Post vom Kaffeedieb

KiWi-Autor Tom Hillenbrand, Verfasser erfolgreicher Kriminalromane, hat unlängst einen fabelhaften historischen Roman veröffentlicht. »Der Kaffedieb« ist ein 480 Seiten starker Abenteuerroman, »knallprall« wie der Stern schreibt, »blendend recherchiert«. Eine Recherche, die den Autor tief in die Welt seiner Protoganisten führte, so tief, dass es ihm heute noch manchmal schwerfällt, diese Welt zu verlassen. Ein besonderes Päckchen, das seinen Lektor kürzlich erreichte, zeugt davon. Danke, Tom! Wir zeigen Euch den beigelegten Brief von Obediah Chalon.

Tom Hillnebrand Kaffeedieb

London, 4. März 1686

Durchlauchtigste Exzellenzen,

wie mir Mister Wren gestern Abend, als wir im »Grecian’s« zusammensaßen, berichtete, ist dem von Euch betriebenen »Sultan of Cologne Coffeehouse« das alles illuminierende Pulver ausgegangen. Ich nehme an, es liegt daran, dass Eure Lieferung aus Jedda noch nicht eingetroffen ist – die Freibeuterei ist wahrlich ein Graus für den Handel.
Deshalb erlaube ich mir, Euch mit einigen Kaffeespezereien auszuhelfen – kaum jemand weiß besser als ich, wie schwer die Schreibarbeit dem Naturphilosophen wird, ist nicht genug vom Schwarzen Apoll zur Hand!
Wie ich aus der »London Gazette« der vergangenen Woche erfuhr, werden auch im »Sultan of Cologne« neuerdings jene eigenartigen Apparaturen eines gewissen Schweizer Uhrmachers verwendet, vermittelst derer sich kleine Stoffsäckchen voller gemahlenen Caffees wie von Zauberhand in eine Tasse Türkentrank verwandeln lassen.
Trotz meiner Begeisterung für die Horologie deucht mich diese Zubereitungsmethode eigenartig. Wie ihr wisst, bin ich ein Verfechter der althergebrachten Ansich, dass der Caffee besser schmeckt, wenn man ihn eine Zeit lang im Fasse ruhen lässt und dann über offene, Feuer wieder kräftig aufkocht.
Aber jeder nach seinem Belieben und seiner Facon.
Deshalb habe ich einige dieser kuriosen Säckchen beigelegt.
Um die werten Exzellenzen zu animieren, Ihren Caffee vielleicht auch einmal anders zu präparieren, lege ich noch weitere Apparaturen bei, die ich auf meinen Reisen kennen und schätzen gelernt habe.

Da ist zunächst der Euch vielleicht bekannte Ibrik, in dem der Muselmann seinen Kahve zuzubereiten pflegt. Schüttet etwas von dem beiliegenden Pulver hinein, gießt Wasser darauf und lasst das Ganze bis zum Rande aufkochen, um es dann sofort wieder vom Feuer zu nehmen. Dies wiederholet dreimal (es gibt gewisse türkische Gelehrte, die behaupten, man müsse dies fünf- oder siebenmal tun; aber diese Ansicht ist wissenschaftlich längst wiederlegt).
Ebenfalls in dieser Kiste findet Ihr eine Apparatur aus dem fernen Japonien. Die dortigen Einwohner füllen den Caffee in einen papiernen Filter und gießen Wasser oben auf. Sie nennen es Tropfcaffee.
Wichtig bei der Zubereitung ist, dass Ihr den Filter anfeuchtet, bevor Ihr das Caffeepulver hineingebt. Japonische Gelehrte weisen ferner darauf hin, dass das verwendete Wasser nicht kochen darf (95°). Ihr müsst den Kaffee aus der mitgelieferten Kanne damit in langsamen, kreisenden Bewegungen netzen. Ich sage netzen, weil es important ist, dass sich das Wasser nicht im Filter staue. Probiert es aus, das Ergebnis, so sagt man, soll delikat sein.
Ich hoffe, mit diesen bescheidenen Viktualien könnt Ihr die Zeit überbrücken, bis Eure Lieferung aus Jedda eintrifft. Bis dahin verbleibe ich als Euer untertänigster Diener und hoffe, die Exzellenzen auf der Leipziger Schau anzutreffen, wo wie ich höre, dieses Jahr wieder allerlei neue Traktate und Schriften feilgeboten werden.
Semper Serous,
O.C.

1 Kommentar

Kommentar verfassen
  1. SigiLovesBooks

    Einfach herrlich zu lesen – besonders, wenn man die Correspondence im „Kaffeedieb“ lesen durfte: Tom Hillenbrand hat ein farbenprächtiges Meisterwerk um die berühmten Bohnen geschrieben, das zudem sprachlich brillant ist: Mir hat „Der Kaffeedieb“ überaus gut gefallen und ich kann es jedem Cafégenießer und Freund historischer Romane sehr ans Herz legen und weiterempfehlen!

Kommentar schreiben

Newsletter

Der KiWi-Newsletter informiert Sie über Neuigkeiten und Termine – regelmäßig und aus erster Hand.

Abonnieren