Kulturstaatsministers Neumann: »Kampf für Ai Weiwei ist Kampf für die Freiheit aller Künstler in der Welt, die an Unterdrückung und Diktatur leiden.«

Ai Weiweis Lage ist verzwickt: Der mundtot gemachte chinesische Künstler darf eigentlich keine Interviews geben – aber er hat einen Weg gefunden, es dennoch zu tun: er stand einer Parteizeitung (Global Times) Rede und Antwort. Nachdem er bereits die Behandlung seiner Mitarbeiter, die parallel zu ihm inhaftiert waren, per Twitter bemängelt hatte, macht er in dem Interview einiges klar:

»Ich werde der Politik niemals ausweichen, niemand von uns kann das«, und zudem fordert er: „Wenn man sich nicht für Wang Lihong und Ran Yunfei einsetzt [zwei chinesische Blogger, denen ein Gerichtsverfahren bevorsteht] ist man kein Mensch, der für Recht und Gerechtigkeit einsteht.«
Ai Weiwei bestreitet in dem Interview, Steuerbetrug eingestanden zu haben.

Ai Weiwei hatte selbst mit immens großer Leserschaft gebloggt, bis sein Blog von der chinesischen Regierung geschlossen und gelöscht wurde. Nachdem er weiter Mikroblogs über Twitter absetzte wurde er selbst verhaftet und verschleppt.
In seinem unlängst in deutscher Übersetzung bei Galani Berlin erschienenen Buch Macht euch keine Illusionen über mich. Der verbotene Blog hatte er schon all das thematisiert, worüber er sich heute nicht mehr frei äußern darf: Über die Zustände in China, die Zustände in Tibet, die wahren Gründe für die Aufstände in Xingjiang, über den Umgang mit Regimekritikern, über die Methoden der chinesischen Regierung zur Mundtot-Machung ihrer Kritiker. Aus einem Eintrag des Buches vom November 2009 geht auch hervor, dass schon damals versucht wurde ihm steuerlichen »Betrug« anzuhängen.

»Ein faszinierendes Dokument der politischen Radikalisierung« nannte die taz das Buch, die FAZ urteilte: »Für alle, die sich damit beschäftigen, was in China gerade wirklich passiert, ist Ais Blog ein sehr guter Anfang«.

Der Galiani Verlag appelliert an das hiesige Publikum, den Fall Ai Weiwei sowie die Fälle anderer mutiger Chinesen (wie etwa Wang Liong und Ran Yunfei) nicht aus den Augen zu verlieren und weiter auf die Bücher Ai Weiweis und auf die Bücher anderer chinesischer Schriftsteller hinzuweisen, und zitiert den deutschen Kulturstaatsministers Neumann:
»Wer für die Rechte und Freiheit von Ai Weiwei kämpft, kämpft für die Freiheit aller Künstler in der Welt, die an Unterdrückung und Diktatur leiden.«

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