1945 - 47

Die Vorgeschichte des Verlages Kiepenheuer & Witsch beginnt in Jena. Der gelernte Bibliothekar Dr. Joseph Caspar Witsch leitet dort seit 1936 die Thüringische Landesstelle für das volkstümliche Büchereiwesen. Nach dem Krieg wird er in dieser Funktion von den sowjetischen Besatzungsbehörden bestätigt und als Landesstellenleiter unter anderem mit vorbereitenden Aufgaben zur Lizenzierung von Verlagen betraut. Auf diese Weise kommt er mit dem renommierten Weimarer Verleger Gustav Kiepenheuer in Kontakt. Das NS-Regime hatte den Gustav Kiepenheuer Verlag mit einem Veröffentlichungsverbot belegt; mit Witschs tatkräftiger Unterstützung erhält er 1945 als erster Verleger belletristischer Werke eine sowjetische Lizenz zur Produktion von Büchern. Gustav Kiepenheuer und Joseph Caspar Witsch entwickeln erste Pläne zur Gründung eines gemeinsamen Verlagsunternehmens in Westdeutschland.

Frühjahr 1948

Wachsende Differenzen mit den sowjetischen Behörden über die Organisation des Büchereiwesens in der SBZ zwingen Witsch zur Flucht in den Westen. Ihm droht die Verhaftung. Seine Frau und die vier Töchter folgen wenig später nach. Erste Anlaufstelle der Familie ist Hagen (Westfalen). Ausgestattet mit einer Vollmacht Gustav Kiepenheuers unternimmt Witsch die notwendigen Schritte zur Einleitung der Verlagsgründung.

November 1948

Am 20. November beantragt Witsch eine Buchverlagslizenz für die britische Zone.
Am 27. November findet die Gründungsversammlung der Gustav Kiepenheuer GmbH vor einem Hagener Notar statt. Neben Gustav Kiepenheuer und Joseph Caspar Witsch fungieren als weitere Gesellschafter: Witschs langjähriger Freund, der Arzt Dr. Fritz Breuer, der Direktor einer Hagener Papierfabrik Dr. Adalbert Borgers und der britische Offizier und örtliche Befehlshaber der Britischen Militärregierung Fulco Peter Alexander.
Witsch startet mit sechs Titeln aus dem Rechtepool des Weimarer Kiepenheuer-Verlages. Als erstes Buch erscheint Schneeweißchen und Rosenrot der Gebrüder Grimm mit Aquarellen des heute weltbekannten Hagener Malers Emil Schumacher. Es folgen Titel von Carlo Collodi, Elizabeth Goudge, Julien Green, Ricarda Huch und Franz Kafka.

Frühjahr 1949

Im Januar bezieht der Verlag seine ersten Büroräume im Rohbau eines Hagener Hallenbades.
Die Lizenzierung des Verlages erfolgt zu einem Zeitpunkt, als die erste Jahresproduktion bereits bei den Buchhändlern liegt. Am 10. Februar erhält Witsch die Mitteilung der Behörden, dass seinem Antrag auf Erteilung einer Buchverlagslizenz stattgegeben wurde.
Am 5. März wird die Firma Verlag Gustav Kiepenheuer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Hagener Handelsregister eingetragen.
Am 6. April stirbt Gustav Kiepenheuer nach schwerer Krankheit in Weimar, ohne dass er Witsch ein einziges Mal am Ort der gemeinsamen Verlagsgründung hätte treffen können. Nach seinem Tod kommt es zum Streit zwischen Witsch und der Witwe des Verlegers, Noa Kiepenheuer. Es geht um den künftigen Standort des Verlages und um die Vertretungsberechtigung. Nach Witschs Auffassung hat nie ein Zweifel daran bestanden, dass Gustav Kiepenheuer seinen Verlag vollständig in den Westen verlegen wollte. Noa Kiepenheuer bestreitet dies nach dem Tod ihres Mannes und beharrt darauf, das Weimarer Unternehmen in der SBZ / DDR weiter fortzuführen. Es gibt nun zwei Verlage, die sich auf den Namen Gustav Kiepenheuers berufen.

September 1949

Der Verlag nimmt an der ersten Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche teil, stellt 25 Titel aus und erreicht einen Messe-Umsatz von 8.000 DM. Unter den Neuerscheinungen finden sich auch die ersten Bücher Joseph Roths, die in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Verlag Allert de Lange entstanden sind: Die Legende vom heiligen Trinker und Radetzkymarsch.

1950

Im Januar zieht der Verlag von Hagen nach Köln. Die ersten Verlagsräume befinden sich in einem feuchten Bunker in Köln-Riehl, zum Jahresende bezieht der Verlag neue Räume in der Innenstadt am Hansaring.
Mit dem Bildnis einer Dame startet Witsch die Herausgabe der Werke Henry James’.
Neben die wachsende Zahl literarischer Titel treten ab 1950 in zunehmendem Maße auch Bücher, die sich kritisch mit der Entwicklung in der DDR und dem sowjetischen Machtbereich auseinandersetzen. Den Auftakt bildet Gerd Friedrichs Band über Die freie deutsche Jugend. Stoßtrupp des Kommunismus in Deutschland. Er markiert auch den Beginn der Reihe Rote Weißbücher, die der Verlag in Abstimmung mit dem Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen unter Jakob Kaiser und mit finanzieller Unterstützung durch die Dienststelle des amerikanischen High Commissioner of Germany (HICOG) realisiert. Bis 1955 erscheinen allein in dieser Reihe 16 kommunismuskritische Titel.

1951

Der Konflikt zwischen Joseph Caspar Witsch und Noa Kiepenheuer um das Erbe Gustav Kiepenheuers wird außergerichtlich beigelegt. In Folge des ausgehandelten Kompromisses beschließt die Gesellschafterversammlung des in Köln ansässigen Verlages am 24. Juli 1951 die Umbenennung des Unternehmens. Der in Hagen gegründete Verlag Gustav Kiepenheuer firmiert ab jetzt als Verlag Kiepenheuer und Witsch.
Vicki Baums Roman Marion ist das erste Buch, das unter dem neuen Verlagsnamen erscheint. Der Roman markiert damit endgültig und offiziell die Geburtsstunde des neuen Verlages.

1952

Das SBZ-Archiv, später Deutschland-Archiv, erscheint, eine Zeitschrift, die über Vorgänge in der DDR informieren soll.

1953

Der Verlag für Politik und Wirtschaft wird gegründet. Witsch gibt dieses Tochterunternehmen sieben Jahre später wieder ab.

Im Juli erwirbt Kiepenheuer & Witsch ein eigenes Haus in Köln-Marienburg, Rondorfer Straße 5, welches bis Juni 2008 Verlagssitz bleibt.

Es werden drei Reihen gestartet: erstens die KiWi-Taschenbücher mit William Faulkners Die Freistatt, einer Lizenz-Ausgabe des Artemis-Verlages (Zürich), zweitens die Kleine Kiepe mit Annette Kolbs Beschwerdebuch und drittens die KiWi-Reiseführer in Zusammenarbeit mit Allert de Lange.

Heinrich Böll wechselt mit dem Roman Und sagte kein einziges Wort vom Middelhauve Verlag (Opladen) zu Kiepenheuer & Witsch.

Zum ersten Mal erscheint Die Kiepe als Hauszeitschrift des Verlages.

