Aus dem Notizbuch des Verlegers #28 (»Historische Romane« von Uwe Timm & Sven Regener)

malchow 350pxMit einem Moleskine, das ihm der Rowohlt-Kollege Alexander Fest geschenkt hat, fing es an. Aus so einem ersten kleinen schwarzen Notizbuch wird im Laufe der Jahre schnell mal ein Berg. Das (im Bild unten) sind die vergangenen neun Jahre unseres Verlegers Helge Malchow in Stichworten. Was steht da drin? Was macht dieser Mann den ganzen Tag? Und was hat es mit dem einzigen roten Buch auf sich? Wir zeigen es Ihnen in unserer Kolumne »Aus dem Notizbuch des Verlegers«. Alle Einträge wurden von uns mit Fußnoten versehen, in diesen befinden sich Erklärungen, Enträtselungen zu den Notizen und – sehr niedrig dosiert – Werbung. Für das ZEITmagazin füllte Helge Malchow den Proust-Fragebogen für Blogger aus.

 

 

Es ist ein schöner Zufall, dass gerade in diesen Tagen bei KiWi und bei Galiani zwei Romane erscheinen, die beide auch von den Autoren als »historische Romane« bezeichnet werden: Uwe Timms »Ikarien« und Sven Regeners »Wiener Straße«. Jeweils andere Vergangenheiten: Das Westberliner Kreuzberg Anfang der 80er Jahre zwischen Punk und Mauerstillstand bei Sven Regener, bei Uwe Timm die »Stunde Null« 1945 in Deutschland (mit Rückblicken bis ins späte 19. Jahrhundert). Beide haben ausführliche Interviews (Uwe Timm | Sven Regener) gegeben, die höchst lesenswert sind und zugleich die Differenz zwischen Roman und dem Sprechen über den Roman verdeutlichen: Das Insistieren im Roman auf die Details der Ereignisse, auf die Unvergleichbarkeit der Figuren, die Konkretheit der Orte und Zeitpunkte, die Sinnlichkeit der einzelnen Momente, die Sprechweisen, die Landschaften, die Gebäude, das Essen und Trinken, die den Roman zum Roman machen. So wird für den Leser das Allgemeine, für heute Bedeutsame zum individuellen Erlebnis von Mitmenschen, die uns als Leser bereichern. Durch die enorme erzählerische Qualität beider Romane spürt man als Leser geradezu, welchen Preis man für die (notwendigen) Abstraktionen bezahlt, die zu soziologischem Wissen, zur Philosophie, Geschichte, Kulturgeschichte führen. Auch zur Literaturkritik, auch zu Rezensionen. Eine banale Erkenntnis, an zwei großartigen Büchern aufgefrischt: Das literarische Lesen, die Literatur als Erkenntnisweise unseres Lebens ist unersetzbar, als Korrektiv und als Ergänzung für alle anderen Formen des Wissens. Daran erinnern beide Bücher …

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