ISBN: 978-3-462-04134-7
Erscheinungsdatum: 24. August 2009
304 Seiten, Gebunden
Lieferbar
Euro (D) 19.95 | sFr 33.90 | Euro (A) 20.60
Die Summe seines Erzählens: der neue Roman von Dieter Wellershoff
Nach seinem hochgelobten Bestseller Der Liebeswunsch und dem berührenden Erzählungsband Das normale Leben erweist sich der 83-jährige Dieter Wellershoff erneut als Meister der subtilen Einfühlung und der insistierenden Infragestellung von Üblichkeiten und Gewissheiten.
Der Roman beginnt wie ein Krimi und entwickelt sich zu einem figurenreichen Gesellschaftsdrama. Hauptfigur ist ein junger Landpfarrer, der eines Nachts zu einem Unfallort gerufen wird. Ein Auto ist von der Straße abgekommen und in einen See gestürzt. Der Fahrer hat sich gerettet, seine Frau und sein Sohn werden leblos geborgen. Wie das geschehen konnte, ist unklar. Schon bald nimmt das angebliche Unglück unheimliche Züge an. Der Pfarrer hält trotzdem an der Unschuldsvermutung fest und bringt fast alle Gemeindemitglieder gegen sich auf.
Das ist der Ausgangspunkt einer sich ausweitenden Sinnkrise. Die Erfahrung einer abgründigen Vieldeutigkeit greift auf immer neue Lebensbereiche über. Sie erfasst die religiösen Glaubensvorstellungen ebenso wie die Freundschaftsverhältnisse und die sich über unerwartete suggestive Briefe anbahnende Beziehung zu einer Frau, die dem Pfarrer in diesen Tagen wachsender Bedürftigkeit als unklare Verheißung erscheint.
Dieter Wellershoff erzählt mit ausgeprägtem Gespür für Stimmungen und Gefühle, wie ein Mann, der in der Gewissheit einer sinnstiftenden Ordnung gelebt hat, an Grenzen gerät – seine eigenen und die einer Institution, deren Anspruch es ist, Orientierung zu bieten und Halt zu gewähren. Die szenische Spannung eines sich verselbständigenden Prozesses, die Stimmenvielfalt der darin verstrickten Figuren und die subtile Einfühlung in einen Menschen, der allmählich erkennen muss, dass er auf brüchigem Boden steht und damit zurechtkommen muss, machen diesen Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis.
»Brillant, wie subtil Wellershoff die Geschichte erzählt. So beruhigend, so lebenserfahren, so zuverlässig und immer wieder überraschend elegant. Kunstvoll, mit einem Wort.« Deutschlandradio
»Ein Meisterwerk (...). Dieser Roman erzählt mit solcher Wucht von der unheimlichen Normalität, dass man still wird. Alles erstarrt in dieser windstillen Welt.« Lothar Schröder, Rheinische Post
»Vielleicht ist die Literatur ja doch die verlässlichste Instanz der Sinnsuche.« Tagesspiegel
»Ein Ton, der den Leser mit sanfter Gewalt in das Geschehen hineinzieht, und ihn bis zum Ende nicht mehr loslässt.« Kölner Stadtanzeiger
»[...] eine präzise, völlig unaffektierte Prosa.« Hartmut Wilmes, Kölnische Rundschau
»Erneut hat Wellershoff einen erzählerisch nahezu perfekten Roman gebaut, sicher in der Dialogführung, bewusst, aber unaufdringlich in der Motivvernetzung, souverän in der Rhythmitisierung, in der Verknüpfung von Gegenwartswartsebene und Rückblende, eindringlich in der szenischen Verdichtung, auch in der Art und Weise, wie noch alltäglichste Verrichtungen und Vorgänge durch die Genauigkeit ihrer Beschreibung alles Selbstverständliche verlieren, mühevoll werden und sich verrätseln.« Markus Schwering, Kölner Stadt-Anzeiger
»Mit bezwingender erzählerischer Raffinesse überführt Wellershoff den kriminalistischen Auftakt seines Romans in eine Versuchsanordnung über grundlegende Existenzfragen.« Katrin Hillgruber, Tagesspiegel
»Die hohe Kunst von Dieter Wellershoff ist es, die Macht der Gefühle der Kraft der Vernunft zu unterziehen.« Ijoma Mangold, WDR, über Das normale Leben
»Ein Kunststück, wie Wellershoff die differierenden Positionen der Referenten in seinen Roman integriert, ohne dass dieser an Schwung verliert. [...] Wellershoff ist ein meisterhafter Roman gelungen.« Dirk Wolters, Frankfurter Neue Presse
