ISBN: 978-3-462-04049-4
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2009
336 Seiten, Taschenbuch
KiWi 1069
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Günter Wallraff ist wieder da – Reportagen aus einem reichen, armen Land
Ganz unten, Günter Wallraffs Reportage über den menschenverachtenden Handel mit Leiharbeitern, war mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren einer der größten Erfolge in der deutschen Buchhandelsgeschichte. Jetzt ist Wallraff wieder undercover unterwegs…
Niemand hat mehr Missstände aufgedeckt als er. Millionen haben seine Bücher gelesen, junge Journalisten nehmen sich an ihm ein Vorbild, wenn sie in Rollen schlüpfen, um die dunklen Seiten der gesellschaftlichen Realität aufzudecken – eine Vorgehensweise, die im Schwedischen »wallraffa« genannt wird. Doch Günter Wallraff hat sich nicht zur Ruhe gesetzt. Seit einiger Zeit ist er wieder undercover unterwegs. Als »Michael G.« recherchierte er den Alltag in deutschen Callcentern – das Echo auf die in der Zeit veröffentlichte Reportage war gewaltig: Wallraff war Gast in Fernseh- und Hörfunksendungen; zahlreiche Callcenter-Mitarbeiter meldeten sich, die ihm von eigenen Erlebnissen berichteten. Der zweite Coup: Als Niedriglöhner arbeitete Wallraff in einer Fabrik, die für Lidl Brötchen backt, bis zur Erschöpfung, erlitt mehrfach – wie auch seine Kollegen – Brandverletzungen. Dem Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig schlug Wallraff in der Sendung »Kerner« vor, gemeinsam mit ihm zwei Tage lang unter diesen »Straflager-Bedingungen« zu arbeiten – was dieser ablehnte. Und im Winter 2008/2009 hat Günter Wallraff am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er quartierte sich in Obdachlosenheimen ein und verbrachte die kältesten Tage des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad.
Neben einer vierten Rolle, die bis zum Erscheinen geheim bleiben muss, und weiteren Fällen dokumentiert Wallraff in diesem Buch erstmals umfassend die Ergebnisse seiner neuen Recherchen, die auch nach den Presseveröffentlichungen weitergehen. Sein Fazit: In einem reichen Land leben heute immer mehr Menschen »ganz unten«, und das droht die Gesellschaft zu zerreißen.
Gesamtauflage von Ganz unten: über 5 Mio. Exemplare
»Günter Wallraff ist wieder unterwegs gewesen - und zwar dort, wo die Arbeit zum Leben nicht mehr reicht: im Callcenter, als Niedriglöhner in einer Brötchenfabrik, als Obdachloser. Die erschreckenden Ergebnisse seiner Recherchen Aus der schönen neuen Welt sorgen sicher für genügend Sprengstoff.« Börsenblatt
»Wallraff schützt sich vor platten Verallgemeinerungen, indem er seine Thesen unter hohem individuellem persönlichem Einsatz tatsächlich vor Ort überprüft.« Andreas Fanizadeh, taz
»Mit den Jahren ist Wallraff zu einer Marke geworden.« Juan Moreno, Der Spiegel
»Das Buch ist gut und notwendig, und zwar wegen einer simplen Tatsache: Die beschriebenen Missstände sind so verbreitet, dass dagegen ankämpfende Stimmen gar nicht laut genug sein können.« Mirko Smiljanic, Deutschlandradio
»Wallraff, eine Institution der alten Bundesrepublik, meldet sich mit diesem Buch auf seine Planstelle zurück.« Christian Geyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Bei aller Kritik, die Marke Wallraff hat nicht ausgedient. Jedenfalls nicht, … solange mehr darüber geschimpft wird, dass er als Schwarzer in einen Zug voller Hooligans steigt, als über die Tatsache, dass es deutsche Züge gibt, in die ein Schwarzer besser nicht steigt.« Christiane Peitz, Der Tagesspiegel
»Eine Reise in die soziale Wüste.« Focus online
»Kein deutscher Journalist, Rudolf Augstein ausgenommen, hat die Nachkriegsgesellschaft so verändert wie Wallraff.« Hans Leyendecker, Süddeutsche Zeitung
»Günter Wallraff schreibt schnörkellos und direkt, nennt Namen und scheut keine Auseinandersetzung.« Deutschlandfunk
»Es ist gut, dass es jemanden wie Wallraff gibt. Denn auch wenn seine Aktionen, ebenso wie von "Borat"-Schöpfer Baron Cohen oder Michael Moore, umstritten sind, brauchen demokratische Gesellschaften Menschen, die ihnen den Spiegel vorhalten. Denn der zeigt Fratzen, die niemandem mehr auffallen, weil sie zum Alltag gehören.« Sophie Albers, Focus