1954

Auf Initiative von Joseph C. Witsch werden die Bücher der 19 gegründet. Als erster Band erscheint der Roman Leib und Seele von Maxence van der Meersch, dessen Erstausgabe der Verlag Kiepenheuer & Witsch schon 1949 veröffentlicht hatte.

Kiepenheuer & Witsch übernimmt von Allert de Lange die Reihe Europäische Bildhauer.

Die Zusammenarbeit mit dem in den dreißiger Jahren nach London emigrierten Phaidon Verlag beginnt.

Die ersten Maigret-Romane von Georges Simenon erscheinen als KiWi-Taschenbücher, später als Kiepenheuer-Kriminal-Romane.

1955

Die Zusammenarbeit mit Hannes Jähn beginnt. Hannes Jähn wird viele Jahre lang einen großen Teil der Schutzumschläge von Kiepenheuer & Witsch gestalten.

Jean Giono wird Autor von Kiepenheuer & Witsch. Es erscheinen in einem Jahr Angelo Pardi, Der Husar auf dem Dach, Die Polnische Mühle und Ein König allein.

Wolfgang Leonhards Die Revolution entläßt ihre Kinder, das erfolgreichste Sachbuch des Verlages in den fünfziger Jahren, erscheint. Übersetzungen werden in Schweden, Indien, Argentinien, im Libanon, in Holland, Japan, Großbritannien, Finnland und den USA veröffentlicht.

1956

Mit Die Abenteuer des Augie March erscheint die erste deutsche Übersetzung eines Romans von Saul Bellow.

Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht eine erste Werkausgabe von Joseph Roth, herausgegeben und eingeleitet von Hermann Kesten.

Die Comedia, ein eigener Bühnenvertrieb, wird gegründet.

1957

Zwei spätere Nobelpreisträger, der Pole Czeslaw Milosz und der Australier Patrick White, werden Autoren des Verlages.

Mit Das Geheimnis des Luca beginnt Kiepenheuer & Witsch die Veröffentlichung der Bücher von Ignazio Silone.

1958

Der Verlag übernimmt von der Büchergilde Gutenberg das Kiepenlexikon des Wissens und der Bildung in zwei Bänden. Die Zusammenarbeit mit der Büchergilde intensiviert sich in den folgenden Jahren.

Dieter Wellershoff, der im folgenden Jahr Lektor bei Kiepenheuer & Witsch wird, veröffentlicht sein erstes Buch im Verlag: Gottfried Benn, Phänotyp dieser Stunde.

1959

Erich Kästners Gesammelte Schriften werden in sieben Bänden als Gemeinschaftsausgabe mit den Verlagen Atrium (Zürich) und Cecilie Dressler (Berlin) herausgegeben.

René Schickeles Werke in drei Bänden erscheinen, herausgegeben von Hermann Kesten (unter Mitarbeit von Anna Schickele).

Nathalie Sarraute, die bedeutendste Vertreterin des Nouveau Roman, wird mit Martereau Autorin von Kiepenheuer & Witsch. Die Werke von Nathalie Sarraute werden von Elmar Tophoven übersetzt, und ab 1992 nach Elmar Tophovens Tod von Erika Tophoven. Als letztes erscheint posthum übersetzt Nathalie Sarrautes letztes Werk Aufmachen (2000).

1960

Carola Stern kommt als Lektorin in den Verlag (bis 1970).

Der Roman Der Gehilfe von Bernard Malamud in der Übersetzung von Annemarie und Heinrich Böll erscheint.

1961

Manès Sperber veröffentlicht seine Romantrilogie Wie eine Träne im Ozean.

In München nimmt der von Joseph C. Witsch initiierte Deutsche Tachenbuchverlag dtv seine Arbeit auf. Kiepenheuer & Witsch bleibt bis Ende 1998 einer von zehn Gesellschaftern.
Der erste Band im dtv-Programm ist Heinrich Bölls Irisches Tagebuch.

1962

Beginn der Reihe Collection Theater mit Bühnenstücken u.a. von Heinrich Böll, Tankred Dorst, Siegfried Lenz und Dieter Wellershoff. 1964 wird die Collection Theater um eine Werkbuch-Reihe erweitert, in der Titel u.a. von Alexander Tairow und Tristan Rémy sowie Bücher über Pirandello und Majakowskij veröffentlicht werden.

Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht Jerome D. Salingers Roman Der Fänger im Roggen in einer von Heinrich Böll überarbeiteten Übersetzung.

Zum ersten Mal bringt der Verlag das WDR Hörspielbuch heraus. Bis zum Jahr 1971 wird pro Jahr ein WDR Hörspielbuch mit den besten Hörspieltexten des Jahres erscheinen.

1962/ 63

Zwei neue Reihen werden gestartet:

Zum einen die Reihe Information mit Bänden u.a. von Arnulf Baring / Christian Tautil _ , Günther Nollau _(Zerfall des Weltkommunismus) , Gerd Ruge _ und Peter Bender _(Offensive Entspannung. Möglichkeit für Deutschland) .

Zum anderen die Reihe Essay, herausgegeben von Manès Sperber.

1963

Im Frühjahr tritt Reinhold Neven Du Mont nach Volontariaten beim Kösel Verlag und bei dtv in den Verlag Kiepenheuer & Witsch ein.

Zum ersten Mal erscheint der von Hans Paeschke herausgegebene Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken bei Kiepenheuer & Witsch (bis 1967).

1964

Als drittes Buch von Carola Stern bei Kiepenheuer & Witsch erscheint ihre Ulbricht-Biografie.

Der heute bereits als Klassiker der brasilianischen Literatur geltende Roman Grande Sertão von João Guimarães Rosa wird veröffentlicht.

1964/ 65

Der von Dieter Wellershoff proklamierte »Neue Realismus« bindet neue deutsche Autoren an den Verlag. In der so genannten »Kölner Schule« erscheinen die Romane Das Gatter von Günter Seuren, Der zweite Tag von Nicolas Born, Der Platz von Günter Steffens und Ein ungeratener Sohn von Renate Rasp (1967) sowie die Erzählungsbände Eine gleichmäßige Landschaft von Günter Herburger und Die Umarmung von Rolf Dieter Brinkmann.

1965

Die Neue Wissenschaftliche Bibliothek, die so genannte »Gelbe Reihe«, wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Herausgeber werden u.a. Carl Friedrich Graumann für Psychologie, Gérard Gäfgen für Wirtschaftswissenschaften, Hans-Ulrich Wehler für Geschichte, Jürgen Habermas für Soziologie und Eberhard Lämmert für Literaturwissenschaft gewonnen.

1966

Im Juli wird Joseph Caspar Witsch 60 Jahre alt. Aus diesem Anlass erscheint eine Gratulatio mit 77 Beiträgen von Freunden, Autoren und Mitarbeitern.

Es erscheinen die ersten beiden der auf elf Bände angelegten Gesammelten Werke von Ricarda Huch, herausgegeben von Wilhelm Emrich.

1967

Am 28. April 1967 stirbt Joseph Caspar Witsch völlig unerwartet.

Im August wird Reinhold Neven Du Mont Geschäftsführer und verlegerischer Leiter von Kiepenheuer & Witsch.

1968

Ermuntert durch den Erfolg der Neuen Wissenschaftlichen Bibliothek erscheinen mit John A. Hobsons Der Imperialismus und John B. Watsons Behaviorismus die ersten Bände der Studien-Bibliothek.

