Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, verbrannte Deutschland seine Bücher.

Dieses Buch der verbrannten Bücher erzählt erstmals die Lebensgeschichten aller Autoren, deren Werke in Flammen aufgingen. Es erzählt die Geschichte jener Nacht im Mai, in der in Deutschland die Bücher brannten. Und es erzählt die Geschichten der Bücher, die für immer ausgelöscht werden sollten. Es ist ein Buch gegen diese Auslöschung, ein Buch voller unglaublicher Geschichten. Ein Dokument gegen das Vergessen.

Nach dem überwältigenden Erfolg von Lichtjahre, seiner kurzen Geschichte der deutschen Literatur nach 1945, wendet Volker Weidermann den Blick zurück auf die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. Seine Mission: diese Bücher, diese Autoren dem Vergessen entreißen!





Ein Abend im Mai - und wie es dazu kam

Es wurde angekündigt als »Aktion wider den undeutschen Geist«: Die akribische landesweite Vorbereitung gipfelte am 10. Mai 1933 in der Errichtung von Scheiterhaufen in vielen deutschen Städten, auf die dann Studenten, Bibliothekare, Professoren und SA-Leute in einer gespenstischen Feierstunde die Bücher warfen, die nicht mit ihrer menschenverachtenden Ideologie vereinbar waren. Unvergessen die Tonbandmitschnitte, die dokumentieren, wie Joseph Goebbels auf dem Platz neben der Berliner Staatsoper mit den Worten »Und wir übergeben den Flammen die Werke von …« die einzelnen Autoren aufrief, von denen einige sogar anwesend waren.



Hören Sie eine erhalten gebliebene Original-Rundfunkreportage vom 10. Mai 1993 zur Bücherverbrenung auf dem Berliner Opernplatz



Leseprobe

Lesen Sie Volker Weidermanns Einleitung:

Volker Weidermann erzählt darin die Vorgeschichte des 10. Mai 1933, er schildert wie dieser Tag verlief, an dem es trotzig regnete, er erzählt von den Werken und ihren Autoren – und davon, wie willfährige Buchhändler und Bibliothekare die Bücher aus ihren Regalen entfernten, so gründlich, dass viele Werke und Autoren danach nicht wieder zum Vorschein kamen.

Ein Abend im Mai – und wie es dazu kam



Ein Bibliothekar und eine schwarze Liste

Nach der parlamentarischen Machtübernahme durch Hitler und die NSDAP am 30. Januar 1933, vor allem nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar und nach dem Judenboykott am 1. April, darf die Bücherverbrennung vom 10. Mai als weiteres »Spektakel« einer »revolutionären Phase« der nationalsozialistischen Machtergreifung gelten.

Hauptverantwortlich für die Organisation und Durchführung der Bücherverbrennung war allerdings nicht – wie oft angenommen – Goebbels und das Ministerium für Presse und Propaganda, sondern die Deutsche Stundenschaft (DSt) und der Nationalsozialistische Deutsche Stundenbund (NSDStB). Auch das Dokument, das der Bücherverbrennung zugrunde liegt, stammt nicht aus der Feder des Propagandaministers. Es war ein Bibliothekar namens Wolfgang Herrmann, der die Urliste aller Listen erstellte, nach denen dann die Scheiterhaufen bedient wurden.

Herrmanns schwarze Liste für »Schöne Literatur« umfasst insgesamt 131 Autoren. Drei Tage nach der Bücherverbrennung druckt das Börsenblatt zunächst die Namen der Autoren, die am »bedrohlichsten und undeutschesten« – so es da eine Steigerung gibt – erschienen: Lion Feuchtwanger, Ernst Glaeser, Arthur Holitscher, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Ernst Ottwalt, Theodor Plievier, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky und Arnold Zweig.

Am 16. Mai 1933 veröffentlicht das Börsenblatt dann schließlich die ganze lange Liste, die Liste der 131 Namen. Sie war die Grundlage für die Bücherverbrennung und blieb ein Leitfaden für alle späteren Verbotslisten im nationalsozialistischen Deutschland.



Alle Namen der 131 verbrannten Autoren:



Kennen Sie Armin T. Wegner, Maria Leitner oder Hanns Heinz Ewers?

Volker Weidermann

Der eigentliche Schwerpunkt des Buches von Volker Weidermann sind die über 100 Lebens- und Werkgeschichten von Schriftstellern, darunter neben Klassikern wie Kästner, Döblin, Tucholsky, Zweig, Brecht und Remarque auch völlig vergessene wie Rudolf Braune, ausländische Autoren wie Ernest Hemingway, und sehr viele, wie z.B. Hermann Essig und Maria Leitner, die unbedingt wiedergelesen werden sollten.

Das Ergebnis ist ein Buch, das zahlreiche Schätze birgt, ein Buch voller Entdeckungen, ein Buch über Bücher, Schicksale und ein Land, in dem zuerst Bücher verbrannt wurden und dann Menschen.



Volker Weidermann im Radio-Interview



Das Buch der verbrannten Bücher

Volker Weidermann

Das Buch der verbrannten Bücher

gebunden mit SU, Erscheinungsdatum: 06.03.2008

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933: Wie es dazu kam, welche Bücher verbrannt wurden und was mit den Autoren geschah
Nach dem überwältigenden Erfolg von Lichtjahre, seiner kurzen Geschichte der deutschen Literatur nach 1945, wendet Volker Weidermann den ...