Aus dem Notizbuch des Verlegers #3

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen acht Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich?

Wir zeigen es Ihnen ab sofort in unserer neuen Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow kürzlich den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

Kleist, der Krieg und die Welt: Dankesrede von Katja Lange-Müller zum Kleist-Preis

© Ute Mahler

© Ute Mahler

Dankesrede

Katja Lange-Müller

zum Kleist-Preis 2013

am 17. November 2013

im Berliner Ensemble

 

 

KLEIST,  DER  KRIEG  UND  DIE  WELT

„Jahrgang 21 und lebend…“, mit diesen Worten begann eine Rede, eigentlich eine Selbstauskunft, des Autors Max Walter Schulz, der während meines Studiums am Literaturinstitut der DDR in Leipzig dessen Direktor war und der dann, 1991, doch eines sogenannten natürlichen Todes starb. Damals begriff ich nicht gleich, was Schulz meinte, schon gar nicht, warum, als er von sich sprach, in seiner Stimme ungläubiges Staunen, verhaltene Trauer und leiser Stolz mitschwangen; vielleicht nicht in dieser Reihenfolge, aber sicher in dieser Kombination. Also machte ich mich schlau und las in einem Buch, dass sehr viele deutsche Männer gerade des Jahrgangs 1921 während des 2. Weltkriegs den „Tod gefunden“ hätten. Den Tod gefunden? – grübelte ich. Haben sie ihn denn gesucht? Artikel lesen ›

22.11.1963: Mord in Dallas – Don DeLillos Roman «Libra»

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»Libra« von Don DeLillo

Vor 50 Jahren, am 22. November 1963, wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy in Dallas ermordet.

Fiktion und Wirklichkeit verschmelzen nahtlos, wenn Don DeLillo das Leben des Todesschützen Lee Harvey Oswald darstellt und die Ereignisse und Machenschaften schildert, die zu Kennedys Ermordung führten.

Don DeLillo entwirft in Libra ein Bild von der Schattenseite Amerikas. Die Bilder sind unvergesslich: Die Limousine John F. Kennedys am 22. November 1963 in Dallas, der aus dem Hinterhalt tödlich getroffene Präsident, die Verzweiflung der First Lady. Artikel lesen ›

Wie Andy Warhol den Mord an J.F.Kennedy »verarbeitete« – Party des Jahrhunderts #6

Craig Brown BannerANDY WARHOL ignoriert JACKIE KENNEDY
Fifth Avenue 1040, New York
20. Dezember 1978

Mit Präsidenten und First Ladys hat Andy Warhol irgendwie kein Glück. Sie kommen einfach nicht mit ihm klar. Nach einer Party für Newsweek im Jahre 1983 bemerkt er: »Es war eine langweilige Party. Keine Stars. Bloß Nancy Reagan und der Präsident und Mrs Carter.«
Aber sie können auch nützlich sein. Am 22. November 1963 ging er gerade durch die Grand Central Station, als bekannt gegeben wurde, dass Präsident Kennedy ermordet worden war. Warhol hielt inne, um die Nachricht zu verdauen, und sagte dann sachlich zu seinem Assistenten: »Tja, dann mal ran an die Arbeit.«
Einige Monate später hat er zahllose Bilder von Jackie Kennedy gefertigt. Manche basieren auf einem lächelnden Foto von ihr, kurz bevor ihr Mann erschossen wird, manche auf Fotos, die während seiner Beerdigung aufgenommen wurden, und manche auf einer Kombination von beiden. Artikel lesen ›

Ausgezeichnet: Dankesrede von Eva Menasse zum Gerty-Spies-Preis

© Ekko von Schwichow

© Ekko von Schwichow

Eva Menasse

Dankesrede

zur Verleihung des Gerty-Spies-Literaturpreises

der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

am Dienstag, den 24. September 2013,

im SWR-Funkhaus Rheinland-Pfalz in Mainz


Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Für jemanden, der eines Tages die Laufbahn eines Schriftstellers einschlägt, was man für eine größenwahnsinnige, eine mutige, obsessive, oder, wie meine armen Eltern, erst einmal für eine brotlose und besorgniserregende Entscheidung halten kann, kommen die Preise automatisch zuletzt. Zuerst braucht man ja viele Jahre lang so vieles andere: Eine Idee, einen Stoff, eine Sprache dafür, dann einen Verlag und einen Vertrag, und man ist auch gut bedient, wenn man, sobald das erste Buch geboren ist, ein paar Kritiken bekommt, gerne gute, aber schnell lernt man, dass auch eine ganz bestimmte Sorte von aufgebrachten, grünlich schäumenden Kritiken eine merkwürdige Art derWerbung erzeugen. Doch selbst die Kritiken braucht man nicht unbedingt, es gibt viele Bücher, die problemlos ohne auskommen, allen voran jene der sogenannten Unterhaltungsliteratur. Artikel lesen ›