Die Hauszeitschrift Die Kiepe wird eingestellt. An ihre Stelle tritt für vier Jahre das Literatur-Magazin LIT.

1969

Reinhold Neven Du Mont wird im April alleiniger Inhaber von Kiepenheuer & Witsch und leitet das Unternehmen fortan als Verleger.

Mit Die Entdeckung des Orgons. Die Funktion des Orgasmus beginnt Kiepenheuer & Witsch die Herausgabe der Werke von Wilhelm Reich.

pocket, eine von Hannes Jähn gestaltete Taschenbuch-Reihe mit Erstveröffentlichungen, kommt auf den Markt. Im ersten Jahr erscheinen Theaterstücke von Wolfgang Bauer, ein Roman von Saul Bellow, ein Band mit einem Hörspiel und einem Theaterstück von Heinrich Böll, ein Roman von Nathalie Sarraute, Literaturessays von Dieter Wellershoff und ein Band mit dem Titel Underground? Pop? Nein, Gegenkultur von Rolf-Ulrich Kaiser.

Als pocket 7 nimmt Kiepenheuer & Witsch die 13 unerwünschten Reportagen als erstes Buch von Günter Wallraff ins Programm. Wallraff war über das Theaterstück Nachspiele – eine szenische Dokumentation in den Verlag gekommen. Das Stück war 1968 im Jungen Forum der Ruhrfestspiele Recklinghausen uraufgeführt worden.

1970

Peter Roik tritt am 1.10. in den Verlag als Mitarbeiter ein und wird 1972 Leiter des Rechnungswesens. Zum selben Zeitpunkt wird Erika Stegmann Lektorin für das Sachbuch bei Kiepenheuer & Witsch (bis 1998).

Gabriel García Márquez wird mit der Veröffentlichung von Hundert Jahre Einsamkeit Autor von Kiepenheuer & Witsch.

Renate Matthaei, von 1961 bis 1993 Lektorin im Verlag, gibt den Band Grenzverschiebung. Neue Tendenzen in der Literatur der sechziger Jahre heraus.

1971

Das zweibändige Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert , herausgegeben von Carola Stern, Thilo Vogelsang, Erhard Klöss und Albert Graff, erscheint in Kooperation mit dem dtv.

Zwei Titel von William S. Burroughs, Soft Machine und Die letzten Worte von Dutch Schultz, werden veröffentlicht.

Andy Warhols A. Ein Roman und Blue Movie kommen ins Programm.

Gruppenbild mit Dame von Heinrich Böll erscheint.

1972

In der pocket-Reihe erscheinen zwei aufsehenerregende Titel: Willy R. Lützenkirchens Verbrechen ohne Richter. Mord an der Umwelt in der Bundesrepublik, der erste kritische Ökologie-Titel auf dem deutschen Buchmarkt, und das Schwarzbuch: Franz Josef Strauß, herausgegeben u.a. von Wolfgang Roth und Ingrid Matthäus unter Mitarbeit von Bernt Engelmann. Innerhalb von drei Monaten werden 250.000 Exemplare verkauft.

Kiepenheuer & Witsch beginnt mit Das geteilte Selbst die Edition der Werke von Ronald D. Laing.

Im November erhält Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur.

1973

Bernt Engelmanns und Günter Wallraffs Ihr da oben – wir da unten kommt heraus und wird zum Bestseller.

Patrick White erhält den Literatur-Nobelpreis.

1974

Von Heinrich Böll erscheint Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann.

Charles Bukowski findet mit Der Mann mit der Ledertasche seinen festen Platz im Programm des Verlages. Bis zu seinem Tod 1996 erscheinen die Hauptwerke von Bukowski bei Kiepenheuer & Witsch.

1975

Kiepenheuer & Witsch startet als Ergänzung zur Neuen Wissenschaftlichen Bibliothek die kleine gelbe Reihe pocket Wissenschaft.

Monika König tritt in die Herstellungsabteilung des Verlages ein, die sie später jahrzehntelang leiten wird.

1976

Saul Bellow erhält den Literatur-Nobelpreis.

Herbert Wehner. Beiträge zu einer Biographie , herausgegeben von Gerhard Jahn, erscheint.

1977

Heinrich Bölls Werke 1–5, herausgegeben von Bernd Balzer, kommen zum 60. Geburtstag des Autors heraus. Die Bände 6–10 folgen 1978.

Günter Wallraffs Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war wird zu einem Aufsehen erregenden Erfolg. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit gegen Autor und Verlag unterliegt der Springer-Konzern schließlich im Januar 1981 vor dem Bundesgerichtshof. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes wird im Kern 1984 vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Mit Nachlaß I , dem ersten Buch nach seiner Ausbürgerung aus der DDR im Herbst 1976, wird Wolf Biermann Autor von Kiepenheuer & Witsch. 1978 folgt Preußischer Ikarus. Lieder, Balladen, Gedichte, Prosa.

Der Verlag veröffentlicht die Memoiren von Simone Signoret, Ungeteilte Erinnerungen.

1978

Franz Herres Kaiser Franz Josef von Österreich erscheint. Insgesamt hat der Verlag sieben historische Biographien von Franz Herre herausgebracht.

Egmont R. Kochs und Fritz Vahrenholts Buch Seveso ist überall. Die tödlichen Risiken der Chemie wird als erster Band der so genannten »giftigen Reihe« veröffentlicht.

1979

Egon Erwin Kischs Nichts ist erregender als die Wahrheit. Reportagen aus vier Jahrzehnten, herausgegeben von Walther Schmieding, erscheint. Es folgen neben Der rasende Reporter auch Entdeckungen in Mexiko und Landung in Australien.

1980

Mit dem Roman An der Biegung des großen Flusses wird V.S. Naipaul Autor von Kiepenheuer & Witsch.

Czeslaw Milosz erhält den Literatur-Nobelpreis.

1981-84

Der Verlag gewinnt den deutschen Autor Uwe Timm, der in den folgenden Jahren das literarische Programm von Kiepenheuer & Witsch maßgeblich prägen wird. Im Jahr 1984 erscheint sein erster Roman bei Kiepenheuer & Witsch Der Mann auf dem Hochrad, bereits seit 1983 vertreibt Kiepenheuer & Witsch seinen Roman Morenga, der zuvor bei der Autorenedition erschienen war.

1981

Gesunde Geschäfte. Die Praktiken der Pharma-Industrie enthüllt die Tricks der Arzneimittelkonzerne beim Verkauf ihrer Medikamente.

Nach dem Ausscheiden von Dieter Wellershoff als Lektor für deutschsprachige Literatur übernimmt Renate Matthaei dieses Aufgabenfeld bis 1994.

1982

Anfang des Jahres übernimmt Bärbel Flad das ausländische Lektorat von Alexandra von Miquel.

Gabriel García Márquez erhält den Nobelpreis für Literatur.

Die KiWi-Paperback-Reihe wird gestartet.
Die ersten Bände sind Heinrich Bölls Vermintes Gelände, Günter Wallraffs Der Aufmacher und von Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit.
Zunächst erscheinen zweimal pro Jahr ca. 25 KiWi-Paperback-Titel, darunter Klassiker des Verlages Kiepenheuer & Witsch, Originalveröffentlichungen zu aktuellen Sachthemen und literarische Erstveröffentlichungen von jüngeren Autoren.

