Er gilt als der nach Bertolt Brecht wichtigste deutsche Dramatiker des vergangenen Jahrhunderts. Heute, am 9. Januar 2009, wäre der 1995 verstorbene Heiner Müller 80 Jahre alt geworden.
Im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheint am 20. April 2009 eine erweiterte Neuausgabe seiner Autobiographie Krieg ohne Schlacht – Leben in zwei Diktaturen. Ergänzt um bislang unveröffentlichte Dokumente aus dem Nachlass, ist Krieg ohne Schlacht nicht nur eine beeindruckende Lebensgeschichte, sondern vor allem ein unersetzliches Dokument und ein Klassiker der deutschen Literatur.
Der Dramatiker erzählt anekdotenreich, klar und ehrlich: ein faszinierendes Panorama der deutschen Zeit- und Kulturgeschichte. Müller spricht über seine Auseinandersetzungen mit der allgegenwärtigen Partei und Staatszensur in der DDR und schildert jene Vorgänge, die 1961, nach der Uraufführung des Stückes Die Umsiedlerin, zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR führten.
Vor allem aber berichtet er über seine langjährige Arbeit als Dramatiker und Regisseur, erst am Berliner Ensemble und dann, ab 1976, an der Volksbühne. Die Beschreibung der Theaterarbeit zwischen Ost und West, zwischen Freiheit, Engagement, dem Ausloten von Möglichkeiten und der Erfahrung von Unterdrückung und Repression zeichnen ein anschauliches und genaues Bild des Kultur- und Geisteslebens in den Zeiten der deutschen Teilung und des Kalten Krieges.
Am 7. Mai 1990 schrieb der damalige Cheflektor und heutige Verleger von Kiepenheuer & Witsch, Helge Malchow, Heiner Müller einen Brief mit der Idee ein autobiographisches Interview als Buch herauszubringen. Auf der Frankfurter Buchmesse 1990 verpflichtete sich Heiner Müller dann gegenüber Kiepenheuer & Witsch zur Mitarbeit an dem Buchprojekt.
Ende Januar, Anfang Februar 1991 trafen Heiner Müller, Helge Malchow, seine Sekretärin Renate Ziemer sowie seine ehemalige Schwägerin, die Schriftstellerin Katja Lange-Müller im Ferienhaus des damaligen KiWi-Verlegers Reinhold Neven Du Mont für vierzehn Tage auf La Palma zusammen, um die autobiographischen Interviews zu führen. Die Überarbeitung der Tonband-Rohfassungen erfolgte in mehreren Arbeitsschritten im Frühjahr 1992 auf Lanzarote und in Berlin. Heiner Müller zog zu dieser Arbeit neben Helge Malchow seinen Regie-Assistenten, Stephan Suschke, hinzu.
Kurz vor der Endredaktion erwog Müller das Projekt aufzugeben. In einem Brief an Helge Malchow schrieb er: »Ich zahle dem Verlag das Geld zurück (…) und wir vergessen das Ganze.« Müller zweifelte an dem literarischen Wert des Buches. Letztendlich stimmte er einer Veröffentlichung zu, im Nachwort von Krieg ohne Schlacht heißt es: »Ich danke Katja Lange-Müller, Helge Malchow, Renate Ziemer und Stephan Suschke für ihre Arbeit. Sie haben mehr als tausend Seiten Gespräch, das über weite Strecken auch Geschwätz war, auf einen Text reduziert, den ich überarbeiten, wenn auch in der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu Literatur machen konnte.«
Bei der Veröffentlichung im Sommer 1992 haben Heiner Müllers Lebenserinnerungen für Furore gesorgt: Das Buch stieß auf Ablehnung und Kritik, für Bewunderung und Begeisterung. Helge Malchow schreibt dazu in einem Vorwort zur 5. Auflage im Dezember 1993: »Die bewusst gewählte, offene, auf langen Gesprächen basierende, nicht-literarische Form des Buches, die Persönliches, Politisches und Schriftstellerisches nicht trennte, wurde von Kritikern wie Beatrice von Matt in der Neuen Zürcher Zeitung, Joachim Kaiser in der Süddeutschen Zeitung oder Marcel Reich-Ranicki akzeptiert oder sogar als die große Stärke des Buches gelobt. Dagegen standen auch negative Reaktionen, wie die von Fritz J. Raddatz, der sich über die anekdotischen Teile des Textes regelrecht empörte (…).«
Heute gehört dieses Bestseller-Werk zu den Klassikern der autobiographischen Literatur.
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