»Der Himmel ist kein Ort ist das Meisterwerk eines Autors geworden, der immer ein bisschen unterschätzt wird.« Märkische Allgemeine
»Wellershoff schreibt mit viel psychologischem Feingefühl und in einer klaren, völlig uneitlen Sprache. zugleich ist Der Himmel ist kein Ort eine sehr intelligente Abrechnung mit der Amtskirche und der Religion im Allgemeinen.« Financial Times Deutschland
»Fesselnd und erhellend formuliert [...]. Mit seiner feinen Beobachtungsgabe zieht Realist Wellershoff geschickt [...] dem Leser den Boden uner den Füßen weg.« Elke Schröder, Neue Osnabrücker Zeitung
»Deprimierende Verluste, Ehebruch, zerstörerische Konkurrenz unter Freunden, ungelebtes Leben aus Angst vor heftigen Gefühlen: all das hat der Kölner Schriftsteller in seinem Werk facettenreich ausgestaltet.« Deutsche Welle
»[...] auch dieser Wellershoff-Roman ist ein packendes Buch über die furchtbare metaphysische Leere, in der unser Entwurf vom Menschsein angelangt ist.« NZZ Online
»Dieter Wellershoff hat einen Roman vorgelegt, der ihn wirklich zum ungekrönten König des psychologischen Realismus macht.« Peter Mohr, Rheinischer Merkur
»Die kühle Prosa der Enttäuschung macht ihm derzeit in Deutschalnd keiner nach.« Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Dieter Wellershoff ist wohl einer der besten Kenner menschlicher Seelengründe und -abgründe.« Andreas Wirthensohn, Wiener Zeitung
»Auch dieser Wellershoff-Roman ist ein packendes Buch über die furchtbare metaphysische Leere, in der unser Entwurf vom Menschsein mittlerweile angelangt ist.« Michael Braun, Saarländischer Rundfunk
»Dieser Roman ist fast perfekt [...]. Der Himmle ist kein Ort bietet psychologische fesselnden Realismus mit guten Dialogen, spannend geschriebenen Szenen und einer Geschichte, die ebenso unterhält wie sie zum Nachdenken anregt.« Stefan Sprang, Hessischer Rundfunk
»Es ist die Gewissenhaftigkeit des Erzählers, die diesen Roman vor dem Absturz in genrehafte Banalität oder intellektuelle Bedeutungshuberei bewahrt, die Sicherheit und Präzision esines Tons.« Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Wellershoff ist ein Meister der leisen Töne, er erzählt zurückhaltend und lässt Spielraum für Zwischentöne. Er spricht das Uneindeutige, Unentschiedene menschlicher Existenz an und vermeidet abschließende, unwiderrufliche Urteile.« Saarbrücker Zeitung
»Dieter Wellershoff [ist] ein geradliniger, mit unbeirrbarem Impetus in die zerrissene Innenwelt seines Helden vordringender Meister des psychologischen Realismus [...].« Günter Ott, Augsburger Allgemeine
»Wellershoff seziert Gedanken und Gefühle, entlarvt Sentimentalität und lässt Heuchelei nicht zu.« dpa
»Auch im protestantischen Pfarrhaus kann es seit Hölderlins Zeiten bekanntlich sehr kalt sein. Dieter Wellershoff schildert das in bester Tradition der von ihm mitbegründeten Kölner Schule des neuen Realismus. Sein überlegenes stilistisches Instrumentarium stellt er ganz in den Dienst der Sache. Vielleicht ist die Literatur ja doch die verlässlichste Instanz der Sinnsuche.« Katrin Hillgruber, Badische Zeitung
»Wie Nadelstiche gehen Dieter Wellershoffs glasklare Sätze unter die Haut. Ein Roman, den man nicht nur wegen seiner gedanklichen und literarischen Souveränität bewundert. Ein Roman, der einen über die Zeit der Lektüre hinaus nachhaltig beschäftigt.« Hajo Steinert, Deutschlandradio
»In Der Himmel ist kein Ort ist die sichere, warme Erzählerstimme von Dieter Wellershoff dem Protagonisten nahe und widmet sich wie ein guter Seelsorger demjenigen, der kein guter Seelsorger mehr sein kann.« Jörg Plath, Frankfurter Rundschau
»Dieter Wellershoff erweist sich hier wieder einmal als hochintelligenter Meister treffsicherer Ironie.« Christian Schacherreiter, OÖ Nachrichten
Dieter Wellershoff, geboren am 3. November 1925 in Neuss, lebt in Köln. Er schrieb Romane, ...