Für Aufsehen sorgen zwei Neuerscheinungen der so genannten »giftigen Reihe«: Rolf Gössners und Uwe Herzogs Der Apparat. Ermittlungen in Sachen Polizei sowie Eva Kapfelspergers und Udo Pollmers Iß und stirb. Chemie in unserer Nahrung.

1983

Helge Malchow wird nach einer kurzen Volontariatszeit Lektor bei Kiepenheuer & Witsch, zuerst für die KiWi-Paperback-Reihe.

Bittere Pillen. Nutzen und Risiken der Arzneimittel. Ein kritischer Ratgeber von Kurt Langbein, Hans-Peter Martin, Peter Sichrovsky und Hans Weiss erscheint. Bearbeitete Neuausgaben folgen im Dreijahresrhythmus.
Die Bitteren Pillen, betreut von Erika Stegmann, die von 1970 bis 1997 Sachbuchlektorin im Hause ist, entwickeln sich schnell zu einem Standardwerk und haben bis heute eine Gesamtauflage von 2,5 Millionen erreicht.

John le Carré wird Autor von Kiepenheuer & Witsch. Sein Roman Die Libelle wird der Bestseller der Herbst-Saison.

1984

Mit Remarques Antikriegsdrama Im Westen nichts Neues erscheint im Frühjahr der 50. Band der KiWi-Paperback-Reihe.

Der Verlag veröffentlicht die Werke von zwei der bedeutendsten südafrikanischen Autoren: den Roman Weiße Zeit der Dürre von André Brink und den Bericht Breyten Breytenbachs über seine Inhaftierung Wahre Bekenntnisse eines Albino-Terroristen.

Die Anthologie Rawums, herausgegeben von Peter Glaser, versammelt literarische Texte junger Autoren.

Seit diesem Jahr ist Reinhold Joppich, der jahrzehntelang die Vertriebsabteilung leiten wird, neuer Mitarbeiter des Verlages.

1985

Am 16. Juli stirbt Heinrich Böll.
Im Herbst erscheint posthum sein letzter Roman Frauen vor Flußlandschaft.

Ein Bestseller im Sachbuchbereich wird Willy Brandt, Der organisierte Wahnsinn. Wettrüsten und Welthunger.

Am 21. Oktober 1985 wird Ganz unten, das neue Buch von Günter Wallraff, ausgeliefert. Bereits nach zwei Tagen ist die Startauflage von 200.000 Exemplaren vergriffen. Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wird mit einer Auflage von über 4 Millionen Exemplaren einer der größten Bucherfolge in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Übersetzungen erscheinen in 30 Ländern. Zahlreiche Bemühungen (von Thyssen, McDonald’s, der Westdeutschen Zeitung), das Buch zu verhindern bzw. seine Inhalte in Frage zu stellen, scheitern und ändern nichts an der politischen Wirkung von Ganz unten.

In diesem Jahr wird Ulla Brümmer Mitarbeiterin des Verlages und leitet mittlerweile seit vielen Jahren die Werbeabteilung.

1986

Im April wird die türkische Ausgabe von Wallraffs Ganz unten ausgeliefert. Ein einmaliger Vorgang, dass ein deutscher Verlag einen Bestseller in türkischer Sprache veröffentlicht – mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren.

Band 100 der KiWi-Paperback-Reihe, Das KiWi Lesebuch, erscheint.

1987

Im Januar wird Die Liebe in den Zeiten der Cholera ausgeliefert, der große Roman von Gabriel García Márquez, der mehr als zwei Jahre lang obere Ränge der Spiegel-Bestsellerliste belegen wird.

Don DeLillo mit dem Roman Weißes Rauschen und der spätere Nobelpreisträger J.M.G. Le Clézio mit Der Goldsucher werden Autoren von Kiepenheuer & Witsch.

Mit Kunst in Köln , herausgegeben von Marie Hüllenkremer, beginnt der Verlag eine neue Reihe von Städte-Kunstführern.

Anlässlich des 70. Geburtstages, den Heinrich Böll in diesem Jahr gefeiert hätte, erscheint eine erweiterte Neuauflage seines erzählerischen Werkes in vier Bänden.

Schuldig geboren. Kinder aus Nazifamilien von Peter Sichrovsky findet ein starkes Echo. Mehrere Theater in der BRD, in Österreich, Holland, Israel, Frankreich und den Vereinigten Staaten inszenieren die Gespräche als Theaterstück.

1988

Neben Das Abenteuer des Miguel Littín von Gabriel García Márquez werden Die Kinder vom Arbat von Anatolij Rybakow und Die Geheimnisse von Pittsburgh, der Erstlingsroman des Amerikaners Michael Chabon, zu Bestsellern.

Darüber hinaus wird der Verlag Kiepenheuer & Witsch von einem historischen Ereignis erschüttert: Der iranische Revolutionsführer Chomeini verkündet gegen den Schriftsteller Salman Rushdie wegen dessen Roman Die satanischen Verse einen Mordaufruf, eine sogenannte Fatwa. Der Grund: Von Vertretern der fundamentalistisch-schiitischen Geistlichkeit wird der Roman als Diffamierung des Koran betrachtet. Es kommt zu Demonstrationen gegen den Roman und seinen Autor und zu Anschlägen, z. B. wird Hitoshi Igarashi, der japanische Übersetzer des Romans, ermordet, Ettore Capriolo, der italienische Übersetzer, wird schwer verletzt und der norwegische Verleger William Nygaard entkommt nur knapp einem Mordversuch.

Der Roman ist in Deutschland bei Kiepenheuer & Witsch unter Vertrag, wird aber aus Sicherheitsgründen und als Ausdruck des Protestes gegen die Bedrohung der Kunstfreiheit von einer Vielzahl von Verlegern, zu denen auch Kiepenheuer & Witsch gehört, und Einzelpersonen unter dem Namen Artikel 19 Verlag veröffentlicht. (Benannt nach dem Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zusichert.)

1989

Im 50. Todesjahr von Joseph Roth erscheinen die ersten beiden Bände der auf insgesamt sechs Bände angelegten neuen Werkausgabe des Autors.

Mit Joseph Beuys startet der Verlag die von Wilfried Dickhoff und Gisela Neven Du Mont herausgegebene Reihe Kunst heute, die Künstler der Gegenwart mit ausführlichen Äußerungen zu ihrer Person und ihrem Werk zu Wort kommen lässt.

Aufgrund eines Vertrages mit dem DDR-Verlag Aufbau, der eine Veröffentlichung der Werke von Erwin Strittmatter bei Kiepenheuer & Witsch vorsieht, erscheint sein erster Roman Der Laden in zwei Teilen.

Die in Ostberlin lebende Schriftstellerin Renate Feyl wird mit dem Roman Idylle mit Professor Autorin von Kiepenheuer & Witsch.

1990

Ermuntert durch den anhaltenden Erfolg des Medikamenten-Lexikons Bittere Pillen veröffentlicht der Verlag das Kursbuch Gesundheit , das sich bald zu einem Standardwerk über Krankheiten und ihre Symptome sowie über Untersuchungs- und Behandlungsmethoden entwickelt.

