Regisseur Tom Tykwer will noch dieses Jahr mit der Verfilmung des sudanesischen Flüchtlingsromans Weit gegangen beginnen. Das sagte Tykwer («The International», «Das Parfum») bei der Vorstellung des Buches im Berliner Admiralspalast am 12. Juni 2009.

Zur deutschlandweit einzigen Lesung war auch die Hauptfigur Valentino Achak Deng angereist. Deng floh 1987 als sieben Jahre alter Junge vor dem Bürgerkrieg im Südsudan und lebte 13 Jahre in Flüchtlingslagern, bevor er 2001 in die USA kam. Dave Eggers hat aus der Geschichte einen Roman gemacht, aus dem der Schauspieler Daniel Brühl im Admiralspalast Passagen vortrug.

Was die Flüchtlingsjungen, die «Lost Boys» wie Deng, in der ostafrikanischen Krisenregion erlebten, ist unvorstellbar: Massaker durch die Reitermilizen, Bomben, Hunger, Durst und die tödliche Gefahr durch wilde Tiere. Nachts, wenn die Jungen im Gänsemarsch auf der Flucht waren, kam es vor, dass sich Löwen Kinder holten, wie im Buch geschildert wird. «Ich habe gesehen, wie Menschen bei lebendigem Leib in ihren Häusern verbrannt sind», erinnert sich Deng. Er warb um Unterstützung für die Region, für die es mittlerweile ein Friedensabkommen gibt. «Frieden ist nur Frieden, wenn es Entwicklung gibt.»

Drehbeginn noch 2009, Kinofilm und Fernsehmehrteiler möglich

Wieland Freund, Achak Deng, Tom Tykwer und Daniel Brühl

Tom Tykwer sagte, er habe das Buch nicht in einem Stück lesen können und mehrere Pausen einlegen müssen, weil es ihn so aufgewühlt habe.

Die Geschichte des Romans spielt zum Teil in den USA, zum Teil in Afrika. Möglich ist laut Tykwer, dass aus dem Buch ein Kinofilm und ein Fernsehmehrteiler wird.

Für Tykwer hat die Begegnung mit Valentino Achak Deng »etwas von einem Alltagswunder. Alltäglich, weil sein Schicksal für tausende unbekannte Flüchtlinge und Vertriebene steht, die heute und morgen Vergleichbares durchmachen. Ein Wunder, weil es unglaublich ist, dass seine schier unendliche Wanderschaft durch Afrika ihn nicht hat bezwingen können. Kein Mensch, den ich je traf, hat so oft dem Tod ins Auge gesehen, so viele Verluste hinnehmen müssen, und sich dennoch mit solcher Vehemenz das Leben immer wieder zurück erobert. Seine Geschichte öffnet die Augen für ein Land, das uns viele Rätsel aufgibt, und einen Kontinent, für dessen Genesung wir endlich konsequenter Verantwortung übernehmen müssen.«

Über das Buch:

Daniel Brühl liest aus »Weit gegangen«

»Es ist unmöglich, dieses Buch zu lesen, ohne erleuchtet, verwandelt und demütig zu werden.« Khaled Hosseini, Autor von Drachenläufer

Mit sieben Jahren verliert Valentino alles, seine Familie, seine Freunde und seine Heimat, den Sudan. Er flieht mit Tausenden von anderen Kindern über Äthiopien nach Kenia, von wo aus er schließlich in die USA gelangt. Was Valentino dabei erlebt, ist kaum zu beschreiben. Umso erstaunlicher ist, mit wie viel Wärme, Zuversicht und sogar Humor er davon erzählt.

Die Geschichte eines Menschen, der bereits mit sieben Jahren auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat erlebt, wie die Jungen, mit denen er flieht, von Soldaten erschossen und von Löwen gerissen werden oder qualvoll sterben, weil sie nach Tagen ohne Essen und Trinken in der Wüste halbgares Elefantenfleisch gegessen haben.

Valentino und die »Lost Boys« finden nach der Durchquerung Äthiopiens eine erste Zuflucht in den Flüchtlingslagern von Kenia. Von dort aus gelingt Valentino die Ausreise in die USA. Doch auch das Land der Freiheit und zahlreicher Verheißungen stellt Valentino vor unzählige neue Herausforderungen.

Inzwischen leben etwa zwei Millionen sudanesische Flüchtlinge in den USA. Weit Gegangen erzählt am Beispiel eines außergewöhnlichen Menschen auch ihre Geschichte – eine Geschichte über Kampfgeist und Zuversicht in einer Welt ohne Hoffnung.

Ein Filmporträt von Valentino Achak Deng

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