»Dem Feldforscher selbst zeigt nicht nur diese Episode, dass er mehr denn je gebraucht wird. [...] Als Anwalt der Deklassierten ist er von der Gegenseite zu Recht gefürchtet.« Hartmut Wilmes, Kölnische Rundschau
»Günter Wallraff steht für einen Journalismus, der sich vorwagt, der aufdecken, ans Tageslicht bringen will. Für die Selbstregulierungskräfte einer Gesellschaft ist diese Art von Berichterstattung unersetzlich.« Dorothee Krings, RP Online
»Günter Wallraff ist der journalistische Zorro der Entrechteten und Deklassierten.« Joachim Günter, NZZ Online
»Der alltägliche Rassismus, dem sich dunkelhäutige Menschen in Deutschland ausgesetztz sehen, ist kein Staatsgeheimnis. [...] Und doch: Ohne Günter Wallraff wäre das Thema jetzt nicht wieder auf allen Kanälen. [...] Solange es Leute gibt, die in Zweifel ziehen, dass rassistische Diskriminierung hierzulande noch immer zum Alltag gehört, so lange trägt ein Günter Wallraff zur Aufklärung bei.« Daniel Bax, taz
Günter Wallraff wurde am 1. Oktober 1942 in Burscheid bei Köln geboren.Nach ...
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Kommentare
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Wallraff,
machen Sie weiter so!
Ich habe dieses Buch verschlungen. Und der Freund, von dem ich es geschenkt bekam, gehört zur sogenannten Oberschicht, ist Unternehmersohn! ich bin wohl \"sein schlechtes\" Gewissen; wohl deshalb beschenkte er mich mit diesem Buch, mit Originalwidmung von Herrn Wallraff (Frankf. Buchmesse)!
Ich war früher auch bei der Bundesbahn, und wechselte nach 10-jähriger Zugehörigkeit zurück \"ins Leben\"; damals schon herrschte Ende 70iger/Anfang 80iger beamtliche Arroganz in den oberen Verwaltungsebenen/Direktionen.
Und später, in meiner ehrenamtl. Tätigkeit als Betriebsrat erlebte ich in unserem Unternehmen ähnl. Dinge wie von Herrn Wallraff beschrieben. Wir hatten damals den Eindruck, als hätten unser damaliger Niederlassungsleiter und Herr Mehdorn dieselben Schulungen besucht!
Ich habe alles überstanden, auch mit Herzinfarkten, ein Kollege bekam ein Herzinfarkt während der Betriebsversammlung!!!
Heute bin ich inzwischen mit fast 63 Neu-Rentner...
Anmerken möchte ich, dass mir Ähnlichkeiten in der frühen Biographie Herrn Wallraffs und mir auffielen, dass auch mein Vater (Schosser bei der Bahn!) verstarb als ich 15 war; meine Mutter (österreiche Abstammung und aus verarmten bürgerl. Verhältnissen) verstarb, ich war 24 -dadurch Abbruch des Studiums-.
Sollte sich Herr Wallraff irgendwann in die (noch Beamtenstadt) Karlsruhe \"verirren\", ich würde mich geehrt wissen, ihn bei uns empfangen und bewirten zu dürfen (war zu geschwollen, gell?).
Wir/ich meinen es ernst!
Weiterhin viel Erfolg! Gute Nerven! Beste Gesundheit!
Herzliche Grüße aus dem Südwesten und vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Konrad Preiß
Konrad Preiß, 19.11.2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Wallraff,
ich kann nicht mehr genau sagen, wie ich vor etwa 10 Jahren zum Wallraff-Leser geworden bin (war's durch einen Krabbeltisch eines Antiquariats, war's an einem Bibliotheksregal?), aber der mutige, engagierte und sehr nötige Journalist Wallraff ist mir zu einem der wenigen in der Öffentlichkeit geworden, deren ich Integrität ich uneingeschränkt Glauben schenke. Auch das neue Buch hat mich empört und erschrocken - Wallraff beschreibt einen kalten Bürgerkrieg gegen diejenigen, denen ihre aufrechte und verantwortungsbewusste Gesinnung das Genick bricht; und die Genickbrecher und ihre Helfer sind zum größten Teil die sogenannten "Leistungsträger", die "Elite". Wallraffs Verdienst ist es, die konkreten Auswirkungen der elitären, neoliberalen Diskurse auf unser aller Lebens- und Arbeitswelt aus dem Halbdunkel ans Tageslicht zu zerren. Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern - in Deutschland - gegen die eigenen "Eliten".
Robert Wegener, 23.06.2010