Autoren von Kiepenheuer & Witsch werden: Maxim Biller mit dem Erzählungsband Wenn ich einmal reich und tot bin, E.L. Doctorow mit dem Roman Billy Bathgate, Franca Magnani (1925-1996) mit ihrer Autobiographie Eine italienische Familie, Heiner Müller (1929-1995) mit dem Band Ein Gespenst verläßt Europa und Peter Zadek (1926-2009) mit dem Theaterbuch Das wilde Ufer.

1991

Ralph Giordano, dessen Buch Die Partei hat immer recht 1961 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen war, kehrt mit Israel, um Himmels willen, Israel zum Verlag zurück.

John Banville _ und Bret Easton Ellis _(American Psycho) werden Autoren von Kiepenheuer & Witsch.

Wolf Biermann veröffentlicht Alle Lieder. 1995 wird der Band Alle Gedichte folgen.

Helge Malchow und Hubert Winkels geben in der KiWi-Paperback-Reihe einen Band über neue deutsche Literatur mit dem Titel Die Zeit danach heraus.

1992

Aus dem Nachlass von Heinrich Böll veröffentlicht der Verlag den frühen Roman Der Engel schwieg, der bald die deutschen Bestsellerlisten anführt und in zwanzig Sprachen übersetzt wird.

Mario Adorf beweist mit Der Mäusetöter sein Talent auch als Schriftsteller. In den folgenden Jahren erscheinen vier weitere Bände mit Erzählungen, die Autobiografie Himmel und Erde und 2010 zu seinem 80. Geburtstag der Sammelband Ein Mann spielt um sein Leben.

Mit Autoren wie Richard Rogler, Jürgen Becker und Rüdiger Hoffmann werden Kabarett- und Comedy-Titel ein Schwerpunkt der KiWi-Paperback-Reihe. Die Autobiographie 1. Teil von Helge Schneider erreicht über 100.000 Leser.

Peter Roik, der heutige Kaufmännische Geschäftsführer von Kiepenheuer & Witsch, wird Prokurist.

1993

Helge Malchow wird Cheflektor und erhält Prokura.

Der Verlag erweitert sein Programm um die Bücher einer Reihe neuer, bedeutender Autoren.

Anne Duden, die im Mai 2000 mit dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet wird, veröffentlicht den Lyrik-Band Steinschlag.

Die aus der Türkei stammende Emine Sevgi Özdamar erregt großes Aufsehen mit ihrem Debütroman Das Leben ist eine Karawanserei hat zwei Türen aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus. Für einen Teil des Textes hatte sie 1991 bereits den Ingeborg Bachmann Preis in Klagenfurt erhalten. In den folgenden Jahren erscheinen zwei weitere Romane, die mit dem Debütroman eine Trilogie ergeben: Die Brücke vom Goldenen Horn (1998) und Seltsame Sterne starren zur Erde (2003).

Und mit Jens Sparschuh (Der Schneemensch, Der Zimmerspringbrunnen 1995) gewinnt der Verlag seinen ersten ostdeutschen Autor nach der Wende.

Außerdem schließt der Verlag einen Vertrag mit dem österreichischen Autor Alois Hotschnig, dessen Theaterstück Absolution 1994 erscheint.

Auch Alice Schwarzer wird 1993 mit Eine tödliche Liebe, ihrem Buch über Petra Kelly und Gert Bastian, Autorin von Kiepenheuer & Witsch.

In der KiWi-Paperback-Reihe unternimmt ein Fernseh-Star einen »Kurzausflug ans Ende des Verstandes«: Harald Schmidts Tränen im Aquarium wird zum Bestseller.

Uwe Timms Novelle Die Entdeckung der Currywurst wird mit über 100.000 verkauften Exemplaren ein enormer literarischer Erfolg.

1994

Martin Hielscher übernimmt Anfang des Jahres das Lektorat für deutsche Literatur bei Kiepenheuer & Witsch von Renate Matthaei.

Peter Härtling entscheidet sich nach seiner Trennung vom Luchterhand-Verlag, künftig seine Bücher bei Kiepenheuer & Witsch herauszubringen. Den Anfang macht seine Novelle Bozena. Der Verlag setzt die bei Luchterhand begonnene und von Klaus Siblewski herausgegebene Ausgabe seiner Werke fort, deren neunter und letzter Band 2000 erscheint.

Einen großen Erfolg erlebt der Verlag mit der später auch verfilmten tragischen Liebesgeschichte Aimée und Jaguar von Erica Fischer.

Joschka Fischer veröffentlicht mit Risiko Deutschland. Krise und Zukunft der deutschen Politik, ein Sachbuch von grundsätzlicher politischer Bedeutung.

Wolf Biermann überträgt Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk von Jizchak Katzenelson vom Jiddischen ins Deutsche.

Zu heftigen Diskussionen mit Vertretern neumodischer Ernährungstheorien führt die Veröffentlichung des Bandes Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung von Udo Pollmer u.a.

Daniel Pennac wechselt zu Kiepenheuer & Witsch. Sein Wie ein Roman wird zu einem der Lieblingsbücher des deutschen Buchhandels.

Zum 100. Geburtstag von Joseph Roth erscheint der von Victoria Lunzer-Talos und Heinz Lunzer herausgegebene Band Joseph Roth. Leben und Werk in Bildern.

1995

Kiepenheuer & Witsch stellt einen neuen norwegischen Autor vor. Der Roman Choral am Ende der Reise von Erik Fosnes Hansen, der die Schicksale der Musiker an Bord der Titanic schildert, wird zum Überraschungserfolg des Jahres.

Heiner Geißler legt mit Gefährlicher Sieg eine kritische Analyse der Bundestagswahl 1994 und ihrer Folgen vor.

Nach dem Erfolg der deutschen wie auch der amerikanischen Ausgabe von Heinrich Bölls Der blasse Hund wird der Erzählungsband von der New York Times zu einem der 100 wichtigsten Bücher des Jahres ernannt.

Unter den zahlreichen Neuerscheinungen deutscher Autoren erhält der Roman Faserland des noch jungen Autors Christian Kracht größte Aufmerksamkeit, die in den nächsten Jahren auch international stetig steigen wird.

Kerstin Gleba kommt als Lektorin für die KiWi-Paperback-Reihe zu Kiepenheuer & Witsch.

1996

Zwei Autobiographien bestimmen das Sachbuchprogramm des Verlages: Gretchen Dutschkes Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben und die Erinnerungen von Hildegard Hamm-Brücher Freiheit ist mehr als ein Wort.

Martin Hielscher stellt in Wenn der Kater kommt 38 neue deutschsprachige Autorinnen und Autoren vor.

Mit Nick Hornby gewinnt Kiepenheuer & Witsch einen der wichtigsten Vertreter der jüngeren englischen Literatur. Seine Romane High Fidelity, Fever Pitch, A Long Way Down, About a Boy u.a. werden auch in Deutschland zu Kultbüchern.

Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht die Werke von Dieter Wellershoff in einer sechsbändigen Ausgabe.

Ende August lädt der Verlag seine deutschsprachigen belletristischen Autoren für drei Tage zu einem Treffen ins Bergische Land ein, bei dem ca. 30 Autoren aus unveröffentlichten Manuskripten lesen.

Kiepenheuer & Witsch wird Gesellschafter von Der HörVerlag in München.

1997

Der Verlag beginnt mit der Übersetzung der Romane von Noëlle Châtelet (Die Dame in Blau).

