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Im Gespräch: Das Mammutübersetzungsprojekt Unendlicher Spaß

© Marion Ettlinger

Im Literaturhaus Hamburg erinnern Ulrich Blumenbach, Helge Malchow und Denis Scheck heute an David Foster Wallace und stellen die Übersetzung von Infinite Jest vor.

Als im letzten September die Nachricht vom frühen Tod David Foster Wallaces über den großen Teich schwappte, war klar, dass die literarische Welt um sehr viel mehr als nur um eine Stimme ärmer geworden war. Ein begnadeter Schriftsteller und genialer Kulturkritiker war abgetreten, freiwillig: »Wallace schleuderte Blitze und grollte wie Donner – der Sturmwind seiner Prosa öffnete für eine ganze Generation von Schriftstellern die Tore zu einer immer komplexeren Welt« (Die Welt).

Das Literaturhaus Hamburg widmet dem »hochbegabten, depressiven Wortschäumer« (Die Zeit) einen Abend und hat dazu den Mann eingeladen, der sich für ein halbes Jahrzehnt lang in den Gehirnwindungen des amerikanischen Diskursterroristen und postmodernen Wortkaskadeurs eingenistet hatte.

Ulrich Blumenbach hat das unmöglich Scheinende wahr gemacht und Infinite Jest, Wallaces 1996 veröffentlichtes Opus magnum, ins Deutsche übertragen. Am 24. August erscheint das knapp 1600-Seiten-Werk als Unendlicher Spaß bei Kiepenheuer & Witsch. Über dieses ebenso waghalsige wie rauschhafte Übersetzungsprojekt wird sich Blumenbach mit KiWi-Verleger Helge Malchow austauschen.

Dass Wallace indes auch ein Meister der schlanken Form ist, zeigt sein aufrüttelnder Essay Am Beispiel des Hummers der in der Übersetzung von Marcus Ingendaay in der von Denis Scheck herausgegebenen »ParadiesReihe« des Arche Verlags erschienen ist. Ursprünglich eine Auftragsarbeit der Zeitschrift Gourmet die den Schriftsteller an die Küste von Maine entsandte, um vom dortigen »Lobster Festival« zu berichten, mutiert der Text zur säbelzahntigerscharfen Kulturkritik. Was Wallace nämlich in Rockport zu sehen, schmecken und fühlen bekommt, lässt die Moral des bis dato Fleischgenießers ins Bodenlose strudeln und die ganz großen Fragen von Ethik und Menschlichkeit verhandeln, »Humanismus auf Hummerbasis« (Die Zeit) sozusagen: »Dieses Kratzen der Scheren an der Topfwand, die Stöße gegen den Deckel, wenn der ganze Körper hin und her peitscht. Mit anderen Worten, der Hummer verhält sich nicht anders, als wir uns verhielten, würde man uns in kochendes Wasser werfen, nur schreien kann er nicht.«

Termin:
06.07.2009
20:00 Uhr
Literaturhaus Hamburg e.V.
Euro 10,/ 8, /6,-
Kulturpartner NDR Kultur

Literaturhaus Hamburg e.V.
Schwanenwik 38
22087 Hamburg
www.literaturhaus-hamburg.de

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