»Was ich liebe, was ich hasse« mit Arnon Grünberg

Für die Printausgabe des Tagesspiegels hat Arnon Grünberg den Fragebogen »Was ich liebe, was ich hasse« ausgefüllt. Da es nicht alle Antworten ins Blatt geschafft haben, zeigen wir hier euch hier die extended version.

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DAS MAG ICH

Darüber habe ich mich zuletzt gefreut:

Ich freue mich oft oder jedenfalls oft genug, wenn ich eine Whatsapp-Nachricht oder SMS von meiner Freundin zu bekommen. Wir sind nicht oft zusammen, sie lebt in Holland, ich in New York und auch wenn ich auf Lesereise bin, so wie jetzt, kommt sie meistens nicht mit. Kommunikation über Whatsapp oder SMS finde ich ohnehin sehr interessant. In 2015 hatte ich eine kurze Liebesbeziehung mit einer Fotografin, die fast nur aus Whatsapp und SMS-Nachrichten bestand. Wie haben uns zwei, drei mal gesehen, und sonst war es Whatsapp. Irgendwie hat sich das doch sehr intim und leidenschaftlich angefühlt. Ironisch an SMS und Whatsapp ist auch, dass es ein ziemlich klares Machtspiel werden kann. Man schweigt, wenn man böse ist oder man guckt einfach nicht aufs Handy. Meine heutige Freundin hat am Anfang unserer Beziehung mal geschrieben: »Du darfst mich verlassen, aber du darfst mich nicht vergessen.« Eine SMS ist ein Zeichen, dass man doch nicht ganz vergessen ist. Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #25 (KiWi-Bibliothek und gute Musik)

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus.

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Unverlangt eingesandt #2

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Auf vielfachen Wunsch, wie es so schön heißt (und es ist wahr! Sogar die Presse zeigte sich begeistert.), gibt es jetzt einen zweiten Teil von »Unverlangt eingesandt« (→ zum ersten Teil).
In dieser Episode beißen wir ins Gras, werden auf falschem Fuß erwischt und zum Dr. Sommer-Team für die ganze Familie, lassen uns nicht entmutigen, auch wenn die Aufforderung zur BAföG-Rückzahlung überraschend kam und sind peinlich berührt, ob einer unfreiwilligen »verlegerischen« Leistung. Artikel lesen ›

Aus dem Notizbuch des Verlegers #24 (»Eine Literatur auf der Höhe der Zeit«)

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus. Artikel lesen ›

»Rauche! Staune! Gute Laune!« F.C. Delius zur Buchpremiere von Katja Lange-Müller

Am Dienstag, den 30. August,  fand in der Akademie der Künste in Berlin am Pariser Platz die vielbesuchte Buchpremiere von Katja Lange-Müllers Roman »Drehtür« statt. Die Begrüßungsworte im Namen der Akademie sprach der Schriftsteller F.C. Delius, die hier wiedergegeben sind. Das Buch hat schon jetzt zahlreiche begeisterte Rezensionen erfahren und steht auf der Longlist zum deutschen Buchpreis. Artikel lesen ›

Sommerliche Landpartie mit Autoren – Aus dem Verlegerleben#5

Es gab keinen besonderen Anlass, keine Notwendigkeit, keinen Hintergedanken. Die Idee, die deutschsprachigen Autoren des Verlages zu einem Treffen einzuladen, entstand in launiger Stimmung am Ende einer Mittwochsbesprechung, kam ins Protokoll, geriet dann für einige Zeit in Vergessenheit und erfuhr eine Wiederbelebung, als wir das Programm der Bücher verabschiedeten, die im Herbst 1996 erscheinen sollten.
Ich ließ mich von der allgemeinen Begeisterung anstecken, wollte aber – bevor ich mein endgültiges Okay gab – mit Dieter Wellershoff sprechen, um zu hören, was er von dem Plan hielt. »Ja«, meinte er, »es ist gut, wenn sich die Autoren kennenlernen. Aber, um Gottes willen, keine ganze Woche! Drei Tage genügen.« – Dann gab er mir noch den Rat, keine Außenstehenden, vor allem keine Literaturkritiker als Beobachter oder Kommentatoren einzuladen.

Vor der Verlagsvilla: Autorentreffen Ende August 1996

Vor der Verlagsvilla: Autorentreffen Ende August 1996

Gaby Callenberg, unsere Pressechefin, zog Erkundigungen ein. Ziel war es, im Bergischen Land einen Veranstaltungsort zu finden. Leicht war das nicht. Die Hotels waren entweder zu klein, zu abgelegen oder zu hässlich. Zwei kamen in die nähere Auswahl: Das eine lag unter einer Hochspannungsleitung an einer Fernstraße, wir entschieden uns für das andere. Es hatte den Charme der 70er-Jahre, aber brauchbare Räume und ein Schwimmbecken mit stark gechlortem Wasser. Wir buchten vom 29. bis 31. August. Das Kaff, in dem das Hotel lag, hieß Nümbrecht. Artikel lesen ›

»Rio gewann haushoch«: Rocko Schamoni erinnert sich an Rio Reiser

»König von Deutschland«. Rio Reisers Autobiographie

»König von Deutschland«. Rio Reisers Autobiographie

»König von Deutschland«, »Macht kaputt, was euch kaputt macht«, »Junimond« — Rio Reiser hat sich in unser kulturelles Gedächtnis eingesungen, und seine Kampf- und Liebeslieder inspirieren bis heute junge Musiker. Seine Autobiografie ist zugleich eine alternative Geschichte der Bundesrepublik. Ein Buch über eine wilde Zeit.