Mit Irvine Welsh _ kommt nach Nick Hornby ein weiterer bedeutender Vertreter der jungen englischen Literatur zum Verlag. Einen Bestseller landet der amerikanische Schauspieler Ethan Hawke mit seinem Debüt-Roman _Hin und weg.

Lutz Dursthoff tritt im Oktober in den Verlag ein und übernimmt die Leitung des Sachbuchlektorats.

Die neue Mitarbeiterin Gudrun Fähndrich beginnt ihre Tätigkeit in der Leitung der Presseabteilung.

1998

Der Verlag veröffentlicht Unterwelt, das epochale Werk von Don DeLillo.

Peter Ustinov wechselt zu Kiepenheuer & Witsch. Sein Roman Monsieur René wird ein Bestsellererfolg.

Ein Riesenerfolg mit über 70.000 verkauften Exemplaren stellt sich auch für den neuen Roman von Peter Härtling Große, kleine Schwester ein.

In der KiWi-Paperback-Reihe erscheint der Roman Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre, der in den Medien heftige Diskussionen auslöst.

Kiepenheuer & Witsch feiert in seinem Programm den 100. Geburtstag von Erich Maria Remarque. Aus diesem Anlass erscheinen in der KiWi-Paperback-Reihe 15 Neuausgaben seiner bedeutendsten Werke, sein früher Roman Station am Horizont als Erstveröffentlichung und in einer Kassette in vier Bänden frühe Prosa, Werke aus dem Nachlass sowie Briefe und Tagebücher unter dem Titel Das unbekannte Werk. Gleichzeitig legt Wilhelm von Sternburg seine Remarque-Biographie Als wäre alles das letzte Mal vor.

Kathrin Schmidts Debütroman Die Gunnar-Lennefsen-Expedition wird beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt mit dem Preis des Landes Kärnten ausgezeichnet.

Ende des Jahres erwirbt die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck eine Minderheitsbeteiligung und wird Gesellschafter des Verlags Kiepenheuer & Witsch.

1999

Julian Barnes, einer der bedeutendsten englischen Schriftsteller, wechselt zu Kiepenheuer & Witsch. Sein neuer Roman England, England wird von der literarischen Kritik gleichwertig neben Flauberts Papagei gestellt.

Mein langer Lauf zu mir selbst, das neue Buch von Joschka Fischer, erobert für über zwölf Monate die ersten Plätze der Bestsellerlisten.

Die KiWi-Paperback-Reihe verdoppelt in diesem Jahr die Zahl der verkauften Exemplare.
Größte Erfolge sind der später auch verfilmte Roman Crazy von Benjamin Lebert und die Bücher von Benjamin von Stuckrad-Barre, beginnend mit Soloalbum im Jahr 1998.

Auch der »Roman aus dem Beziehungsdschungel«, Baby, wann heiratest du mich? von Christine Westermann, erlebt zahlreiche Auflagen.
Zum 60. Todestag von Joseph Roth veröffentlicht der Verlag in KiWi-Paperback sechs seiner Hauptwerke und eine vierbändige Kassette mit seinen Romanen.

Eine anhaltende Diskussion löst Homo s@piens. Leben im 21. Jahrhundert von Ray Kurzweil mit der Frage aus »Was bleibt vom Menschen?«.

2000

25 Jahre nach Der kleine Unterschied von Alice Schwarzer erscheint ihr grundlegendes Buch zur Frauenbewegung Der große Unterschied.

Michael -Kumpfmüllers erfolgreiches Debut Hampels Fluchten wird zum meistdiskutierten Roman eines neuen deutschen Autors.

Der Liebeswunsch von Dieter Wellershoff wird als Meisterwerk gefeiert und bis Ende des Jahres in 95.000 Exemplaren verkauft.

Unter dem Titel Der andere Deutsche – verfasst von Heinrich Vormweg – erscheint die erste große Heinrich-Böll-Biographie.

Das Sachbuch-Programm des Verlages verzeichnet mehrere Höhepunkte, darunter die Erinnerungen von Günter Lamprecht Und wehmütig bin ich immer noch an seine Jugend in Berlin, der Bericht Mein Weg führt nach Tibet von Sabriye Tenberken über die blinden Kinder von Lhasa und die Schilderung von Fritz Pleitgen seiner abenteuerlichen Reisen Durch den wilden Kaukasus.

In KiWi-Paperback gedenkt der Verlag mit der Veröffentlichung von sieben seiner Hauptwerke des Schriftstellers Ignazio Silone.

Mit dem Roman Saga von Tobias Hülswitt und dem Tagebuch Losleben beginnt Kiepenheuer & Witsch eine editorische Zusammenarbeit mit dem jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Im Mai stellt der Verlag das Imprint KiWi Köln der Öffentlichkeit vor. Die auf Bücher aus und über das Rheinland spezialisierte Reihe wird geplant mit Rainer Osnowski, Werner Köhler und Edmund Labonté und startet mit sieben Titeln, darunter Hanns Dieter Hüschs Essen kommen! und dem Band Köln. Eine lebendige Stadtgeschichte von Martin Stankowski und Inge Wozelka.

2001

Kiepenheuer & Witsch feiert sein 50-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsveranstaltungen beginnen im März auf der Leipziger Buchmesse mit Lesungen u.a. von Peter Härtling aus seinem Roman Hoffmann oder Die vielfältige Liebe und von Carola Stern aus ihren Memoiren mit dem Titel Doppelleben.

Anfang April erscheinen die ersten Bände der neu gestalteten KiWi-Paperback-Reihe. Aufgrund ihrer großen Erfolge während der letzten Jahre wird die Zahl der KiWi-Paperback-Neuerscheinungen auf ca. 50 pro Jahr erhöht.

Im Mai erhält Uwe Timm den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München.

Im Juni lädt der Verlag aus Anlass seines Jubiläums über 100 seiner deutschsprachigen Autoren zu einem Treffen nach Köln ein. Mit Lesungen, Diskussionen und einem Fest im Verlagsgarten finden die Geburtstagsfeierlichkeiten ihren Höhepunkt.

Olaf Petersenn übernimmt das Lektorat für deutsche Literatur von Martin Hielscher.

Mit besonderer Aufmerksamkeit bei der literarischen Kritik und bei den Lesern werden bedacht: die neuen Romane von Uwe Timm, Christian Kracht und Nick Hornby, der Briefwechsel zwischen Erich Maria Remarque und Marlene Dietrich mit dem Titel Sag mir, daß Du mich liebst und nicht zuletzt Heinrich Böll, Briefe aus dem Krieg in 2 Bänden.

Zum Jahresende legt Reinhold Neven Du Mont die Geschäftsführung nieder, bleibt jedoch dem Verlag Kiepenheuer & Witsch als Minderheitsgesellschafter (15%) und Berater verbunden.

Die Mehrheit der Anteile (85%) geht an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der Kiepenheuer & Witsch seitdem gehört (in Deutschland neben den Verlagen Rowohlt, S. Fischer und Droemer/Knaur).

2002

Am 1. Januar wird Helge Malchow neuer verlegerischer Geschäftsführer bei Kiepenheuer & Witsch, Peter Roik wird kaufmännischer Geschäftsführer. Gaby Callenberg, Leiterin der Marketingabteilung, wird Mitglied der Geschäftsleitung.

