Im Januar 2009 wurde Galiani Berlin gegründet und die »verlegerische Ehe« mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch geschlossen. Unter dem Dach des Kölner Verlagshauses Kiepenheuer & Witsch nämlich soll sich Galiani Berlin zukünftig als programmatisch eigenständiges Verlagsimprint etablieren und der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, dem kulturhistorischen und erzählenden Sachbuch sowie Klassikern der Weltliteratur widmen.
Schaut man sich das nun fest stehende erste Programm von Galiani Berlin an, so kann man Wolfgang Hörner (Leitung) und Esther Kormann (Lektorat/Presse) nur beglückwünschen.
»Es werde Galiani!«, wollte die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Herbst letzten Jahres. Nun, es wird. Ein wenig zumindest. Ein erstes Programm liegt vor, und in seiner Mischung aus Literatur, Klassikern und erzählendem Sachbuch, Popularität und Eigensinn, aus Augenzwinkern, Komik und zeitloser Größe ist es ziemlich genau das geworden, was wir wollten. Ein Riesenbuch mit Texten aus 2500 Jahren für den nötigen Schuss Megalomanie, ein Nr.-1-Bestsellerautor (freilich bisher nur in der Schweiz), der Träger des Deutschen Krimipreises 2009, Jenny Erpenbeck (die für ihr letztes Buch gerade den vierten Literaturpreis erhielt), ein verkanntes Genie des achtzehnten Jahrhunderts, ein Sachbuch, das dem Alter seine Würde zurückgibt, und die Biographie der Bibel: Der Neugier sind keine Grenzen gesetzt, und langweilig wird es bei uns (hoffentlich) nie.
Doch warum zum Teufel »Galiani«? Die Antwort ist natürlich in der Literatur zu suchen. Der Namenspate, Ferdinando Galiani, ein genialer Zwerg vom Fuße des Vesuv, steht für vieles programmatisch – z. B. schon dadurch, dass ihn kaum einer kennt. Denn wenn auch viele der Autoren, die wir bisher begleiteten und die auch weiterhin bei uns publizieren werden, keine Unbekannten mehr sind (z. B. Karen Duve, Frank Schulz, Jan Costin Wagner, Jenny Erpenbeck oder als Übersetzer Galianis der Montaigne-Übersetzer Hans Stilett) – wir verstehen uns als Verlag, bei dem Entdeckungen zu machen sind. Egal, aus welchem Jahrhundert, egal, in welchem ›Genre‹.
Grund genug also, uns nach ihm zu benennen – und Grund genug für das Buch von und über Ferdinando Galiani: Nachrichten vom Vesuv. Briefe, Blitze, Lästereien.
»An allem interessiert und nie langweilig« ist Galianis Leitspruch, sein Leben wie sein Denken sind so eigensinnig wie unberechenbar, originell und interessant. Dass er von der Idee durchdrungen war, jedes Thema sei interessant, wenn stilistisch nur gebührend dargeboten, macht ihn uns nicht unsympathischer. Ebenso wenig seine Meinung: »Der Mensch ist gemacht, um zu genießen und um zu leiden: wir wollen also genießen, und wenn möglich nicht leiden. Das ist unser Los.« So sitzen wir denn täglich an Sven Regeners ehemaligem Wohnzimmertisch, der nun unser Konferenztisch ist, tafeln und planen neue Bücher. Wenn unserem Verlag nur halb so viel Aufmerksamkeit gezollt würde wie Galianis Schriften damals in Paris – wir wären es zufrieden.
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