In nur fünf Jahren hat sich der Preis der Leipziger Buchmesse zu einer festen Größe im deutschen Literaturbetrieb entwickelt. In diesem Jahr wurden 760 Bücher eingereicht. Doch am Ende hat sich Eike Schönfeld mit seiner Neuübersetzung von Saul Bellows Humboldts Vermächtnis durchgesetzt.
Die Auszeichnung ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung fand während der Leipziger Buchmesse am 12. März 2009 um 16 Uhr in der Glashalle des Messegeländes statt.
Hauptfigur und Ich-Erzähler des Romans ist der Schriftsteller Charlie Citrine, der seine besten Tage hinter sich hat. Er ist zum Zeitpunkt seiner Erzählung (Anfang der 1970er Jahre) fast 60. Auch er stammt aus Chicago.
Als junger Mann, der sich für Literatur begeistert, bricht er Ende der 1930er Jahre nach New York auf, um die Nähe des großen Dichters Von Humboldt Fleisher zu suchen und sich von ihm inspirieren zu lassen. Die beiden werden enge Freunde. Humboldt führt Charlie in die intellektuellen Kreise New Yorks ein und verhilft ihm zu einem Lehrauftrag in Princeton. Während Humboldts Stern sinkt, was der monomane Dichter nicht verkraften kann, beginnt Charlies Aufstieg. Durch den Riesenerfolg seines Theaterstück »Von Trenck« am Broadway wird er ein reicher Mann, macht sich dazu als Biograph großer Amerikaner einen Namen. Aber er hat auch durch einen tragischen Unglücksfall seine große Liebe Demmie Vonghel verloren. Die Freundschaft mit Humboldt ist zerbrochen, der depressiv und in großer Armut stirbt. Mit seiner Frau Denise, die vor allem sein Geld und seinen Ruhm geheiratet hat, kehrt Charlie in seine Heimatstadt Chicago zurück.
Von den Problemen des Alltags gefesselt – Denise foltert ihn mit einem mörderischen Scheidungsprozess -, kann Charlie Citrine nicht mehr schreiben. Er sucht Trost in den Armen der üppigen, etwas zwielichtigen Renata und Ablenkung in Begegnungen mit dubiosen Figuren der Chicagoer Unterwelt. Eine Pokerschuld bei dem geschäftstüchtigen kleinen Mafioso Rinaldo Cantabile stürzt ihn in weitere Probleme. Vor all dem flieht er mit Renata nach Europa, in der Hoffnung, sie dort zu heiraten. Aber sie lässt ihn schnöde sitzen. Zunehmend denkt Charlie Citrine über die Rolle des Schriftstellers in der modernen Welt nach, die gefährlichen Verstrickungen mit Macht und Geld. Erinnerungen an Von Humboldt, an dessen jämmerlichem Tod er sich schuldig fühlt, suchen Charlie heim. Aber er findet zunehmend Stärkung und Trost in der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners. Am tiefsten Punkt seines Lebens taucht ein Testament Humboldts auf, das ein einst von den beiden Freunden verfasstes Filmskript enthält. Zwar hat der geschäftstüchtige Cantabile seine Finger im Spiel, aber Charlie Citrine kann die Rechte lukrativ verkaufen. In New York lässt er Von Humboldt und dessen Mutter in ein repräsentatives Grab umbetten, eine symbolische Geste der Wiedergutmachung. Dann bricht er wieder nach Europa auf.
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