Große Erfolge sind in der ausländischen Literatur zu feiern mit dem zweiten Roman von Ethan Hawke _ , mit Julian Barnes’ _Liebe usw., mit dem zweiten Buch von David Foster Wallace Kurze Interviews mit fiesen Männern und mit Michael Chabons Roman Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay, für den der Autor den Pulitzer-Preis erhält.

In der deutschsprachigen Literatur findet Liane Dirks’ Vier Arten meiner Vater zu beerdigen großes literarisches Lob und mit German Amok wird Feridun Zaimoglu Autor des Verlags. U. a. beginnt der Verlag mit der Edition der Kölner Ausgabe der Werke von Heinrich Böll, Band 2 mit dem bisher unveröffentlichten Roman Kreuz ohne Liebe ist eine kleine Sensation. Der Beginn der auf 27 Bände angelegten Edition wird in Köln mit einer Veranstaltung gefeiert – unter Teilnahme des Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Große Bestseller werden Kurt Cobains Tagebücher und der 1. Teil der Memoiren von G. García Márquez Leben, um davon zu erzählen.

Ein Bestseller in der KiWi-Paperback-Reihe und sofort ein Klassiker der deutschen Fußballliteratur wird Der Traumhüter von Ronald Reng, ebenso wie der erste DJ-Roman von Hans Nieswandt plus minus acht.

Kerstin Gleba wird Programmleiterin Belletristik für Hardcover und KiWi-Paperback bei Kiepenheuer & Witsch, Lutz Dursthoff Programmleiter Sachbuch.

2003

Im Frühjahr erscheint der Roman Esra von Maxim Biller, gegen dessen Verbreitung durch den Verlag kurz nach der Veröffentlichung eine einstweilige Verfügung aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen ergeht. Jahrelange Prozesse folgen, in denen Kiepenheuer & Witsch versucht, die Freiheit der Kunst gegen die persönlichkeitsrechtlichen Einsprüche zu verteidigen (bis zur endgültigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes im Herbst 2007).

In der deutschsprachigen Literatur erscheinen unter großer öffentlicher Beachtung die Erinnerungen von Peter Härtling Leben lernen und Michael Kumpfmüllers zweiter Roman Durst, in der englischsprachigen Literatur Don DeLillos Roman Cosmopolis.

Im Bereich des politischen Sachbuchs entfachen zwei zeitgeschichtliche Bücher heftige Diskussionen um die 68er Bewegung: Die Tagebücher von Rudi Dutschke und Gerd Koenens Untersuchung der »Urszenen des deutschen Terrorismus« unter dem Titel Vesper, Ensslin, Baader.

Uwe Timms Buch Am Beispiel meines Bruders, das monatelang auf allen Bestsellerlisten steht, unterstreicht die herausragende Rolle Uwe Timms in der deutschsprachigen Literatur.

Daneben erlebt Jonathan Safran Foer mit seinem ersten Roman Alles ist erleuchtet in vielen Ländern und so auch in Deutschland sofort seinen Durchbruch.

In der KiWi-Paperback-Reihe wird der Roman Zwölf des jungen US-Amerikaners Nick McDonell der Taschenbuchbestseller des Jahres, begleitet von Benjamin Leberts zweitem Roman Der Vogel ist ein Rabe.
Die politische Debatte wird von zwei Büchern befeuert, die die US-Begründungen für einen Krieg gegen den Irak kritisch durchleuchten und widerlegen: Scott Ritters Krieg gegen den Irak und Hans von Sponecks und Andreas Zumachs Irak – Chronik eines gewollten Krieges.

2004

Die Cheflektorin für Belletristik Kerstin Gleba wird Mitglied der Geschäftsleitung von Kiepenheuer & Witsch.

Zwei Autoren des Verlags erobern mit bisher unbekannten Verkaufszahlen (Ausnahme: Günter Wallraffs Ganz unten aus dem Jahr 1985) die Bestsellerlisten: Der Kölner Autor Frank Schätzing mit seinem Millionenseller Der Schwarm und Bastian Sicks Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, ein heiterer Führer durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Inklusive der Folgebände sind bis heute weit mehr als 4 Millionen Exemplare verkauft worden.

Große Beachtung findet auch der erste Roman der mittlerweile bekanntesten polnischen Autorin der jüngeren Generation: Dorota Maslowskas Schneeweiß und Russenrot sowie der erste Roman von David Foster Wallace auf Deutsch: Der Besen im System.

Ein internationales publizistisches Ereignis ist das Erscheinen des lange erwarteten Romans Erinnerungen an meine traurigen Huren des Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez.

Zwei große europäische Film- und Theaterkünstler veröffentlichen bei KiWi ihre Erinnerungen: Mario Adorf und Dario Fo.

2005

Eva Menasses Roman Vienna wird nicht nur ein Ereignis für die Kritik und den Buchhandel, die Übersetzungsrechte werden auch in zahlreiche Länder vergeben. Desgleichen Uwe Timms heftig diskutiertes Buch über seine Freundschaft mit Benno Ohnesorg Der Freund und der Fremde.

Nick Hornbys Roman A long way down und Jonathan Safran Foers zweiter Band Extrem laut und unglaublich nah werden zu Bestsellern.

Auch drei Musik-Bücher werden große Erfolge: die Memoiren Scar Tissue von Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers, Bono über Bono (U 2) und Greil Marcus’ Studie über die Entstehung von Bob Dylans Jahrhundertsong Like a rolling stone.

Von Necla Keleks Die fremde Braut gehen starke Impulse für politische Debatten aus.

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer liefert mit Die Rückkehr der Geschichte die kritische Analyse neokonservativer Positionen in der US-amerikanischen Publizistik und politischen Theorie.

Helge Malchow wird zum Verleger des Jahres gewählt. In der Begründung heißt es: » Kiepenheuer & Witsch hat 2005 alle Grenzen gesprengt. …Es hagelte Preise: für Eva Menasse, Dieter Wellershoff, Feridun Zaimoglu und den Deutschen Jugendbuchpreis für Dorota Maslowska. Dazu kamen zehn Bestseller auf der Liste«.

2006

Volker Weidermann löst mit seiner kurzen Geschichte der deutschen Literatur nach 1945 Lichtjahre eine heftige literarische Debatte aus. Ein seltener Fall: ein Buch über Literatur, das ein Bestseller wird.

Herausragende Bucherscheinungen sind auch Bret Easton Ellis’ Roman Lunar Park und John Banvilles Die See, die eine überwältigende Resonanz bei der Kritik findet und Frank Schätzings Nachrichten aus einem unbekannten Universum, eine kurze Geschichte der Evolution und eine Art Sachbuch-Nachtrag zum Roman Der Schwarm (2004).

Thomas Hettche wechselt mit seinem Roman Woraus wir gemacht sind zu Kiepenheuer & Witsch, von Feridun Zaimoglu erscheint sein bisher umfangreichster und ambitioniertester Roman Leyla.

Von der englischen Bestsellerautorin Zadie Smith erscheint das erste Buch bei Kiepenheuer & Witsch: Von der Schönheit.

Senta Bergers Erinnerungen Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann werden zu einem großen Bestseller.

2007

A.M. Homes’ Dieses Buch wird Ihr Leben retten, Julian Barnes’ Arthur und George und Don DeLillos Roman über den 11. September Falling Man werden bemerkenswerte Erfolge in der ausländischen Belletristik ebenso wie E.L. Doctorows Der Marsch, der auf überwältigende Resonanz stößt.

