Tatort Buchpremiere. Wolfgang Schorlau und die NSU-Mordserie

Wolfgang Schorlau agitiert, Komplize Werner Dannemann begleitet mit Gitarre.

Wolfgang Schorlau agitiert, Komplize Werner Dannemann begleitet mit Gitarre.

Tatort: Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart.

Tatzeit: 12. November 2015, 20 Uhr.

Täter: Wolfgang Schorlau, bereits mehrfach aktenkundig geworden, Stuttgarter Autor. Unschuldsvermutung erübrigt sich: Serientäter Schorlau war äußerst geständig, s. Foto: Im Verhör mit SWR-Ermittler Wolfgang Niess.

Tatbestand: Öffentliche literarische Ermittlung in einem der größten Kriminalfälle der Nachkriegsgeschichte.

Tathergang: Über Monate ließ Wolfgang Schorlau seinen Stuttgarter Privatschnüffler Georg Dengler in Sachen NSU recherchieren. Gestern Abend verlas er dann seine literarische Ermittlungsakte »Die schützende Hand«. Laut Schorlau deckt sie nicht weniger als die »Anatomie eines Staatsverbrechens« auf. Und das auch noch mit Musik: Als Schorlaus gut gelaunter Komplize auf der Bühne des Hospitalhofs fungierte der Gitarrist Werner Dannemann (s. Foto).

Im Verhör: Der erfahrene SWR-Ermittler Wolfgang Niess brachte Schorlau zum Singen.

Im Verhör: Der erfahrene SWR-Ermittler Wolfgang Niess brachte Schorlau zum Singen.

Drahtzieher: Literaturhaus Stuttgart.

Zeugen: 850! Davon nahmen gegen 21.30 Uhr sage und schreibe 480 Zeugen direkten Kontakt zum Täter auf. In kultischer Verehrung ließen sie sich Reproduktionen der Tatwaffe von Wolfgang Schorlau persönlich signieren.

Tathintergrund: Die NSU-Mordserie und die Rolle des Verfassungsschutzes.

Die beiden rechtsradikalen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich am 4.11.2011 auf der Flucht vor der Polizei in einem Wohnmobil in Eisenach selbst erschossen. So lautet die offizielle Version ihres Todes. Betrachtet man allerdings ein Foto aus der Polizeiakte (Schorlau zeigt dergleichen in den Anmerkungen zu »Die schützende Hand«), dann müsste hinter Uwe Mundlos, nachdem er sich eine Kugel in den Kopf gejagt hat, ungefähr ein Kilogramm Hirnmasse zu sehen sein. Das aber ist nicht der Fall – im ganzen Wohnmobil findet sich davon keine Spur. Hier hakt der Stuttgarter Schriftsteller Wolfgang Schorlau ein: für ihn ist es ein überdeutlicher Hinweis, dass die offizielle Theorie vom Selbstmord der NSU-Täter nicht stimmen kann. Er setzt seinen Privatermittler Georg Dengler ein, der herausbekommen soll, wie die beiden Uwes tatsächlich zu Tode gekommen sind. Die Spur führt zu den deutschen Sicherheitsbehörden. Schorlaus Dengler spekuliert höchst plausibel über eine Mittäterschaft von Personen des deutschen Inlands-Geheimdienstes!

Der Täter wird von Zeugen umlagert.

Der Täter wird von Zeugen umlagert.

Tatfolgen: Muss sich der deutsche Verfassungsschutz diese literarische Ermittlung von Wolfgang Schorlau gefallen lassen? Was sagt die gegen Beate Zschäpe ermittelnde Bundesanwaltschaft, deren offizielle Version der NSU-Mordserie von Schorlau mehr als in Zweifel gezogen wird? Stimmt Schorlaus Anschuldigung, dass der deutsche Verfassungsschutz bis zum heutigen Tag die Aufklärung des NSU-Terrors und seine eigene Rolle dabei behindert – nicht zuletzt durch das systematische Schreddern seiner Akten?

Tatwaffe: Eine sogenannte Klappenbroschur, Kaliber 384 (Seitenzahl). Es ist das neueste Modell einer Serie, das man sich legal für 14,99€ beschaffen kann. Die Seriennummer lautet: 978-3-462-04666-3. Gestaltet hat das in dunkel- und hellblau gefärbte corpus delicti die Kölner Designerin Barbara Thoben. Lizensiert by Kiepenheuer & Witsch.

Schorlau NSU

Die Tatwaffe, genannt »Die schützende Hand«

Weitere Details zur Tatwaffe: »Die schützende Hand«

Einblick in Schorlaus Dokumente: Leseprobe

Anmerkung: Die Fotos vom Stuttgarter Tatort stammen von Schorlaus maßgeblichen Hintermännern, den Lektoren Lutz Dursthoff und Nikolaus Wolters. Der Täter selbst verließ, nach Angaben gut unterrichteter Kreise, den Stuttgarter Hospitalhof in Richtung Berlin und plant eine Ermittlungstour mit Dengler und »Die schützende Hand« über 70 Stationen (s. »Termine«). Das ZDF-Magazin Aktenzeichen Aspekte bringt schon heute Abend um 22.45 Uhr einen Filmbeitrag über Wolfgang Schorlau.

(mv)

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