respekts vor der Würde aller Menschen – gerade auch der Underdogs – soll das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte auszeichnen.

 

Bei Kiepenheuer & Witsch sind erschienen:

Cover: Das siebte Jahr

Das siebte Jahr

Sabriye Tenberken

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