VORWORT (zur Neuausgabe von »König von Deutschland« anlässlich des 20. Todestag von Rio Reiser am 20. August 2016)

von Rocko Schamoni

Ich lernte Rio Reiser erst kennen, als ich in den frühen Achtzigern bereits selbst ins »Music Bizz« eingestiegen war. Rio avancierte zum König von Deutschland und ungefähr zur selben Zeit brachte mich die Polydor ins Rennen, man wollte mich zum neuen jungen Deutschpopsuperstar aufbauen. Zwei unserer Singles wurden gleichzeitig auf die Bahn geschickt. Rio gewann haushoch, von mir bekam quasi niemand etwas mit, ich wurde von der Staubwolke verschluckt, die er hinterließ. Artikel lesen ›

12 Fragen an Paula Fürstenberg #21

In den Salons des 19. Jahrhunderts waren Fragebögen ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Marcel Proust beantwortete auf einer Geburtstagsparty einen Fragebogen, der ob des berühmten Antwortgebers vielerorts gerne veröffentlicht wird und 38 Fragen umfasst. Wir möchten uns im Vergleich dazu aufs Wesentliche beschränken, und bitten an dieser Stelle unsere Autoren um Antworten auf 12 Fragen. Fragen, die um das Schreiben kreisen, die uns auf der Zunge brennen und am Herzen liegen. Artikel lesen ›

Unverlangt eingesandt

Kietenheuer

 

Im Keller steht ein Aktenordner von Herlitz. Er trägt die Bezeichnung „Kuriosa“. Darin befindlich: ein Best of der unverlangt eingesandten Manuskripte, Leserbriefe, bizarres Lob, heftige Kritik, Seltsamkeiten.

Ich kenne diesen Ordner noch aus meiner Ausbildung, damals stand er noch nicht im Keller, sondern im Büro der inzwischen abgetretenen Kollegin, bei der ich zwei Wochen lang Manuskripte prüfen durfte.  Diese ehemalige Kollegin muss diesen Ordner angelegt oder zumindest verwaltet haben. Ganz hinten im Ordner findet sich das erste Schriftstück, es stammt aus dem Jahr 1978, dabei handelt es sich um ein Exposé, das sich mit dem „Krebsproblem“ beschäftigt. Im Fokus steht die vom Autor „selbstständig gewonnene Erkenntnis“, dass sexuelle Not („Orgasmusmangel“) die wahre Ursache für zahlreiche Krebserkrankungen ist. Aha, wird die geschätzte Kollegin gedacht haben, das ist ja kurios!, und heftete es ab. Heftete ab bis 2015, sammelte Seltsamkeiten, siebenunddreißig Jahre lang. Artikel lesen ›

Nilz Bokelberg: »Ich konnte schon immer überall lesen«

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Ich konnte schon immer überall lesen. Im Auto, in der Bahn, beim Rumlaufen – überall. Es ist extrem hilfreich, dass ich keinen Führerschein habe und nicht schwimmen kann, denn bei beiden Tätigkeiten ist lesen vermutlich gar nicht so leicht. Ich hab mir neulich aber sogar ein „Duschbuch“ gekauft, das so ausgestattet ist, dass man es unter der Dusche lesen kann. Es ist eine Anleitung zum Singen, angeblich Co-geschrieben von einer ehemaligen Casting-Show-Teilnehmerin. Ihre Tipps sind sehr albern und naheliegend; ich würde von der Lektüre des Buchs zwar nicht abraten, aber sie auch nicht gleich aus vollem Herzen empfehlen. Als ich es gekauft habe, habe ich mich tierisch gefreut, dass jemand meine Bedürfnisse so gut erkannt hat: Unter der Dusche lesen ist schon seit meiner Jugend ein großer Traum. Damals hatte ich einen Stapel „Duschcomics“ – das waren zum größten Teil Micky Maus-Hefte, die ich aus meinem privaten Comic-Fundus aussortiert hatte. Wenn ich nun duschen ging, nahm ich eines der Hefte mit in die Kabine, feuchtete es etwas an und klebte es dann an die Duschwand. So konnte ich, handfrei, die Geschichte lesen. Perfektes Duschtainment! Artikel lesen ›