Am 7. Mai 2010 haben der Verlag Gruner + Jahr und der stern zum sechsten Mal in Hamburg den Henri-Nannen-Preis vergeben, mit dem die Bestleistungen im deutschsprachigen Print- und Onlinejournalismus ausgezeichnet werden.
Der 1918 geborene Hamburger und Ex-Bundeskanzler arbeitete zu Beginn seines Berufslebens als freier Mitarbeiter für die sozialdemokratische Zeitung Hamburger Echo, entschied sich dann aber nicht für den Journalismus sondern für die Politik. Schon während seiner politischen Laufbahn publizierte Schmidt Essays und politische Meinungsartikel. Zum Jahreswechsel 1982/83 rief der Verleger Gerd Bucerius den gerade von Helmut Kohl als Kanzler abgelösten Staatsmann Schmidt als Mitherausgeber zu der Wochenzeitung Die Zeit. Hier fand Schmidt, der sich selbst als »publizistischen Autor« bezeichnet, einen festen Platz in der Redaktion. Sein großer Sachverstand, seine umfassende Bildung und seine politischen Erfahrungen werden von den Redakteuren bis heute geschätzt und machen den überzeugten Hanseaten zu einem anerkannten Ratgeber und Leitartikler. Noch immer nimmt der 91-Jährige an den Redaktionskonferenzen der Zeit teil.
»Helmut Schmidt ist vom Politiker zum Erfolgsautor und Herausgeber geworden. Er kann auf ein beeindruckendes publizistisches Lebenswerk zurückblicken. Seine Bücher, Leitartikel und Essays haben ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer überparteilichen, nur dem Gemeinwohl verpflichteten moralischen Instanz werden lassen. Wir freuen uns, diesen großen Publizisten und Elder Statesman mit dem Henri Nannen Preis auszeichnen zu dürfen.«
Helmut Schmidt, Giovanni di Lorenzo
Einen Sonderpreis vergab die Jury an das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Gegen den Widerstand der Bundeswehr hatten Marc Baumann, Martin Langeder, Mauritius Much und Bastian Obermayer mehr als hundert Feldpostbriefe und E-Mails deutscher Soldaten aus Afghanistan gesammelt und veröffentlicht. Sie erzählen vom Alltag im Feldlager, von Einsätzen und den widersprüchlichen Gefühlen dabei, von Banalität und Langeweile, von Beklemmung und Wut. Diese Feldpost, so die Jury, »vermittelt ein authentisches Gefühl dafür, wie die Deutschen in den Krieg und der Krieg zu den Deutschen kam. Eine ferne Front ist plötzlich ganz nah.«
Mit dem Henri-Nannen-Preis stellen Gruner + Jahr und der stern die Bedeutung von anspruchsvollem Print- und Onlinejournalismus heraus und erinnern zugleich an das Werk des stern-Gründers Henri Nannen (1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert.
Der Jury gehören an: Gabriele Fischer (Chefredakteurin brand eins), Peter-Matthias Gaede (Chefredakteur GEO), Elke Heidenreich (Journalistin und Schriftstellerin), Thomas Hoepker (Fotograf und langjähriger Präsident der Foto-Agentur „Magnum“), Hans Werner Kilz (Chefredakteur Süddeutsche Zeitung), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur DIE ZEIT), Helmut Markwort (Chefredakteur FOCUS), Georg Mascolo (Chefredakteur DER SPIEGEL), Thomas Osterkorn (Chefredakteur stern), Ulrich Reitz (Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Frank Schirrmacher (Herausgeber Frankfurter Allgemeine Zeitung), Gerhard Steidl (Foto- und Kunstbuchverleger) und Anja Niedringhaus (Cheffotografin Associated Press).
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