Social Reading »Der bleiche König« von David Foster Wallace

DFW BannerAls der 46-jährige David Foster Wallace im September 2008 seinem Leben ein Ende setzte, war er eigentlich mitten in der Arbeit. Der gefeierte Autor von Unendlicher Spass , das Genie der amerikanischen Gegenwartsliteratur, schrieb an seinem neuen Roman The Pale King. Der Roman wurde, als er in den USA drei Jahre später posthum erschien, zum gefeierten Bestseller. »Einer der schrägsten, traurigsten und eindringlichsten Romane, die ich je gelesen habe« befand der Guardian, »atemberaubend brillant, lustig, unerträglich und elegisch« schrieb die New York Times und das Time Magazine urteilte: »Wallace bestechendster Roman«.

Am 7. November erscheint »Der bleiche König« in der deutschen Übersetzung von Ulrich Blumenbach bei Kiepenheuer & Witsch. Ab dem 20. Oktober beginnt ein Social Reading, d.h. eine kollektive, öffentliche Lektüre von »Der bleiche König«, mit Autoren und David Foster Wallace-Kennern wie Rabea Edel, Elmar Krekeler, Clemens Setz, Stefan Mesch, Hilmar Schmundt, Guido Graf und Ulrich Blumenbach.

Alle sind eingeladen, an diesem Social Reading teilzunehmen, also mitzulesen, zu kommentieren und zu diskutieren: auf www.derbleichekoenig.de!

 

Der Hintergrund: Wir knüpfen mit dem Social Reading von »Der bleiche König« an die Website-Lesecommunity 100 Tage Unendlicher Spaß von 2009 an. Seitdem sind vier Jahre vergangen und die Entwicklung hat rasant Fahrt aufgenommen: Es gibt diverse Plattformen, die sich auf Social reading spezialisiert haben wie Goodreads, Readmill, Quote.fm und Lovelybooks. Die Wahrnehmung und Kommunikation im Netz verlagert sich immer mehr zum mobilen Internet. Literaturvermittlung, literarische Öffentlichkeit, die Kommunikation zwischen Autoren, Lesern, Verlagen und Beobachtern: all das ist in Bewegung geraten. Anlässlich des Erscheinens der deutschen Übersetzung von David Foster Wallaces nachgelassenem Roman »Der bleiche König« greifen wir die Entwicklung auf: Zum einen knüpfen wir an die große Resonanz von www.unendlicherspass.de und die Erfahrungen mit dieser Lesecommunity an. Zum anderen kann nun bei diesem Social Reading die literarische Kommunikation mit dem mobilen Internet und den Sozialen Netzwerken kombiniert werden.

Das Konzept: Ausgewählte Autoren und DFW-Kenner und ein Moderator (Guido Graf) lesen öffentlich »Der bleiche König«. Sie lesen und kommentieren die elektronische Fassung auf mobilen Endgeräten; Anstreichungen, Anmerkungen, Kommentare, Diskussionen werden über Social Media (Facebook, Twitter) gestreut, gleichzeitig auch wieder zentral auf einer responsiven Website versammelt, über die alles oder – individuell gefiltert – Teile des Social Readings wiederum auf beliebigen Endgeräten (Computer, Tablets, Smartphones) verfolgt werden können.

Die Plattformen:
Blog: www.derbleichekoenig.de – eine responsive Website; Infos zu Buch und Autor; Materialien (Texte, Bilder, Video, Audio, Links); Infos zu den beteiligten Autoren; Timeline und  Mirror der eingehenden Kommentare, Anmerkungen, Diskussionen
Facebook: www.facebook.com/derbleichekoenig – automatisierte Verknüpfung mit dem eBook; Likes und Kommentare werden automatisiert auf der Website gespiegelt sowie getwittert
Twitter: www.twitter.com/bleicherkoenig – automatisierte Verknüpfung; Twitterfeed für Account und  Hashtag („#dbk, #bleicherkoenig) auf der Website

Die Herausforderung: In »Der bleiche König« zeigt David Foster Wallace noch einmal sein ganzes Können – die unübertroffene Originalität seiner Sujets, die sprachliche Präzision, den sezierenden Blick auf die Unzulänglichkeiten menschlicher Gesellschaft und den immer präsenten Humor. David Foster Wallace vollbringt das Kunststück, auf gar nicht langweilige Weise über den langweiligsten Arbeitsplatz der Welt zu schreiben: die amerikanische Steuerbehörde.
Mit der ihm eigenen sprachlichen Brillanz nähert sich David Foster Wallace dem Thema: Was macht strukturelle Langeweile aus einem Menschen? Als Claude Sylvanshine nach Peoria in Illinois an die IRS, die amerikanische Bundessteuerbehörde, versetzt wird, trifft er dort auf Kollegen, die mit der tagtäglichen, unüberwindbaren Monotonie ihrer Arbeit und somit ihres Lebens kämpfen. Welche Lebensgeschichten führten dazu, dass jemand mehr oder weniger freiwillig einen solchen Beruf ergreift?

»David Foster Wallace hat The Pale King nicht abschließen können, das heißt aber nicht, dass er ihm im Lauf der erbarmungslosen Überarbeitungen, für die er bekannt war, Kohärenz verliehen hätte. Das Fragmentarische ist bei diesem Autor Prinzip. Schon Unendlicher Spaß war, wie sein Lektor Michael Pietsch als ersten Leseeindruck festhielt, ‚ein Roman aus Scherben, gewissermaßen eine zerbrochene Erzählung, deren Stücke jemand aufzulesen versucht‘. Die geschlossene Abbildung einer Welttotalität war nie Wallace’ Ziel. Sie wäre ihm wohl verlogen vorgekommen, und er hätte Peter Rühmkorfs Devise zugestimmt: ‚Was sich nicht organisch fügen will, soll wenigstens anschaulich klaffen.‘ Was man im vorliegenden Fragmentroman aber erahnt, das ist die verzweifelte Sehnsucht nach dem Ganzen,« sagt Ulrich Blumenbach in seiner Vorbemerkung des Übersetzers.

Es gilt also, in kollektiver Exegese einen strukturell fragmentarischen, unvollendeten Roman über die strukturelle Langeweile einer US-Steuerbehörde und ihre Auswirkungen auf den Menschen öffentlich zu lesen und diskutieren! Wir wünschen dabei unlangweilig-unendlichen Spaß auf www.derbleichekoenig.de!

2 Antworten auf “Social Reading »Der bleiche König« von David Foster Wallace”

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