Kerstin Gleba gibt gemeinsam mit Eckhard Schumacher die Anthologie Pop – seit 1964 heraus, die Texte von Rolf Dieter Brinkmann bis Thomas Meinecke, Stuckrad-Barre und Rainald Goetz versammelt

Einen dauerhaften Platz auf den Bestsellerlisten nimmt Bastian Sicks Happy Aua, ein »Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache« ein. Ebenso ein Buch von Harald Schmidt, über das er richtig sagt: »Wer auf dem Weg zum Gate noch schnellma dieses Buch kauft, hat vier Bestseller auf einmal«. Titel: Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv. Eine Vermessung.

Vor allem aber beginnt in diesem Jahr mit Der nasse Fisch Volker Kutschers Erfolgsgeschichte mit seinen Kriminalromanen, die in den frühen 30er Jahren spielen.

Im politischen Sachbuch dominieren Joschka Fischers Erinnerungen an die rot-grüne Regierungszeit von 1998 bis 2005, die Memoiren von Ralph Giordano Erinnerungen eines Davongekommenen, und Alice Schwarzers Die Antwort – eine feministische Bestandsaufnahme der Geschlechterverhältnisse in Deutschland 32 Jahre nach Der kleine Unterschied.

Das hervorstechende Buch in der deutschen Literatur und auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises: Katja Lange-Müllers Böse Schafe, mit dem sich die Autorin endgültig in die Riege der besten deutschsprachigen Gegenwartsautoren schreibt. Ein bemerkenswertes Debüt ist Harriet Köhlers Roman Ostersonntag, der vielfach von der Kritik besprochen und gelobt wird. Maxim Billers short stories Liebe heute werden auch im Ausland ein Erfolg, nachdem einige der Texte im New Yorker erschienen waren.

2008

Nach fast 60 Jahren zieht der Verlag um. Neuer Verlagssitz ist das Deichmannhaus zwischen Kölner Dom und Hauptbahnhof.

Ein gigantischer Erfolg dieses Jahres (und der folgenden Jahre) ist der erste Roman der Literaturwissenschaftlerin Katharina Hagena Der Geschmack von Apfelkernen, die sich zuvor durch eine Arbeit über James Joyce einen Namen gemacht hatte und mit ihrem ersten literarischen Text sofort die Kritik, den Buchhandel und die Leser überzeugt. Bis heute liegt die Auflage dieses Longsellers bei nahezu 1 Million Exemplaren.

Daneben glänzen weitere Debütanten (Alina Bronsky mit Scherbenpark und Thomas Pletzinger mit Bestattung eines Hundes), sowie Uwe Timm mit seinem Roman Halbschatten und Christian Kracht mit seinem dritten Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Uwe Timms und Christian Krachts Romane unterstreichen die zentrale Bedeutung dieser beiden Autoren für Kiepenheuer & Witsch und für die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.

Und: Der Nobelpreis für Literatur geht an J.M. Le Clézio – so dass seine Bücher auch in Deutschland endlich den verdienten Erfolg erleben. Volker Weidermann bringt zum zweiten Mal das Kunststück fertig, mit einem Buch über Literatur in die Bestsellerlisten zu gelangen: Das Buch der verbrannten Bücher, eine bestechende Wiederentdeckung der Bücher und Autoren, die die Nazis durch ihre Barbarei in die Vergessenheit gestoßen hatten.

Peter Schneiders Erinnerungen an ´68 unter dem Titel, 40 Jahre danach Rebellion und Wahn, sind schon heute ein Klassiker und ein Modell kritischen Zurückblickens auf die eigene Vergangenheit.

2009

Der 1.600 Seiten starke Roman Unendlicher Spaß des 2008 verstorbenen David Foster Wallace in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach ist ohne Zweifel das literarische Ereignis des Jahres in Deutschland.
Sogleich daneben der Deutsche Buchpreis für Kathrin Schmidts Du stirbst nicht, ein Buch, das die Autorin endlich in die erste Reihe der deutschsprachigen Literatur stellt.

Der größte Verkaufserfolg des Verlags seit Jahren ist Frank Schätzings Ausnahmethriller Limit, der alle Grenzen sprengt: Umfang 1.300 Seiten, Verkauf in wenigen Wochen 500.000 Exemplare.

Weitere Plätze auf der Bestsellerliste über Monate besetzen Moritz Netenjakobs Macho Man, Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt (mit Giovanni di Lorenzo) und Christoph Schlingensiefs berührendes Tagebuch seiner Krebserkrankung So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein. Daneben Nick Cave mit Der Tod des Bunny Monroe, der bei KiWi die Reihe der Bücher von großen Pop-Musikern fortsetzt.

Nach vielen Jahren erscheint in der KiWi-Reihe wieder ein neues Buch von Günter Wallraff, das sofort wieder ein großer Verkaufserfolg wird: Aus der schönen neuen Welt. Die neuen Reportagen aus der Arbeitswelt (Call-Center, Lidl-Bäckerei) führen wie immer zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen und zu Gesetzesänderungen zum Schutz von Lohnabhängigen und Konsumenten. Ein weiterer Bestseller wird sogleich Ranga Yogeshwars erstes Buch Sonst noch Fragen?.

Im Herbst dieses Jahres erscheinen die ersten Bücher des neuen Imprints Galiani Berlin, das von Wolfgang Hörner und Esther Kormann geführt wird. Der größte Erfolg in diesem ersten Programm ist die Reportagensammlung Nichts als die Welt mit Texten aus 2.500 Jahren von Georg Brunold.

2010

Die Erfolge der deutschsprachigen Literatur werden immer größer: Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis versammeln sich vier (!) Verlags-Autoren: Jan Faktor, Thomas Hettche, Alina Bronsky und Peter Wawerzinek _ mit neuen Romanen. Darüber hinaus sind Moritz Rinkes erster Roman _Der Mann der durchs Jahrhundert fiel und Moritz von Uslars literarische Reportage Deutschboden und Benjamin von Stuckrad-Barres Reportageband Auch Deutsche unter den Opfern und auch Volker Weidermanns Max-Frisch-Biografie sofort große Verkaufserfolge. Alle diese Bücher führen zu lebhafter Resonanz bei der Kritik und bei Lesern – ebenso wie der Abschluss der 27-bändigen Kölner Ausgabe der Werke von Heinrich Böll.

Der größte Erfolg wird Peter Wawerzineks Rabenliebe, für den der Autor den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt erhält.

Mittlerweile ist der Verlag in der Lage, auf allen Gebieten seiner Aktivitäten zugleich eine Vielzahl von Büchern »durchzusetzen«: In der ausländischen Literatur (Don DeLillo Der Omega-Punkt, Sofi Oksanen Fegefeuer und Herman Koch Angerichtet), im Sachbuch (Jonathan S. Foer Tiere essen, Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo Wofür stehst Du?, Ranga Yogeshwar Ach so! und Wie gut ist Ihre Allgemeinbildung? von Martin Doerry und Markus Verbeet), in der unterhaltenden Belletristik (Cordula Stratmann Sie da oben, er da unten, Michael Mittermeier Achtung Baby, Monika Peetz Die Dienstagsfrauen), und in der Popkultur (Patti Smith Just Kids).

Damit waren die Jahre 2009 und 2010 die Erfolgsjahre der Verlagsgeschichte, sowohl ökonomisch als auch kulturell.


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