Vierundzwanzig Türen #23 (Birgit Böllinger – Blog Sätze&Schätze)

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Vor zwei Jahren haben wir unsere Autoren gefragt, ob sie für uns ihre Türen öffnen möchten. Bei Klaus Modick borgten wir uns für unseren Adventskalender den Titel seines Romans* »Vierundzwanzig Türen«. Klaus Modick war auch der erste unserer Autoren, der uns einen kleinen Einblick in sein Reich gewährte.
Dieses Jahr haben wir bei Buchbloggern und Buchhändlern angeklopft. Wir wollten wissen, »Wer bist Du, was sind Deine Orte«? Und wir fragten, welches Buch aus unserem Programm sie Ihnen, unseren Lesern, empfehlen möchten. Es hat uns sehr glücklich gemacht, so viele begeisterte Reaktionen und Beiträge zu erhalten. Wir hoffen, auch Sie freuen sich, bekannte Gesichter unter den Bloggern und Buchhändlern wiederzusehen oder bisher unbekannte kennenzulernen. Jedes empfohlene Buch wird natürlich verlost. Entweder Sie nehmen an unserer großen Weihnachtsverlosung teil oder Sie versuchen Ihr Glück täglich bei Facebook.
*Oh! Wäre William Blake nicht Selfpublisher, sondern KiWi-Autor gewesen, würde unser  Adventskalender vielleicht auch »Die Pforten der Wahrnehmung« heißen. Wie auch immer. Treten Sie ein, nehmen Sie wahr!

Tür 23: Birgit Böllinger – Blog Sätze&Schätze

Sätze und Schätze

 

 

Vor knapp drei Jahren startete ich aus einer Laune heraus den virtuellen Literaturzirkel: Sätze&Schätze. Das Bloggen über Literatur und der Austausch mit anderen Literaturaffinen macht immer noch riesige Freude (und das nicht nur zur Weihnachtszeit). Im Hauptberuf bin ich Pressesprecherin bei einer Sozialbehörde – da ist das Lesen und die Auseinandersetzung mit der schöngeistigen Belletristik ein wichtiger Ausgleich für den Arbeitsalltag.

Nebst Buchbesprechungen – mit einem Schwerpunkt auf den modernen Klassikern der Weimarer Republik und amerikanischer Literatur – finden sich auf Sätze&Schätze unter der Rubrik »Lesezeichen« auch Hinweise zu Literarischen Orten, Beiträge rund ums Bloggen und die Serie »Verschämte Lektüren«, in der zahlreiche Bloggerinnen und Blogger ihre verheimlichten Leseneigungen enthüllten.

Meine Sätze&Schätze sind in der ganzen Wohnung verteilt. »Herzstück« ist jedoch mein Arbeitszimmer: Mit Blick auf das historische Augsburger Rathaus und das Geburtshaus von Bertolt Brecht. Hier steht auch das einzige Möbelstück, das ich mir je nach eigener Vorstellung schreinern ließ – mein extralanges Buchregal. Als Büchernärrin setzt man eben andere Prioritäten: Gerne hause ich in Küche und Wohnzimmer nach dem Motto »Schraubst du noch oder …?«. Beim Lesen verstehe ich da aber keinen Spaß – ein richtig tolles Buchregal, das musste einfach sein. Hier befindet sich auch mein rotes Sofa, auf dem ich schmökernd meine freie Zeit verbringe.

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Bei Kiepenheuer&Witsch wurde nun ein Buch in der wunderbaren Aufmachung der Erstausgabe von 1958 wiederaufgelegt, das ich selbst am liebsten jedem netten Menschen schenken würde: »Doktor Murkes gesammeltes Schweigen« von Heinrich Böll. Da ich selber Jahrgang 1966 bin, gehörte Böll ganz selbstverständlich zu meiner »literarischen Sozialisation« (und auch zur politischen). Mit seinen Romanen begann mein Leserleben. Die Baskenmütze, die Pfeife, der Regenmantel: Dieser Schriftsteller ist zudem in mein visuelles Gedächtnis eingebrannt. Wenn jüngere Leser heute Böll ein wenig vorschnell in eine etwas angestaubte Ecke schieben und über seinen Moralismus die Nase rümpfen – das trifft mich dann fast schon persönlich. Dann werde ich sehr beredt und halte Vorträge über Böll, den Vielseitigen. Und spreche insbesondere über »Doktor Murkes gesammeltes Schweigen«, eine meiner liebsten Satiren.

In dem Buch enthalten ist zudem eine jahreszeitlich passende Erzählung: »Nicht nur zur Weihnachtszeit«, ein tröstliches Stück Literatur für all jene, die meinen, ihre Familienweihnachtsfeiern mit der lieben Verwandtschaft seien schon besonders enervierend. Schlimm geht’s immer. Aber Heinrich Böll, der gute Mensch vom Rhein, zeigt auch in seinen kleinen, bissigen Texten, dass er ein großer Menschenkenner und Menschenfreund war.

kiwiböll

 

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