Ausgezeichnet: Laudatio von Sigrid Löffler für Eva Menasse

© Ekko von Schwichow

© Ekko von Schwichow

Laudatio

für Eva Menasse

 

zur Verleihung des Gerty-Spies-Literaturpreises

der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

am Dienstag, den 24. September 2013,

im SWR-Funkhaus Rheinland-Pfalz in Mainz

 

Karl Kraus, der große Wiener Satiriker und Pamphletist, der gefürchtete Zeitungsleser und Berufsnörgler, ist eine Fundgrube für verräterische Sprache. Er war ein Alltagsarchäologe der Semantik, der unter dem Sprachschutt von Floskeln und gedankenlosen Redensarten die nackten Wahrheiten ausgrub und bloßstellte. Das Verhältnis zwischen den Österreichern und den Deutschen war für Karl Kraus ein Thema, an dem er seinen kritischen Witz stets aufs Neue schärfen konnte. Artikel lesen ›

5 Paar Gummistiefel – Eine Covergeschichte von Monika Peetz

© Bettina Fürst-Fastré

© Bettina Fürst-Fastré

Jeder publizierte Autor hat vermutlich diesen Moment, wo er zum ersten Mal realisiert, dass der Traum vom eigenen Buch wahr geworden ist. Bei mir war das der Moment, in dem ich zum ersten Mal das Cover der »Dienstagsfrauen« sah. Das appetitliche Bild mit den fünf Törtchen haute mich um. Ich war froh, die anderen Entwürfe erst Monate später zu Gesicht zu bekommen. In meiner Begeisterung, dass überhaupt ein Roman von mir veröffentlicht wird, wäre ich keine große Hilfe gewesen. Artikel lesen ›

Wie Andy Warhol einmal Nancy Reagan keine Sex-Fragen stellte – Party des Jahrhunderts #5

Craig Brown BannerNANCY REAGAN enttäuscht ANDY WARHOL

Weißes Haus, Washington DC
15. Oktober 1981

»Diese Leute vom Film sind seltsam«, sagt Andy Warhol beim Tee im Weißen Haus zur First Lady. »Die fangen schon an, über einen herzuziehen, noch ehe man aus dem Raum ist.«
Nancy Reagans Augen, die ohnehin schon unnatürlich groß sind, werden noch größer. Sie sieht Warhol an, als wäre er nicht bei Trost.
»Ich bin vom Film, Andy«, entgegnet sie.
Das Interview ist von Anfang an hölzern gelaufen. Mrs Reagan kann Kritik schlecht vertragen und wittert sie auf Anhieb. Das liegt an ihrem Sternzeichen. »Krebse sind häufig intuitiv, verletzlich, sensibel und haben Angst vor Spott. Das alles trifft leider auf mich zu«, schreibt sie in ihrer Autobiografie. »Das Symbol des Krebses ist der Krebspanzer: Krebse zeigen der Welt oft eine harte äußere Schale, die ihre Verwundbarkeit verbirgt. Werden sie verletzt, ziehen sie sich in sich selbst zurück. Das beschreibt mich gut.«
Warhol selbst hat sich den Reagans durchaus krebsartig angenähert. Artikel lesen ›

»Wie schreiben Sie eigentlich … Alina Bronsky?«

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© Bettina Fürst-Fastré

Für ihren Debütroman »Scherbenpark« erhielt Alina Bronsky 2008 großes Kritikerlob. »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, Alina Bronsky zur »aufregendsten Newcomerin der Saison« (Der Spiegel). Ihr zweiter Roman »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« erschien 2011 und war ebenfalls ein Kritikererfolg und Bestseller. »Scherbenpark« ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht und wurde gerade fürs Kino verfilmt. Die hoch produktive Alina Bronsky hat sich in den letzten Jahren zudem erfolgreich als Jugendbuchautorin etabliert. Ihre Romane erscheinen mittlerweile in 15 Ländern. In diesem Herbst ist ihr neuer Roman »Nenn mich einfach Superheld« bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Ein guter Anlass, um mit Alina Bronsky einmal über Romanfiguren in extremen Lebenslagen und das Entstehen ihrer Bücher, über Übersetzungen und Literaturverfilmungen zu reden. Das Interview führte Isabel Bogdan (Übersetzerin, Autorin und Bloggerin). Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #2

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen acht Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich?

Wir zeigen es Ihnen ab sofort in unserer neuen Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow kürzlich den Proust-Fragebogen für Blogger aus.

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