Mehr über Dieter Wellershoff
Gedichte
mehr
Zeitgeschichte, Lebensgeschichte, Literatur
mehr
Alle lieferbaren Bücher von Dieter Wellershoff
Kommentieren Sie dieses Buch:
Kommentare
Die Verquickung von Dienstlichem und Persönlichem im Leben des jungen Pfarrers Ralf Henrichsen - wie es typisch ist für diese Profession - ist der formale Rahmen für diesen mit großer Stringenz, mit pointierter Dialogführung und mit tiefem psychologischem Verständnis geschriebenen Roman. Ich habe ihn, anders als die Bücher von Stephan Thome und Kathrin Schmidt, fast durchgehend gelesen.
Ich hätte mir gewünscht, dass bei der Akademietagung auch der Schleiermachersche Ansatz zur Geltung gekommen wäre. Er hätte es nicht bei der "Gezähmtheit einer Trost- und Wohlfühlkirche" belassen.
Aufgefallen ist mir, dass der junge Pfarrer fast nie mit seinem Vornamen genannt wird. Ist das vielleicht die stilistische Entsprechung zu seinem Verlust des persönlichen Gottesbezuges?
Die Flucht in einen möglichen Vitalismus - beim Treffen mit der fremden Frau, wo die "Falle der Sehnsüchte" lauert - ist kein Ausweg. Indem er davor flieht, bewirkt er zweierlei: er rettet sich selbst und auch die Frau. Den Schluss verstehe ich so: indem er -"getrost"?- seine Aufgaben erfüllt, stabilisiert sich im Wissen um alle möglichen Fragwürdigkeiten sein Fundament. So kann er ohne zu heucheln den Freund trauen, im Schleiermacherschen Wissen, dass der Himmel kein Ort ist sondern ein Zustand.
Eckhart Haberkorn, Pfarrer i.R., 19.11.2009
Die Verquickung von Dienstlichem und Persönlichem im Leben des jungen Pfarrers Ralf Henrichsen - wie es typisch ist für diese Profession - ist der formale Rahmen für diesen mit großer Stringenz, mit pointierter Dialogführung und mit tiefem psychologischem Verständnis geschriebenen Roman. Ich habe ihn, anders als die Bücher von Stephan Thome und Kathrin Schmidt, fast durchgehend gelesen.
Ich hätte mir gewünscht, dass bei der Akademietagung auch der Schleiermachersche Ansatz zur Geltung gekommen wäre. Er hätte es nicht bei der "Gezähmtheit einer Trost- und Wohlfühlkirche" belassen.
Aufgefallen ist mir, dass der junge Pfarrer fast nie mit seinem Vornamen genannt wird. Ist das vielleicht die stilistische Entsprechung zu seinem Verlust des persönlichen Gottesbezuges?
Die Flucht in einen möglichen Vitalismus - beim Treffen mit der fremden Frau, wo die "Falle der Sehnsüchte" lauert - ist kein Ausweg. Indem er davor flieht, bewirkt er zweierlei: er rettet sich selbst und auch die Frau. Den Schluss verstehe ich so: indem er -"getrost"?- seine Aufgaben erfüllt, stabilisiert sich im Wissen um alle möglichen Fragwürdigkeiten sein Fundament. So kann er ohne zu heucheln den Freund trauen, im Schleiermacherschen Wissen, dass der Himmel kein Ort ist sondern ein Zustand.
Eckhart Haberkorn, Pfarrer i.R., 19.11.2009